Machtverteilung nach IWF-Reform
China zieht an Deutschland vorbei

Der Internationale Währungsfonds (IWF) steht vor einer der größten Reformen seit seiner Gründung vor mehr als 60 Jahren. Schwellenländer erhalten in der Organisation künftig mehr Einfluss. Das geschieht zulasten der Industriestaaten. China wird künftig als IWF-Mitglied mächtiger sein als Deutschland.
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HB GYEONGJU. Konkret löst China Deutschland auf Platz drei der einflussreichsten IWF-Mitglieder ab. Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) erzielten am Wochenende in Südkorea damit überraschend einen Durchbruch in der Debatte um eine neue Struktur des IWF, der in Finanzkrisen oft als Retter auf den Plan tritt. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sprach von einer historischen Einigung.

„Das wird die größte Reform, die es je in der Führung der Institution gegeben hat“, erklärte Strauss-Kahn. Nach dem langen Gezerre um umfassende Änderungen hätten viele eine Einigung zuletzt für schier unmöglich gehalten. Auch vor dem G20-Finanzministertreffen in Gyeongju hatte es in nahezu allen Delegationen geheißen, das Thema werde - wenn überhaupt - wohl erst am 11. und 12. November beim G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs abgeschlossen. Jetzt muss der IWF-Direktoriumsrat die Vereinbarung noch bestätigen.

Im Zentrum der IWF-Reform steht eine Verschiebung der Stimmgewichte im Fonds von gut sechs Prozent in Richtung der aufstrebenden Schwellenländer. Trotz des Umbaus behalten die Europäer eine wichtige Position im Fonds, wenn man ihre Stimmen und Sitze zusammenzählt. Die zehn größten Anteilseigner mit den entsprechenden Stimmgewichten im Fonds sind künftig die USA, Japan, China, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland, Indien und Brasilien. China prescht von Platz sechs vor und überholt neben Deutschland auch Großbritannien und Frankreich. Auch Indien baut seine Macht aus. Im 24-köpfigen IWF-Vorstand gibt Europa zwei Sitze ab.

Die G20 verständigten sich zudem darauf, einen Wettlauf der Währungsabwertung zu verhindern und auf eine Harmonisierung des Welthandels hinzuarbeiten. Die USA konnten sich mit ihrer vor allem an China adressierten Forderung nach konkreten Vorgaben zur Überschussreduzierung nicht durchsetzen. Vielmehr gerieten die USA selbst wegen ihrer Geldpolitik unter Beschuss - vor allem aus Deutschland.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle übte nach dem Treffen ungewöhnlich scharfe Kritik an der Geldpolitik der USA. Die Schaffung von mehr Liquidität sei der falsche Weg, sagte Brüderle, der beim G20-Treffen den zu diesem Zeitpunkt noch erkrankten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vertrat. „Eine übermäßige permanente Geldvermehrung ist für mich eine indirekte Manipulation eines Kurses“.

Die US-Notenbank pumpt Milliarden von Dollar in die US-Wirtschaft, um der lahmenden Konjunktur auf die Sprünge zu helfen. Es wird weithin erwartet, dass die Federal Reserve schon bald abermals Staatsanleihen für Hunderte Mrd. Dollar kaufen wird. US-Finanzminister Timothy Geithner lehnte eine direkte Stellungnahme zur Kritik Brüderles ab. Vertreter der US-Regierung zeigten sich zufrieden, dass die G20 in ihrer Abschlusserklärung einen Wettlauf der Währungsabwertung verhindern zu wollen. Die USA fordern von China eine Aufwertung des Yuan, was Geithner am Sonntag bei Gesprächen in der Volksrepublik erneut zur Sprache bringen wollte.

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  • Guten Tag,.... Auch wenn ich Gefahr laufe als Rassist missverstanden zu werden;... Aber die Chinesen wuerde ich nicht mit der Mistgabel anfassen. Lasst das Pack machen was es will. Es ist eine Schande dass die Welt diesem Menschenverachtenden System auch noch den Hintern kuesst. besten Dank

  • Eigentlich hat sich wenig bzw. gar nichts verändert. Die meisten Stimmenanteile haben immer noch die USA, EU und Japan.

  • ..wiederholen wir hier als aktuelle Nachricht in Kurzform. Wir werfen ihm und Teilen der rest-csu schwerste Menschenrechtverletzungen in bayerns staatl. kontrollierten Psychiatrien und bezirkskranbkenhäusern sowie weitere schwerste Straftaten vor, die inzwischen allesamt bei Staatsanwaltschaften faktisch belegt sind.

    Dass die VRChina häufig in die Schlagzeilen der Weltpresse wegen seines "offiziellen" ungesetzlichen, ja da und dort brutalen Umgangs mit Kritikern gelangte, wie erst jüngst bei der Verleihung des Friedensnobelpreises, sei hier nur am Rande angemerkt. China ist dabei jedoch auch "innerlich" längst auf dem Weg zur Weltnation, ähnlich wie brasilien und viele andere ehem. "Drittländer". Mit diesen müssen wir kooperieren und Vertrauensbande aufbauen. Das "geht" jedoch nur, wenn wir im eigenen Haus keinerlei Zweifel an Rechtsstaatlichkeit und Demokratie lassen. Dann, nur dann hat dieser so verletzbare Globus die Chance, die tatsächlichen basisprobleme der Überbevölkerung, des nachhaltigen Umgangs mit unserer Lebens-Ressourcen, die Energie- und Abfallproblematiken allüberall bis hin zu entsetzlicher Armut, Krieg und Seuchen anzugehen. Lokale verzweiflungs-gestrige wie die bayr. csu-reste dürfen diese Chance nach unserer festen Überzeugung nicht weiter blockieren. Wir rechnen damit, das bald die CDU bundesweit wählbar wird, gar mit Herrn zu Guttenberg an ihrer Spitze?!

    Danke "Handelsblatt" für die hervorragende Unterstützung unserer kleinen Truppe! i.A. b. Pallmann, Sprecher

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