Machtkampf
Iran will offenbar Hisbollah-Chef entmachten

Machtkampf in der libanesischen Hisbollah: Die iranische Führung soll dem Generalsekretär der Bewegung, Hassan Nasrallah, die Kontrolle über die Miliz entzogen haben.

HB DUBAI. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete am Donnerstag, die Führung des bewaffneten Armes der pro-iranischen Schiiten-Bewegung solle nach dem Willen Teherans vorübergehend Nasrallahs Stellvertreter, Scheich Naim Kassim, übernehmen. Im Libanon kursieren schon länger Gerüchte über interne Machtkämpfe in der Hisbollah. Bisher hat es jedoch niemand aus der Bewegung gewagt, die Autorität des von vielen Schiiten im Libanon verehrten Hisbollah-Chefs in Zweifel zu ziehen.

Die Hisbollah hatte im Sommer 2006 etwa einen Monat lang Krieg gegen Israel geführt. Anlass für den israelischen Angriff war damals die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah gewesen. Neben dem Iran ist Syrien der wichtigste Verbündete der Hisbollah, die ihre Minister im vergangenen Jahr aus dem Kabinett des anti-syrischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora abgezogen hatte.

Der Libanon versinkt indes immer tiefer in Gewalt und Chaos: Ein christlicher General und mindestens zwei weitere Menschen fielen am Mittwoch in Beirut einem Attentat zum Opfer. Der getötete Generalmajor Francois al-Hadsch galt als möglicher Kandidat für die Nachfolge von Heereschef Michel Suleiman, wenn dieser zum Präsidenten gewählt werden sollte. Es war der bislang erste Anschlag auf die Streitkräfte, die sich in der politischen Krise im Libanon bislang neutral verhalten haben.

Die Armee gilt vielfach als einzige Kraft, die das Land angesichts der derzeitigen politischen Zerrissenheit zusammenhalten kann. Wer hinter der Tat steckt, war zunächst unklar.

Der Anschlag auf al-Hadsch fällt in die Zeit der schwersten politischen Krise im Libanon seit dem Ende des Bürgerkriegs von 1975 bis 1990. Seit dem Ende der Amtszeit von Präsident Emile Lahoud ist das Land ohne Staatsoberhaupt. Die Spaltung des Parlaments in ein prowestliches Regierungslager und die prosyrische Opposition mit der Hisbollah hat bislang die Wahl eines Nachfolgers verhindert.

Nach dem Attentat wurde spekuliert, wer für die Tat verantwortlich sein könnte. Antisyrische Politiker machten die Regierung in Damaskus verantwortlich, was diese aber zurückwies und erklärte, Israel könnte ein Interesse am Tod al-Hadschs haben. Auch die Hisbollah, die gute Beziehungen zu den Streitkräften unterhält, verurteilte den Anschlag. Ein Verdacht richtete sich auch gegen militante Sunniten, die der Al Kaida nahestehen, denn Hadschdsch befehligte den Angriff der Streitkräfte im Sommer auf die einem Flüchtlingslager im Norden des Landes verschanzten Islamisten. Dabei kamen hunderte Menschen ums Leben.

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