Machtbasis bröckelt
Atompolitik belastet Irans Wirtschaft

Irans Präsident Ahmadinedschad fordert den Westen heraus. Doch seine Machtbasis bröckelt. Weil das Wirtschaftswachstum und der Handel einbrechen wird die populistische Wirtschaftspolitik des Präsidenten inzwischen selbst in seinem eigenen konservativen Lager offen kritisiert.

TEHERAN. Nach außen gibt sich Teheran im Atomstreit stark, doch im Inneren gerät die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad unter Druck: Weil das Wirtschaftswachstum und der Handel einbrechen wird die populistische Wirtschaftspolitik des Präsidenten inzwischen selbst in seinem eigenen konservativen Lager offen kritisiert. Die deutsche Wirtschaft – Irans größter Lieferant – bekommt die konjunkturelle Abkühlung im bevölkerungsreichsten Land des Mittleren Ostens bereits zu spüren.

Die deutschen Ausfuhren in den Iran gingen in den ersten neun Monaten dieses Jahres erstmals deutlich zurück – um 14 Prozent auf drei Mrd. Euro, berichtet die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer in Teheran. Irans Exporte nach Deutschland sanken sogar um ein Viertel auf 295 Mill. Euro. 2005 hatten die Ausfuhren in Deutschlands wichtigstes Abnehmerland in der Region noch um 24 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro zugelegt.

Die Ursache für den Rückgang sehen westliche diplomatische Kreise in Teheran im verschärften US-Embargo sowie den möglicherweise bevorstehenden Uno-Sanktionen gegen den Iran: „Die Wirkungen schlagen schon durch und sind als Delle im Handel ablesbar, vor allem beim Mittelstand“, sagt ein Diplomat, der namentlich nicht genannt werden darf. Tatsächlich machen die USA Druck auf westliche Unternehmen, keine Geschäfte mit den Mullahs mehr zu machen.

Allerdings gibt es nach Ansicht von Experten auch viele hausgemachte Probleme. „Iran hat erhebliche Wirtschaftsprobleme, die bisher mit dem süßen Gift der hohen Öleinnahmen betäubt werden“, sagt ein Beobachter in Teheran. Die Erlöse aus dem Export von Erdöl machen 80 Prozent des iranischen Handels aus und bringen 60 Prozent der Staatseinnahmen. Der vor einem Jahr an die Macht gekommene konservativ-islamische Ahmadinedschad greift sogar in die Rücklagen des Öl-Stabilisierungsfonds, um seine ausufernden Ausgaben zu finanzieren. Teheran gibt Milliarden für die Subventionierung von Benzin und Grundnahrungsmitteln aus, um die unzufriedene Bevölkerung zu beruhigen.

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