Machtkampf in Großbritannien
„Brown steht mit dem Rücken zur Wand“

Für Gordon Brown wird es eng. Geht es nach britischen Medien, hat er nur noch bis Ende August Zeit, seine politische Karriere zu retten. Die „Blairisten“ warten auf den richtigen Zeitpunkt für einen Putsch, heißt es. Dabei ist die Person Brown nicht das das eigentliche Dilemma der Labour-Partei.

HB LONDON. "Nun übertreib mal nicht", sagt Gordon Brown in einer Karikatur zu seiner Frau. "Hier gibt es doch keine Haie!" Dabei ist der Premierminister, der gerade an der Nordsee Urlaub macht, von den hoch aufgestellten Schwanzflossen eines ganzen Raubfisch- Rudels umzingelt. Die satirische Zeichnung reflektiert die Dramatik des politischen Sommertheaters in Großbritannien.

Der Druck auf den politisch angeschlagenen britischen Premierminister Gordon Brown wächst weiter. Innerhalb der regierenden Labour-Partei bereiten jetzt Brown-Gegner die Vorlage ihrer eigenen "politischen Agenda" vor, berichteten britische Medien. Damit solle "eine Kampagne für seine Entfernung aus (der Downing Street) Nummer 10 beschleunigt werden", hieß es in der konservativen Zeitung "The Times".

Der Sender BBC meldete, Anhänger des von Brown im Juni 2007 abgelösten Premierministers Tony Blair wollten in den nächsten Wochen politische Initiativen zur Lösung wichtiger aktueller Probleme der Öffentlichkeit vorstellen. Es handele sich dabei um mehrere frühere Minister, die erklärtermaßen ein "Vakuum" in der Labour-Regierung füllen und das Profil der Partei gegenüber der laut Umfragen immer populärer werdenden konservativen Opposition stärken wollen.

Einen der Ex-Minister, der namentlich nicht genannt wurde, zitierte die BBC mit den Worten: "Gordon Brown steht mit dem Rücken zur Wand." Laut "Times" haben die Brown-Gegner, zu denen an vorderster Stelle der frühere Innenminister Charles Clarke und der frühere Handels- und Industrieminister Stephen Byers gehörten, eine Serie von Gesprächen mit amtierenden Ministern und anderen hochrangigen Labour-Politikern angekündigt. Damit solle der politische Druck auf den Premierminister aufrechterhalten werden.

"Brown hat nur noch bis Ende August Zeit, seine politische Karriere zu retten", meldete der liberale "Independent" unter Berufung auf die Fraktion der "Haie", der immer mächtiger werdenden innerparteilichen Gegner des Regierungschefs. Um das Blatt noch zu wenden, müsste der 57-jährige Schotte nach seinem Urlaub und dem sich daran anschließenden Besuch der Olympischen Spiele in Peking mit einem absolut überzeugenden Plan für den Machterhalt der bedrängten Regierungspartei nach London zurückkehren. "Ansonsten wird er durch eine Rebellion seines eigenen Regierungskabinetts aus dem Amt gedrängt", lassen seine Gegner wissen.

Noch schrecken die meisten Minister vor einem dramatischen "Königsmord" zurück. Sie beteuern ihr Vertrauen in die Fähigkeit des Regierungschefs, die Labour-Partei aus ihrem schlimmsten Popularitätstief seit Jahrzehnten herauszuführen. Doch das könnte sich rasch ändern. Die "Putschisten" ließen am Montag wissen, dass sie gezielte Gespräche mit Kabinettsmitgliedern und einflussreichen Labour-Abgeordneten über eine neue Politik führen wollen, mit der das Vertrauen der Wähler zurückgewonnen werden könnte.

Wie andere Mitverschwörer gelten sie als "Blairisten", als Gefolgsleute des Ex-Premierministers Tony Blair. Daher wundert es niemanden, der den britische Polit-Thriller verfolgt, dass nun eine geheime Aktennotiz Blairs mit vernichtender Kritik an Brown in die Medien lanciert wurde.

Doch das eigentliche Dilemma der Partei liegt freilich nicht darin, dass sie den unpopulären Brown loszuwerden versucht und dass dabei auch miese Tricks angewandt werden. Schlimmer ist, dass keiner der möglichen Nachfolger - als aussichtsreich gilt derzeit der einst auch von Blair geförderte Außenminister David Miliband - Labour einen echten Popularitätszuwachs bringen dürfte. Laut Umfragen würden die Briten die Blair-Brown-Partei bei Wahlen trotzdem in die Wüste schicken und die Tories an die Macht bringen.

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