Luxusgüterkonzernchef
Der reichste Franzose ist in Belgien nicht willkommen

Frankreichs Superreiche sind auf der Flucht vor dem Fiskus. Doch nicht immer läuft es so, wie die Vermögenden sich das vorgestellt haben. Das muss nun Bernard Arnault am eigenen Leib erleben.
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ParisEin kleiner Schock für alle superreichen Franzosen, die vom Steuerexil in Belgien träumen: Die Aufnahme im Nachbarland ist nicht so selbstverständlich, wie sie angenommen haben. Das erlebt jetzt Bernard Arnault, der Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH und reichste Mann Frankreichs, am eigenen Leib. Ihm wird voraussichtlich die belgische Staatsbürgerschaft verweigert.

Um keinen Ärger mehr mit dem französischen Fiskus zu haben, hat Arnault im Juli beantragt, als Belgier naturalisiert zu werden. Der Multimilliardär, der Nobelmarken wie Louis Vuitton und Bulgari sammelt, hat im Vollgefühl seiner Bedeutung aber wohl eine Kleinigkeit übersehen: Eine der Voraussetzungen ist, dass der Antragsteller seit mindestens drei Jahren seinen Hauptwohnsitz in Belgien hat. Wie die flämische Tageszeitung „De Morgen“ schreibt, ist das bei Arnault nicht der Fall. Deshalb habe die belgische Ausländerbehörde sich gegenüber dem zuständigen Parlamentsausschuss gegen die Naturalisierung Arnaults ausgesprochen. Theoretisch kann der Ausschuss sich darüber hinwegsetzen. Dafür wäre es aber erforderlich, dass Arnault „besonders enge Verbindungen“ mit Belgien nachweisen kann.

Der Fall wirft ein bezeichnendes Licht auf die Auseinandersetzung um das Steuer-Exil von Frankreichs Superreichen in Belgien: Mit großer Selbstverständlichkeit gingen diese davon aus, dass der kleine Nachbar glücklich darüber sei, Endlagerstätte für Steuerasylanten zu werden. Dass die Belgier vielleicht selber entscheiden, wen sie unter welchen Bedingungen aufnehmen, kam ihnen wohl nicht in den Sinn. Dabei haben Flamen und Wallonen durchaus ihren eigenen Kopf - und reagieren empfindlich auf jeden Ausdruck von Überheblichkeit des großen Nachbarn.

Im Fall Arnault kommt hinzu, dass auch eine innenpolitische Auseinandersetzung entbrannt ist. Die belgischen Sozialisten verdächtigen Arnault, er könne sich der Steuerhinterziehung schuldig machen. Der Fiskus untersucht laut „De Morgen“ bereits das Firmengeflecht, dass der Multimilliardär in Belgien aufgebaut hat. Sein wichtigstes Ziel ist es, die hohe französische Erbschafts- und Schenkungssteuer zu umgehen. Die liegt rund 40 Prozentpunkte über der belgischen. Seit einiger Zeit ist Arnault dabei, die Voraussetzungen für eine Übertragung seiner Anteile nach Belgien zu schaffen.

Sollte dem prominentesten Steuerexilanten Frankreichs tatsächlich die belgische Staatsangehörigkeit verwehrt werden, kann er es im nächsten Jahr noch einmal versuchen. Dann werden die rechtlichen Voraussetzungen neu geregelt. Einfacher wird es allerdings nicht: Statt drei Jahren muss der Antragsteller sogar fünf Jahre in Belgien ansässig sein. Einzige Ausnahme: Wenn er zur „Ausstrahlung Belgiens“ beiträgt, geht es auch schneller. Das gilt aber nur für kulturelle und sportliche Aktivitäten, nicht für das Anhäufen von Mammon. Nun baut Arnaults LVMH-Stiftung zwar gerade mit dem Stararchitekten Gehry ein protziges Museum mit erheblicher Strahlkraft - doch das ist fest betoniert am Bois de Boulogne und lässt sich nicht so schnell nach Belgien verlegen wie der private Wohnsitz.

Eine Ausweichlösung hat dagegen Filmstar Gérard Depardieu in der Hand, der auch Belgier werden möchte: Sollte ihm der neue Pass verweigert werden, kann er nach Russland ziehen: „Falls Gérard wirklich eine russische Aufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass will, so ist diese Frage bereits positiv entschieden“, sagte Russlands Präsident Putin am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa zufolge vor Journalisten in Moskau. Depardieu mache gerade harte Zeiten durch und sei ein enger Freund von ihm. Na sdarowje!

 

 

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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  • M.E SEHR schlechter Artikel!

    a.) ob ich einen Pass bekomme oder nicht knüpft an viele Voraussetzungen, darunter der ständige Wohnsitz. Das ist in den USA, Deutschland und fast überall so! Und das bewegt sich zwischen 3-5 Jahren fast weltweit!

    b.)
    Das die unbeschränkte Steuerpflicht (die hier von unserem reichen Franzosen gewünscht wird, weil weniger Pauschalierung und damit mehr Steuergestaltung möglich ist) in der Welt entweder nur an den Wohnsitz (Dt.) oder an die Staatsbürgerschaft (bspw. USA) anknüpft ist etwas sekundäres.

    ABER! die Regelung ist seit JAHREN so - überall in ähnlichen Ausmaßen und in diesem Artikel wird suggeriert, dass die Belgier etwas nicht wollen oder sich aus einer Laune heraus anders entscheiden!
    Einen Artikel wie diesen würde ich in den 30er Jahren des Deutschen Reichs erwarten!! Aus solch einer Stimmungsmache entstand auch die Verschärfung des Außensteuergesetzes. Mit Vermögen aus Deutschland auszuwandern ist seit der Massenflucht der politisch verfolgten vor 75 Jahren nämlich nicht mehr so einfach möglich! Und es traf und trifft längst nicht mehr nur die Reichen. Reine Stimmungsmache - die Bösen Reichen - die bösen Arbeitgeber - die bösen Banken - die bösen gierigen Ärtze - die faulen Griechen. Steht da mal was über die gierigen, faulen, steuerhinterziehenden, verbeamteten Abgeordneten aus tiefen bayrischen Provinz ??
    Die Staatsquoten haben längst wieder überall mehr als 50% erreicht. Es reicht! Ich brauche keine verbeamteten Lehrer und eine politisch gesteuerte Zentralbank die mal ganz politisch einen Zins festlegt. Das ist Planwirtschaft pur! Wer insolvent ist, ist insolvent. Bitte klare einfache Regeln liebe Welt!
    Echt blöder Artikel

    Übrigens - seit Hollande einen Spitzensteuersatz von 75% angekündigt hat, suche auch sehr viele Franzosen ihr Heil in Deutschland. Und die die wirklich reich sind, habe schon seit Jahren ihre Schäfchen über die Welt verteilt und im Trockenen. Es gibt noch mehr als genug Möglichkeiten dafür.

  • Natuerlich ist er in Belgien willkommen, die sind ja nicht so bloed und verscheuchen so eine Gedlmaschine.

    Das Handelsblatt suggeriert sehr gerne, ihr ahnt wohl schon dass Selbiges auch bald in Deutschland Realitaet wird.

  • @ lopeze
    So ist es. Da hilft auch die Ablenkung wegen Steuerverschwendung nichts. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun!
    Wer aus Steuergründen Deutschland verlässt, soll gehen, aber dann bitte auch keine deutsche Staatsbürgerschaft!

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