„Madame le maire“
Paris bekommt die erste Bürgermeisterin

Am Sonntag finden in Frankreich Kommunalwahlen statt. Eines steht dabei bereits fest: Erstmals in der Geschichte wird eine Frau neues Stadtoberhaupt in Paris. Das Wahlsystem kommt der Sozialistin Hidalgo entgegen.
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ParisIn der französischen Hauptstadt wird Geschichte geschrieben: Erstmals wird Paris künftig von einer Frau regiert werden. Die Sozialistin Anne Hidalgo und die Konservative Nathalie Kosciusko-Morizet konkurrieren bei den am Sonntag beginnenden Kommunalwahlen um die Nachfolge des scheidenden Bürgermeisters Bertrand Delanoë. Trotz der großen Unbeliebtheit der sozialistischen Regierung von Präsident François Hollande geht die 54-jährige Hidalgo als Favoritin in das Rennen.

„Eine Frau an der Spitze einer der wichtigsten Städte der Welt...wird natürlich einen sehr, sehr wichtigen Einfluss haben“, sagte Hidalgo der Nachrichtenagentur AP. In jüngsten Umfragen führt die Politikerin vor ihrer 40 Jahre alten Rivalin Kosciusko-Morizet, einem aufstrebenden Star der UMP, der konservativen Partei von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Hidalgo war 13 Jahre lang die Stellvertreterin von Bürgermeister Delanoë. Ihre Eltern sind aus Spanien ausgewandert, als sie zwei Jahre alt war. Sie gilt als diskret und hart arbeitend, in der Öffentlichkeit tritt sie zurückhaltend auf – sie wolle lieber so viele Pariser wie möglich treffen, statt ein Medienstar zu sein, argumentiert sie. Hidalgos Kampagne ist so ruhig gewesen, dass ihre konservativen Gegner ihr vorwarfen, sie halte Winterschlaf.

Hidalgos ambitionierte Gegnerin Kosciusko-Morizet schien anfangs echte Chancen auf das Bürgermeisteramt zu haben. Die Kampagne der früheren Umweltministerin erlitt jedoch durch fehlende Einheit innerhalb der eigenen Partei einen Dämpfer. In einigen Wahlkreisen müssen UMP-Kandidaten gegen abtrünnige Konservative antreten. Dies könnte Kosciusko-Morizet wichtige Stimmen kosten. Der Bürgermeister von Paris wird durch eine indirekte Wahl bestimmt.

Während Hidalgo keine Karriere auf nationaler Ebene vorzuweisen habe und „Erbin eines Mannes“ sei, verfüge Kosciusko-Morizet über „enorme politische Ressourcen“ sowie eine Karriere auf Ministerebene, sagte Gael Sliman, politischer Analyst beim Umfrageinstitut BVA. Zudem sei Kosciusko-Morizet mit ihren 40 Jahren „recht jung“. Aber sie sei mit einem Aufstand innerhalb der UMP bestraft, meinte Sliman.

Die konservative Kandidatin, bekannt unter ihren Initialen NKM, stammt aus einer Politikerfamilie mit guten Beziehungen. Ihr Großvater war einst Botschafter in den USA, ihr Vater ist Bürgermeister einer Kleinstadt nahe Paris. Sie selbst war bis vor kurzem Bürgermeisterin des Pariser Vororts Longjumeau.

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