Machtkampf
Mehr Befugnisse für den türkischen Geheimdienst

Das Parlament verschafft dem türkischen Geheimdienst mehr Befugnisse. Weitergehende Abhör-Maßnahmen und Auslandseinsätze werden so ermöglicht. Die Opposition befürchtet, ausgespäht zu werden. Erdogan sichert seine Macht.
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IstanbulNeue Befugnisse für den türkischen Geheimdienst haben die Sorge vor einem weiteren Machtzuwachs für Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geschürt. Mit ihrer Mehrheit im Parlament stimmte Erdogans AKP am Donnerstag für die Änderungen, die unter anderem weitergehende Abhör-Maßnahmen und Auslandseinsätze ermöglichen sowie die Immunität von führenden Mitarbeitern der Dienste stärken. Die Regierung begründete das Gesetz mit einer Anpassung an die Regelungen anderer Staaten. Die Opposition erklärte dagegen, der Geheimdienst MIT erhalte Zugang zu allen Unterlagen von Banken, öffentlichen Einrichtungen, Firmen und Gewerkschaften. Der MIT wird von Hakan Fidan geleitet, einem engen Vertrauten des Ministerpräsidenten.

Erdogan trägt derzeit einen Machtkampf mit seinem in den USA lebenden Rivalen, dem Geistlichen Fethullah Gülen und dessen Hizmet-Bewegung, aus. Der Streit um die neuen Geheimdienst-Befugnisse spielt dabei eine Rolle: Der Premier wirft Gülens Anhängern in Polizei und Justiz vor, Tausende Telefonate abgehört und die Aufnahmen als Teil eines inszenierten Korruptionsskandals lanciert zu haben. Gülen weist dies zurück. Erdogan hat inzwischen Hunderte Beamte entlassen.

Der Konflikt könnte seinen Beratern zufolge dazu führen, dass Erdogan lieber eine vierte Amtszeit als Ministerpräsident anstrebt statt sich um die Präsidentschaft zu bewerben. Gegenwärtig ist der Regierungschef in der Türkei mächtiger als das Staatsoberhaupt. Allerdings wird dieser im August zum ersten Mal vom Volk statt vom Parlament gewählt. Erdogan hat erklärt, dass dies dem Präsidenten eine zusätzliche Legitimation gebe, die er voll auszuschöpfen gedenke. Langfristig strebt er eine Umwandlung der Präsidentschaft zu einer starken Exekutive an, wie sie aus Staaten wie den USA bekannt ist.

Allerdings verbietet die Satzung der AK eine vierte Amtszeit als Ministerpräsident. Zudem stimmte eine Mehrheit der Partei Insidern zufolge einer geheimen Wahl am Mittwoch für eine Präsidentschafts-Kandidatur Erdogans. Nur eine Minderheit habe argumentiert, dass die Türkei vor Herausforderungen stehe, die das Land besser mit Erdogan als Premier bewältigen könne, hieß es. Präsident Abdullah Gül schloss derweil am Freitag einen Ämtertausch mit Erdogan aus. Das „Putin-Medwedew-Modell“ sei unpassend für eine Demokratie, sagte er unter Hinweis auf den Wechsel in Russland zwischen Präsident Wladimir Putin und Ministerpräsident Dmitri Medwedew an der Spitze des Staates.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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