Luxemburg Leaks
Deutsche Firmen sparten mit Steuerdeals Millionen

Mit Hilfe Luxemburgs haben Konzerne offenbar Milliardenzahlungen gespart. Das Großherzogtum soll ihnen laut Medienberichten Steuern von unter einem Prozent genehmigt haben. Auch deutsche Unternehmen machen demnach mit.
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BerlinGeheime Dokumente, nicht gezahlte Steuermilliarden und mittendrin deutsche Unternehmen: Ein Steuerskandal großen Ausmaßes kündigt sich an. Dabei geht es um Absprachen Luxemburgs mit Konzernen.

Deutsche und internationale Firmen vermeiden mit Unterstützung der Luxemburger Regierung offenbar Steuerzahlungen in Milliardenhöhe. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstagausgabe). Die Zeitung beruft sich in ihrem Vorabbericht auf die Auswertung von 28.000 Seiten geheimer Dokumente durch das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ).

Diese belegen demnach, dass die Luxemburger Behörden zum Teil äußerst komplizierte Finanzstrukturen genehmigten, die das Beratungsunternehmen Pricewaterhouse-Coopers (PwC) im Auftrag der Firmen entwickelt habe. Die Dokumente zeigten, wie zahlreiche internationale Unternehmen von dem System profitiert hätten, hieß es weiter.

Demnach wurden etwa über Niederlassungen in Luxemburg firmeninterne Kredite vergeben, wodurch sich die Steuerlast in anderen Staaten verringert habe. Zudem seien auch Fondsgesellschaften gegründet worden, die so konstruiert gewesen seien, dass bei Immobilienprojekten in mehreren europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, kaum Steuern angefallen seien. Manche Firmen hätten aufgrund dieser Steuergestaltungen auf Gewinne teilweise weniger als ein Prozent Steuern gezahlt.

Profitiert hätten von diesem Vorgehen neben multinationalen Unternehmen wie Pepsico, Fedex, Procter & Gamble, Amazon und Ikea auch die deutschen Dax-Konzerne Deutsche Bank, Eon und Fresenius Medical Care (FMC). Die betroffenen Konzerne betonten dem Blatt zufolge, dass sie stets legal arbeiteten. Die Unternehmensberatung PwC habe erklärt, sie handele „in Übereinstimmung mit lokalen, europäischen und internationalen Steuergesetzen“.

Dem Bericht zufolge gründete die Deutsche Bank in Luxemburg und anderen Steueroasen Fondsgesellschaften. Die Fonds hätten Immobiliengeschäfte in Europa abgewickelt und seien so konstruiert, dass bei ihnen kaum Steuern anfielen, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Der Energieversorger Eon und der Gesundheitskonzern FMC hätten über Niederlassungen in Luxemburg firmeninterne Kredite vergeben.

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  • Das Konstrukt EU war schon ein kluger Schachzug von Unternehmen und Banken, um Ihre Interessen direkt von eigenen Leuten vetreten zu lassen (Junker, Draghi etc.). Die legale Steuerhinterziehung ist aber politisch gewollt, durch gewählte Regierungen in den einzelnen Ländern.

    Und solange die Mehrheit etablierte / gut finanzierte Politiker wählt, dann zahlt halt der Geringverdiener die Steuern bei faktischer Steuerfraiheit der Großkonzerne. Am Ende ist es also doch wieder die Dummheit der Mehrheit, die ja bekanntlich unendlich ist, welche diesen Zustand will. Alternativen für Deutschland und die EU gibt es ja, jemseits der "demokratischen Partein", um die Interessen der Mehrheit durchzusetzen.

    Also vielelicht erstmal an die eigene Nase packen.

  • Wer solche legalen Steuerschlupflöcher mitten in Europa schafft wo so viele Staaten finanzielle Schwierigkeiten haben und Unternehmen so wie so immer weniger Steuern zahlen, hat in der Politik nichts zu suchen. Soll er sich in der Privatwirtschaft eine Stelle suchen und die Unternehmen beraten wie sie Steuern sparen können.

  • Ihre Argumentation ist zwar nachvollziehbar, hat aber einen entscheidenen Haken. Prinzipiell bin ich auch Ihrer Meinung, dass man Unternehmen möglichst wenig besteuern sollte. Und in DE sind die Steuern generell viel zu hoch. Problematisch ist dies jedoch, wenn dies nur für einige wenige "clevere" Unternehmen gilt, für die anderen jedoch nicht. Dann führt dies zu massiven Wettbewerbsverzerrungen. Sicher wollen auch Sie nicht, dass Unternehmen A keine bzw. kaum Steuern auf den Gewinn zahlt, während Unternehmen B aus derselben Branche seinen Gewinn voll versteuert.
    Als kleiner Freiberufler, der seine Steuern fast ausschließlich auf Projekten im Ausland erwirtschaftet, bekomme ich diese Unfairness massiv zu spüren. Häufig bin ich Projektleiter eines Teams und gleichzeitig der Einzige der durchschnittlich deutlich mehr als 35% seines Einkommens an den Staat abdrücken muss. Auffällig sind z. B. auch Unternehmen aus steuergünstigen osteurop. Ländern dieser unseligen EU, deren MA zwar in DE wohnen, während die Einnahmen aber z. B. über Sofia laufen. Die schlimmsten Steueroasen in der EU sind jedoch Zypern und Jersey. Gegen Leute, die nur 10% oder in Zypern neuerdings 12,5% Steuern auf ihren Gewinn zahlen, kann ich zumindest preislich nicht ankommen. Und dies gilt nicht nur für Ein-Mann Unternehmen, sondern für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen. Die EU lässt den Steuerbetrug für kleine und mittlere Unternehmen aus DE nicht zu, während er für alle anderen Unternehmen ermöglicht wird. Auch die deutschen Steuerbehörden drücken zumindest bei Ausländern beide Augen zu, wenn deren Einnahmen über Steueroasen laufen.

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