Machtwechsel
Buhari gewinnt die Wahl in Nigeria

Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen entscheidet Muhammadu Buhari die Präsidentenwahl in Nigeria für sich: Amtsinhaber Goodluck Jonathan gibt sich geschlagen. Beide Kandidaten haben einander Wahlbetrug vorgeworfen.
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AbujaDer frühere Militärdiktator Muhammadu Buhari hat die Präsidentschaftswahl in Nigeria gewonnen. Der 72-Jährige Muslim lag nach Auszählung der Stimmen in allen Bundesstaaten des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas mit rund 2,5 Millionen Stimmen in Führung, wie die Wahlkommission mitteilte.

„Ich habe dem Land freie und faire Wahlen versprochen, und ich habe mein Wort gehalten“, hieß es in einer Mitteilung des amtierenden Präsidenten Goodluck Jonathan. Er forderte seine Anhänger auf, das Ergebnis zu akzeptieren. Stunden zuvor hatte Jonathan in einem Telefonat Buhari gratuliert. Beobachter meinten, Jonathan habe damit höchst verantwortungsbewusst gehandelt und mögliche Gewaltausbrüche verhindert.

Sollte die Machtübergabe friedlich verlaufen, wäre es das erste Mal in der Geschichte dieses reichsten afrikanischen Landes, dass eine Oppositionspartei die Kontrolle übernimmt. Beobachter sagten, dies wäre ein Zeichen für die fortschreitende Reife der noch jungen Demokratie in Nigeria, die erst 1999 wieder eingeführt worden war.

Die Europäische Union begrüßte den Sieg des Oppositionskandidaten. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärte am Dienstagabend in Brüssel, sie begrüße den Wahlsieg Buharis als Kandidat der Partei APC "herzlich". Zugleich gratulierte sie den Politikern aller Parteien, die bei der gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahl am Wochenende einen Sitz in der Abgeordnetenkammer und im Senat erlangt hätten. Mogherini dankte Amtsinhaber Goodluck Jonathan für dessen "großen Beitrag für den Aufbau des Landes und für die Festigung der Demokratie in den vergangenen fünf Jahren".

Nur wenige Stunden zuvor hatten sich Buhari und Jonathan noch gegenseitig Betrug vorgeworfen. „Wir haben die Wahl gewonnen“, verkündete Buharis Sprecher Garba Shehu am Nachmittag nach Auszählung fast aller Bundesstaaten und einem Stimmenvorsprung von rund 1,5 Millionen. „Wir sind aber noch nicht über den Berg. Wir wissen nicht, welche Tricks die Regierung spielen will.“

Auch die Regierungspartei sprach von Wahlbetrug. Kabinettsminister Peter Godsday Orubebe unterbrach die Auszählung und schrie den Vorsitzenden der Wahlkommission an: „Wir haben das Vertrauen in Sie verloren. Sie sind parteiisch.“ Auch die USA und Großbritannien hatten am Montag von „bestürzenden Hinweisen“ auf politische Einflussnahme bei der Auszählung der Stimmen berichtet.

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