Machtwechsel im Bürgerkriegsland
Liberias Präsident Taylor fliegt ins Exil

Der Präsident des westafrikanischen Bürgerkriegslandes Liberia, Charles Taylor, ist am Montag zurückgetreten und ins Exil gegangen. In der von jahrelangen Kämpfen zerrütteten Hauptstadt Monrovia kam es zu spontanen Jubelfeiern, als die Ausreise des Staatschefs bekannt wurde, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden.

Reuters MONROVIA. Als Nachfolger Taylors wurde dessen Stellvertreter Moses Blah vereidigt, der die Rebellen zu Friedensgesprächen aufrief. Diese forderten Blah jedoch auf, baldmöglichst die Macht einer Übergangsregierung zu übertragen. In dem seit fast 14 Jahren andauernden Bürgerkrieg sind allein seit Juni mehr als 2000 Menschen ums Leben gekommen.

Mit seinem Amtsverzicht gab Taylor auch dem Druck der USA nach. US-Präsident George W. Bush hatte Taylor persönlich zum Rücktritt aufgefordert. Am Abend hob eine Maschine vom Flughafen Monrovias ab, die Taylor Diplomatenangaben zufolge nach Nigeria bringen sollte. Das westafrikanische Land hat Taylor Asyl angeboten, der wegen Kriegsverbrechen im Nachbarland Sierra Leone angeklagt ist.

Vor seiner Ausreise hatte Taylor sich noch einmal ans Volk gewannt, dessen Geschicke er zunächst als Machthaber und später als gewählter Präsident fast anderthalb Jahrzehnte maßgeblich bestimmt hatte: „Ich verlasse Euch mit diesen Abschiedsworten: So Gott will, komme ich wieder.“ Taylor sprach bei einer Feier in Monrovia, an der auch Vertreter der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) teilnahmen.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan äußerte seiner Sprecherin zufolge die Hoffnung, dass der Rücktritt Taylors „den Anfang vom Ende eines langen Albtraums für das liberianische Volk“ markieren wird.

Blah, ein enger Verbündeter Taylors, bleibt nach Angaben von Ghanas Präsident John Kufuor bis Oktober im Amt. Danach soll eine Übergangsregierung die Amtsgeschäfte übernehmen. Sie werde aus Vertretern gebildet, die von den Kriegsparteien bei Gesprächen in Ghana bestimmt würden, sagte Kufuor, der den Ecowas-Vorsitz innehat.

Die Rebellen der Liberianischen Vereinigung für Versöhnung und Demokratie (Lurd) weigert sich jedoch, diesen Zeitplan zu akzeptieren. Ihr Anführer Sekou Conneh sagte Reuters, eine Übergangsregierung müsse binnen weniger Wochen gebildet werden. „Wir wollen so schnell wie möglich eine Übergangsregierung haben, damit wir die Waffen umgehend niederlegen können.“ Conneh kündigte Gespräche darüber in der ghanaischen Hauptstadt Accra an. Die Lurd hatte erklärt, sie werde sich erst zurückziehen, wenn Taylor das Land verlasse.

In Liberia waren bereits in der vergangenen Woche die ersten westafrikanischen Friedenstruppen eingetroffen. Sie bilden die Vorhut einer Truppe, die die Ecowas stellt. Die USA haben bereits eine kleine Gruppe von Marine-Infanteristen nach Monrovia entsandt, die die logistische Unterstützung der Friedenstruppen vorbereiten soll. Vor der liberianischen Küste liegen zudem mehrere US-Kriegsschiffe mit 2300 Marine-Infanteristen. Über ihren Einsatz in Liberia ist bislang noch nicht entschieden worden. In Regierungskreisen wurde erwartet, dass sich der US-Botschafter nach dem Rücktritt Taylors mit den Rebellen treffen werde.

Taylor hatte 1989 eine Revolte mit dem Ziel angeführt, den damaligen Diktator Samuel Doe zu stürzen. Es folgten sieben Jahre Bürgerkrieg, in dem 200 000 Menschen getötet wurden. Taylor ging als stärkster aus einer Reihe von Kriegsherren hervor und wurde 1997 zum Präsidenten gewählt. Auch danach kam das Land nicht zur Ruhe.

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