Märkte
In Asien öffnet sich die Wachstumsschere

China und Indien legen dank ihrer eigenen Märkte kräftig zu. Doch die kleineren Länder leiden zunehmend unter der globalen Schwäche: Sie bekommen die Wachstumsschwäche Europas und der USA zu spüren. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Länder Südostasiens unter hoher Inflation leiden.
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NEU DELHI, PEKING. Während die Wirtschaft in China und Indien in Riesenschritten expandiert, bekommen kleinere exportabhängige Länder wie Thailand, Malaysia und Singapur die Wachstumsschwäche Europas und der USA zu spüren.

Der gestern veröffentlichte chinesische Einkaufsmanagerindex stieg im November weiter an - und bestätigt den starken Trend. "Die Indikatoren weisen auf weiterhin starke Binnennachfrage hin", schreibt Chang Jian von Barclays Capital. Für das Gesamtjahr erwarten Ökonomen ein Wachstum von zehn Prozent. Für das vierte Quartal sieht Barclays Capital eine Ausdehnung des Bruttoinlandprodukts von 9,3 Prozent nach 9,6 Prozent im dritten Quartal. 2011 dürfte das Wachstum mangels neuer Konjunkturprogramme auf neun Prozent leicht absinken, so die Prognose.

Auch Indien kann sein fulminantes Wachstumstempo aufrechterhalten. Im dritten Quartal expandierte die Wirtschaft um 8,9 Prozent zum Vorjahr. Nachdem Asiens drittgrößte Volkswirtschaft diese schon im Vorquartal erreicht hatte, sehen Optimisten nun die neun Prozent in Reichweite. Gestützt wird diese Erwartung von den gestern veröffentlichten Novemberzahlen des verarbeitenden Gewerbes. Die Auftragsbücher sind voll, erste Kapazitätsengpässe werden sichtbar. Die Inder sehen ihre Zukunft in rosigen Farben, der private Konsum nimmt entsprechend zu und macht die Wirtschaft resistent gegen Krisen auf den Exportmärkten. Die Verkaufszahlen der Autoindustrie erreichten im Oktober einen Rekord.

Indiens größtes Risiko ist derzeit, dass es sich selbst im Weg steht. Doch bisher haben selbst die spektakulären Korruptionsskandale im Mobilfunk- und Bankensektor die Beliebtheit bei Investoren kaum geschmälert. Der Zustrom ausländischen Kapitals ging zwar leicht zurück. Finanzexperten sehen darin aber nur ein kurzfristiges Phänomen. Die Hauptsorge der Regierung gilt der hohen Inflation, die trotz sechs Zinserhöhungen in diesem Jahr bisher kaum zurückgegangen ist. Analysten erwarten deshalb, dass die Zentralbank Anfang 2011 erneut die Zinsen anhebt.

Sehr viel größere Sorgen haben die stark vom Export abhängigen Länder Südostasiens. In der ersten Jahreshälfte erzielten sie beeindruckende Wachstumsraten, doch jetzt fallen sie zurück. Thailand, Malaysia und die Philippinen mussten im dritten Quartal sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung gegenüber dem zweiten Quartal hinnehmen. Erneut zeigt sich ihre starke Abhängigkeit vom Wirtschaftsklima in den USA, Europa und Japan. Südostasien habe zu sehr auf eine rasche Erholung seiner wichtigsten Auslandsmärkte gesetzt und hohe Lagerbestände aufgebaut, urteilt Robert Prior-Wandesforde, Chefvolkswirt für die Region bei der Bank Credit Suisse. Jetzt müssten sie ihre Produktion zurückfahren, um die Bestände abzubauen.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Länder Südostasiens unter hoher Inflation leiden. Sie stehen vor der Wahl einer konjunkturstützenden Politik des billigen Geldes und der Anhebung der Zinsen. Thailand entschied sich gestern überraschend für Letzteres, trotz schlechter Wachstumszahlen. Damit dürfte die Währung weiter aufwerten, ein zusätzlicher Dämpfer für die Exporte. Noch besteht keine Gefahr einer erneuten Krise in Asiens exportorientierten Ländern. Denn der private Konsum entwickelt sich positiv und fängt die Rückgänge bei der Ausfuhr teilweise auf. Allein wegen des starken ersten Halbjahres werden sie für das Gesamtjahr 2010 noch ein Wirtschaftswachstum erreichen, von dem Europa und die USA nur träumen können.

Helmut Hauschild
Helmut Hauschild
Handelsblatt / Korrespondent
Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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