Machtkampf geht weiter
UN-Truppen sollen in Elfenbeinküste bleiben

In den politischen Wirren nach den Präsidentschaftswahlen im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste haben die Vereinten Nationen einen Abzug ihrer Friedenssoldaten glattweg abgelehnt. Die UN-Truppen gewährleisten derzeit den Schutz von Alassane Ouattara, dem Sieger der Präsidentenwahl.
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HB NEW YORK/ABIDJAN. Im Machtkampf in der Elfenbeinküste geraten die Vereinten Nationen immer mehr zwischen die Fronten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wies am Wochenende die Forderung von Staatschef Laurent Gbagbo nach einem Abzug zurück. Die Truppen der Vereinten Nationen (UN) würden ihr Mandat erfüllen und die Überwachung und Dokumentierung jeglicher Menschenrechtsverletzungen fortsetzen, sagte der Sprecher von Ban Ki Moon in New York.

Gbagbo hatte zuvor die UN-Friedenstruppen und die französischen Soldaten zum Verlassen des Landes aufgefordert und erklärt, diese mischten sich in innere Angelegenheiten ein. Seit der Präsidentenwahl am 28. November wächst der internationale Druck auf Gbagbo. Laut der Wahlkommission hat Herausforderer Alassane Ouattara die Abstimmung für sich entschieden.

Seit den Wahlen kämpfen Gbagbo und Ouattara um die Macht in dem westafrikanischen Land. Die Angst vor einem weiteren Bürgerkrieg bestimmt das Leben der rund 15 Millionen Ivorer.

Erst am Donnerstag waren bei Zusammenstößen von Anhängern beider Seiten mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Für Sonntag kündigten Unterstützer Gbagbos eine Massenkundgebung in der Nähe des Flughafens des Regierungssitzes Abidjan an.

Die Vereinten Nationen, die USA, EU und Afrikanische Union haben Gbagbo zum Rücktritt und Gang ins Exil aufgefordert. "Das ist undenkbar", sagte ein Sprecher Gbagbos zu Reuters und nannte die Präsenz der rund 10 000 UN-Soldaten einen Versuch der "Rekolonialisierung".

Ouattara wird derzeit in einem Hotel von UN-Friedenstruppen bewacht. Der Politiker, der die Präsidentenwahl mit acht Prozentpunkten Vorsprung gewonnen hat, will mit Gbagbo nur sprechen, wenn dieser zurücktritt. Unterdessen verschärft der Staatschef, der seit 2000 im Amt ist, seine Kritik gegen den Gegner, den er als Kandidaten der Ausländer bezeichnet und dem er gute Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich vorwirft.

Die Elfenbeinküste produziert etwa 40 Prozent des weltweiten Kakaobedarfs und ist auf die Einnahmen angewiesen. Dank der hohen Kakaopreise blieb das Land relativ unberührt von der internationalen Wirtschaftskrise. Wegen der politischen Unruhen können aber immer weniger Bohnen exportiert werden. Europas Händler haben aus Angst vor Lieferengpässen und weiter steigenden Preisen zuletzt verstärkt Kakaobutter eingekauft. Sie ist notwendig für die Herstellung von Schokolade.

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