Machtvakuum
Politik-Hickhack in Italien alarmiert IWF

Berlusconi will zurücktreten, nur wann, das ist offen. Italien droht damit ein für die Märkte gefährliches Machtvakuum. Der IWF beobachtet die Entwicklung mit Unbehagen und dringt auf klare Verhältnisse in Rom.
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Peking/RomDie Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat „politische Klarheit“ in Italien gefordert. Der IWF sei zur Hilfe in der italienischen Schuldenkrise bereit, sagte Lagarde am Donnerstag ferner vor Journalisten in Peking. „Politische Klarheit ist das, was notwendig ist.“ Niemand wisse, wer als politischer Führer aus der Krise hervorkomme, sagte Lagarde in einem Hinweis auf die Regierungskrise in Rom. „Politische Klarheit ist für bessere Stabilität förderlich.“

Trotz der Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi taumelt das hoch verschuldete Italien immer tiefer in die Krise. Der bevorstehende Abgang des skandalumwitterten Regierungschefs vermochte die Finanzmärkte nicht zu beruhigen und die Ängste vor einer Eskalation der Schuldenkrise nicht einzudämmen. Die Zinsen für Staatsanleihen des EU-Mitbegründers stiegen am Mittwoch erstmals seit der Euro-Einführung auf über sieben Prozent und damit auf ein Niveau, auf dem sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone auf Dauer nicht wird refinanzieren können. Vertreter der Euro-Zone machten am Abend klar, dass es keine Pläne für eine Finanzrettung des südeuropäischen Landes gebe. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief zur raschen Umsetzung der Reformen auf.

Lagarde sagte dagegen, der IWF stehe zur Unterstützung in der Krise zur Verfügung. „Wir sind bereit, die Rolle zu spielen, die unsere Mitglieder von uns erwarten.“ Zur Lösung der globalen Wirtschaftskrise sei auch eine bessere Kooperation mit den Schwellenländern notwendig, die eine wichtige Rolle mit ihrer Wirtschafts- und Währungspolitik spielten, sagte Lagarde. China sei „ziemlich besorgt“ über die Schuldenkrise in Europa.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte am Vorabend in Berlin davor gewarnt, die Europäische Union und die Eurozone auseinanderzudividieren. Eine gespaltene Union werde nicht funktionieren, erklärte er. Das bedeute Trennung. Jetzt die Bedingungen für einen Beitritt weiterer Länder in die Eurozone hochzuschrauben, wäre unfair. Es gehe vielmehr darum, die Integration in der Eurozone zu vertiefen, ohne eine Spaltung zu den Ländern herbeizuführen, die ihr noch nicht beigetreten seien.

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  • Daß ein Multimilliardär sein eigenes Land an die Wand fährt: das grenzt geradezu an Ironie.

  • Italien, der nächste Sargnagel für den " Euro " .
    Wir werden es schon noch schaffen, diese Pseudowährung
    wieder aufzulösen.

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