Magazin vs. Kanzlerin
Griechen wollen Merkel in Ketten sehen

Ein griechisches Magazin will die Kanzlerin wegen „Völkermordes“ vor Gericht bringen. Das hat zwar wenig Aussichten auf Erfolg. Es zeigt aber, wie plakativ die Medien mit der Krise umgehen - nicht nur in Griechenland.
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AthenIn vielen Rollen und Verkleidungen haben die Griechen Angela Merkel schon auf den Titelseiten ihrer Magazine und Zeitungen gesehen: Mal steckt die Kanzlerin in einer Nazi-Uniform, mal zeichnen Karikaturisten Merkel als blutsaugenden Vampir oder als Zirkusdompteuse, die mit geschwungener Peitsche gebrechliche griechische Rentner zum Sprung durch einen brennenden Reifen antreibt.

Das Monatsmagazin „Crash“ setzt jetzt eins drauf: Das jüngste Heft zeigt auf dem Titelbild Merkel in einer orangefarbenen Sträflingsuniform, wie man sie von Bildern aus dem Horror-Straflager Guantanamo kennt. Die Kanzlerin blickt wütend drein. Häftling 4339, so die Nummer auf Merkels Overall, trägt Handschellen. „Stellt sie vor Gericht wegen des Völkermordes an den Griechen“, lautet die Titelschlagzeile.

Giorgos Trangas, Herausgeber des Magazins und ungekrönter König des griechischen Radau-Journalismus, hat die Bundeskanzlerin beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ angezeigt. Schwacher Trost für Merkel: Auch IWF-Chefin Christine Lagarde, Finanzminister Wolfgang Schäuble, EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso und Ratspräsident Herman Van Rompuy sollen auf die Anklagebank. „Merkel und ihre Freunde glauben nicht an den Wert des menschlichen Lebens und der persönlichen Würde“, schreibt Trangas. Die Kanzlerin habe Griechenland „in ein modernes KZ“ verwandelt, in dem die Griechen „als die neuen Juden wie Aussätzige eingesperrt“ seien. „Massenverbrechen“ würden gegen die Griechen verübt, „ein wahrer Völkermord“ sei im Gang, so das Magazin.

Dass es jemals zu der von Trangas angestrengten Verhandlung vor dem Strafgerichtshof kommen wird, ist zwar so gut wie ausgeschlossen. Aber mit der jüngsten Nummer des Magazins „Crash“ erreicht der griechisch-deutsche Medienkrieg einen neuen Höhepunkt. Er tobt seit über zwei Jahren, und die Protagonisten auf beiden Seiten schenken sich wenig. Im Februar 2010 bildete das Magazin „Focus“ die Liebesgöttin Aphrodite mit einem Stinkefinger ab. „Betrüger in der Euro-Familie“, lautete die Schlagzeile der Titelgeschichte, in der die „Focus“-Redakteure den Griechen „2000 Jahre Niedergang von der Wiege zum Hinterhof Europas“ attestierten. Die griechische Zeitung „Ethnos“ revanchierte sich mit einer Fotomontage, die ein Hakenkreuz auf der Spitze der Berliner Siegessäule zeigte. Die „Bild“-Zeitung verunglimpfte zwei Jahre lang ein ganzes Volk als „Pleite-Griechen“ und riet ihnen, die Akropolis zu verkaufen, um ihre Schulden abzutragen.

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Aggressive Kampagnen in beiden Ländern

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  • http://menschenrechtsverfahren.wordpress.com/2012/08/14/vollendete-machtergreifung-soldaten-furs-aufsassige-volk-das-system-m/

  • Guten Tag, ich glaube sie verstehen den Sinn des Ganzen nicht, warum wird Frau Merkel so dargestellt, warum wird Deutschland so negativ gesehen hinterfragen sie sich selbst.
    Ich möchte jetzt nicht polemisch werden, aber mit dem Spardiktat wird die gesamte Mittelschicht in Griechenland zur Armut gezwungen, ich kenne Familien die ihre Kinder in SOS-Kinderdörfer schicken müssen, traurig ´sowas in Europa sehen zu müssen, die Lebensunterhaltungskosten sind in Griechenland mittlerweile auf mitteleuropäischen Niveau, das normal Leben funktioniert nicht mit diktierten "bulgarischen" Mindestlöhnen da muss angesetzt werden, aber dafür interessiert sich weder die griechische Regierung noch deren "Besatzer".
    Ein Beispiel die vorherige Regierung um Karamanlis, hatte Verträge mit Russland kurz vor dem Abschluss um die riesigen Erdöl und Erdgasvorkommen im Mittelmeer zu erschliessen, aber das entsprach ja nicht den europäischen Gedanken und wurde unter Androhung ausbleibender Zahlungen von den angesprochen Leuten unterbunden.
    Über 80% der Hilfszahlung fliessen an Länder wie Deutschland usw. zurück um Kredite der Banken zu bedienen, also kommt nichts an um der Rezession entgegenzuwirken.
    Dies sollte von den "Experten" hier bedacht werden.
    Griechenlands Problem sind die Korruption,Vetternwirtschaft und das verdrängen jeglicher Probleme, diesen Schuh ziehen wir uns an, aber als die anderen Länder davon profitiert haben siehe Siemens mit Milliardenaufträgen während der olympischen Spiele war eitel Sonnenschein.
    Nun sind wir zum Abschaum Europas degradiert worden die, die Erst Zivilisation über die Menschheit gebracht haben wovon heute noch profitiert wird.

    Es ist traurig heutzutage ein Grieche zu sein und sich rechtfertigen zu müssen gegenüber nun ja "Leuchten" wie es zum Beispiel die Engländer sind........

  • Es ist wirklich unglaublich si vieles RECHTES Gedankengut zu sehen. Ich habe frueher die Deutschen immer wegen objektiven Sichtweise der Dinge respektiert, zumindest im Vergleich zu anderen Staaten.
    Wenn man hier die ganzen Kommentare liest wuerde ich alles darauf verwetten das die Deutschen noch ganau die selben Menschen sind wie 1939. Aber ich hoffe sehr das dies hier nicht die Meinung der meisten Buerger wiederspiegelt.

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