Machthabers Kim Jong-Il
Nordkorea weist Todesnachricht zurück

Pjöngjang stemmt sich gegen Gerüchte von schwerer Krankheit oder Tod des Machthabers Kim Jong-Il. Japanische Zeitungen hatten über das Wochenende gemeldet, Nordkorea bereite die Bekanntgabe von Kims Ableben vor.

TOKIO. „Regierungsvertreter, mit denen ich in Pjöngjang im Kontakt stehe, haben energisch alle Spekulationen über Gesundheitsprobleme von Kim zurückgewiesen“, sagte Choo Boo-Kil, ein Vertrauter des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-Bak. Choo war erst Mitte Oktober in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang, um sich von der Lage dort zu überzeugen. Er berichtet von keinen ungewöhnlichen Vorkommnissen, was jedoch auch am Bestreben Südkoreas liegen könnte, Investoren nicht weiter zu verunsichern. Japanische Zeitungen hatten über das Wochenende gemeldet, Nordkorea bereite die Bekanntgabe von Kims Ableben vor. Doch auch chinesische Quellen beruhigen: Kim lebe, eine plötzliche Änderung in Nordkorea sei nicht zu erwarten.

Im August hatten Nachrichten über eine Gehirnoperation an Kim nach einen Schlaganfall die Nachbarn der koreanischen Halbinsel beunruhigt. Niemand in Nordostasien ist an einer Destabilisierung des stalinistisch regierten Landes interessiert. China legt Wert auf einen kommunistischen Verbündeten zwischen dem eigenen Staatsgebiet und den US-Truppen in Südkorea. Auch Russland ist jedes Nachbarland recht, das nicht explizit mit Amerika verbündet ist. Die Japaner wünschen sich mehr als alles andere stabile Wirtschaftsbeziehungen in der Region ohne störende Konflikte.

Südkorea wiederum befürchtet – nicht zuletzt nach Analyse der deutschen Wiedervereinigung – für 23 Millionen Nordkoreaner aufkommen zu müssen. Die Wirtschaftsleistung des abgeschotteten Landes liegt Schätzungen zufolge sehr weit unter der in Ostdeutschland 1989. Die derzeitige Regierung unter Präsident Lee erwägt jedoch zumindest als Option trotzdem das Szenario einer schnellen Wiedervereinigung, um den kommunistischen Angstgegner endlich auszuschalten. Nordkoreas Elite jedoch will jedoch um jeden Preise vermeiden, nach einer Wiedervereinigung zum Südkoreaner zweiter Klasse degradiert zu werden.

Falls Kim tatsächlich etwas zugestoßen sein sollte, bedeutet dies also nicht zwingend den Zusammenbruch des Staates. Notfalls werde das Militär die Macht übernehmen, sagt Chung-In Moon, Politologe und Nordkoreaexperte an der renommierten Yonsei-Universität in Seoul. Wegen des Personenkults im Lande sei jedoch eine Weitergabe der Macht an ein Familienmitglied Kims wahrscheinlich. In Frage komme kurzfristig beispielsweise der 62-jährige Chang Sung-Taek, ein Schwager Kims. Auch seine Söhne sind Kandidaten für die Nachfolge.

Die nordkoreanische Herrscherfamilie versucht erklärtermaßen, eine Dynastie zu gründen. Bei einem Treffen mit der damaligen US-Außenminister Madeleine Albright vor achte Jahren sagte Kim, er interessiere sich für Thailand als Modell. Dort herrscht ein König, das Land ist seit alters her unabhängig, hat aber eine vergleichsweise starke Wirtschaft. Eine Staatszeitung verkündete bereits 2002, die koreanische Revolution werden von „Vater zu Sohn und Enkelsohn“ über Generation weitergetragen, und das gelte auch für die geliebten Führer.

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