„Made in France“-Start verschoben
Französischer Terror-Thriller kommt zur Unzeit

Eine Kalaschnikow am Eiffelturm: Das Plakat von „Made in France“ über islamische Terroristen kündigt den Kinostart des Thrillers für Mittwoch an. Doch die Realität überholte die Fiktion. Der Film bleibt unter Verschluss.

ParisAm Mittwoch sollte der Terror-Thriller „Made in France“ in die französischen Kinos kommen. Doch daraus wird erst einmal nichts. „Nach den Anschlägen vom Freitag haben wir beschlossen, den Start zu verschieben“, sagt James Velaise vom Verleih Pretty Pictures dem Handelsblatt, „das war die einzig sinnvolle Entscheidung“. Der Film sei von der Wirklichkeit überholt worden.

„Made in France“ handelt von Islamisten, die sich in der französischen Banlieue radikalisieren und Anschläge verüben, also sogenannten „home-grown terrorists“. Das Plakat zeigt eine Kalaschnikow, die am Eiffelturm lehnt – in der Tat ein Bild, das nach dem Blutbad vom Freitag wohl niemandem zuzumuten ist. Am Samstag stoppte der Verleih die geplante Werbekampagne in den Pariser Verkehrsbetrieben.

Der Dreh wurde noch vor dem Attentat vom 7.Januar auf die satirische Zeitung Charlie Hebdo abgeschlossen. Fertig wurde der Film erst in den vergangenen Wochen. Die Hauptperson ist ein Journalist, der im Milieu der jungen Radikalen recherchiert, dann aber zwischen die Mühlsteine seiner vermeintlichen Glaubensbrüder und der Polizei gerät und nicht mehr zurück kann.

Obwohl Regisseur Boukrieff ausführlich in der Banlieue recherchiert und auch mit der Politischen Polizei zusammengearbeitet hat, ist der Film keine soziologische Studie, „sondern ein reiner Thriller“, stellt Velaise klar. Es sei „der erste Film dieser Art“, soweit er wisse. „Die Öffentlichkeit hätte nicht verstanden, wenn wir ihn wenige Tage nach den grausamen Anschlägen gezeigt hätten.“

Einen neuen Starttermin gibt es noch nicht. Es habe keinerlei politischen Druck gegeben, hebt der Chef der Verleihfirma hervor: „Wir haben schlicht das gemacht, was wir für verantwortlich halten, wir wollen niemanden provozieren oder vor den Kopf stoßen.“

Sicher ist die Entscheidung richtig. Andererseits kann ein Thriller möglicherweise ein Publikum erreichen, dass weder Politiker noch Aktivisten von NGOs oder nachbarschaftlichen Hilfsgruppen ansprechen können. Velaise sagt, dass der Film als Vorpremiere mehrfach in der Banlieue vor Jugendlichen gezeigt wurde: „Sie haben ihn verstanden, und sie waren begeistert.“ Vom Ende verrät er nur so viel: „Die Bösen gewinnen nicht!“

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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