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18.07.2007 
Lohngefälle

Männer-„Windelauszeit“ soll Pflicht werden

Mit neuen Gesetzen will die EU-Kommission das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen einebnen, das in Deutschland stolze 22 Prozent beträgt. Einer der Gründe dafür ist die Erziehung der Kinder, die meist die Frauen übernehmen - deshalb denkt die Kommission sogar darüber nach, Männern eine Eltern-Auszeit vom Job verpflichtend aufzuerlegen.

Vorlesen statt Meeting: Vater mit seinem Sohn. Foto: obsLupe

Vorlesen statt Meeting: Vater mit seinem Sohn. Foto: obs

HB BRÜSSEL. EU-Arbeitskommissar Vladimir Spidla sagte am Mittwoch, das erhebliche Lohngefälle zwischen Männern und Frauen hänge stark mit der „ungleichen Verteilung der Pflichten in der Familie“ zusammen. Die Idee eines allgemeinen Vaterschaftsurlaubs werde derzeit mit den europäischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden erörtert. Er wolle „nicht ausschließen, dass es einen Legislativvorschlag geben wird“, erklärte Spidla.

Nach Angaben aus Kommissionskreisen könnte ein solcher Vorschlag eine verpflichtende Elternzeit für Väter vorsehen. Dies hänge davon ab, was der Dialog mit den Sozialpartnern ergebe. Auch wenn sich diese ganz gegen einen Vaterschaftsurlaub aussprechen sollten, hätte die Kommission allerdings rechtlich die Möglichkeit, den Mitgliedstaaten und dem Europaparlament einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorzulegen.

Spidla beklagte, dass Frauen mit Kindern in den meisten EU-Staaten bei der Entlohnung systematisch benachteiligt seien. Er verwies auf Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat, wonach Frauen in der EU im Schnitt 15 Prozent weniger verdienen als Männer. In Deutschland beträgt der Abstand, der sich auf den Stundenlohn bezieht, sogar 22 Prozent. Als einen wesentlichen Grund dafür macht die EU-Kommission aus, dadasss sehr viel mehr Frauen als Männer teilzeitbeschäftigt sind und familienbedingt mehr „Brüche in ihrer Berufslaufbahn“ aufweisen.

Es könne nicht sein, dass eine Frau, „die bis zum 35. Lebensjahr zwei Mal eine Auszeit von acht Monaten für die Kindererziehung genommen hat, die Folgen noch 25 Jahre später zu spüren bekommt“, sagte Spidla. Neben der einseitigen Belastung der Frauen durch Haushalt und Familie kritisierte der Sozialkommissar auch die in vielen Unternehmen üblichen Gehaltssteigerungen nach Dienstalter: „Alle Senioritätssysteme sind eigentlich negativ für Frauen.“

Ein weiteres Problem stellt nach Auffassung Spidlas die „indirekte Diskriminierung“ typischer Frauenberufe dar. „Wie kann es sein, dass eine Supermarktkassiererin weniger verdient als ihr Kollege, der im Lager arbeitet?“, fragte der Sozialkommissar. Auch dass Krankenschwestern in vielen Ländern schlechter bezahlt würden als Polizisten, sei sachlich unbegründet: Vom Ausbildungsniveau vergleichbare Tätigkeiten müssten auch gleich bezahlt werden, forderte Spidla.

Als wichtigste Maßnahme gegen diese Form von Benachteiligung betrachtet der EU-Kommissar eine bessere Aufklärung der Arbeitnehmer über ihre Rechte sowie die Auszeichnung von Unternehmen, die solche Ungleichheiten beendeten. Zugleich müssten Frauen stärker dazu ermutigt werden, etwa technische Berufe zu ergreifen: „Frauen konzentrieren sich auf bestimmte Sektoren des Arbeitsmarkts, die in der Regel schlechter bezahlt werden“, sagte Spidla. Allerdings scheint hier eine Wechselwirkung zu bestehen: Komme es in einem ehemals männlich dominierten Sektor wie etwa dem Journalismus zu einer „Feminisierung, dann gehen die Löhne runter“, konstatierte der Sozialkommissar.

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