International

_

Maggie Thatcher wurde 87: Die letzte konservative Ikone

Kaum eine andere politische Persönlichkeit hat Großbritannien im vergangenen Jahrhundert so sehr den Stempel aufgedrückt wie Margaret Thatcher. Die „eiserne Lady“ überließ nichts dem Zufall - und scheiterte dennoch oft.

Margaret Thatcher zählte zu den prägendsten Figuren Europas des letzten Jahrhunderts. Nun verstarb sie im Alter von 87 Jahren. Quelle: ap
Margaret Thatcher zählte zu den prägendsten Figuren Europas des letzten Jahrhunderts. Nun verstarb sie im Alter von 87 Jahren. Quelle: ap

LondonMargaret Thatcher gehörte zu den politischen Giganten des 20. Jahrhunderts, aber im Gedächtnis bleiben Bilder der Niederlagen, des Abschieds und Verfalls. In den letzten Jahren war sie kaum noch in der Öffentlichkeit zu sehen. Gelegentlich sah man die legendäre Premierministerin als gepuderte alte Dame, unsicher auf den Beinen. Der Film „Eiserne Lady“ mit Meryl Streep zeichnete den Verfall der einst Mächtigen auf. Nun ist die 87-Jährige in Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Anzeige

Aber in dem Maße, in dem sie als lebende Person von Vergänglichkeit und Ferne gezeichnet war, wuchs ihr historisches Ansehen. Nachdem Großbritannien nach 13 Jahren Labourregierung durch die Bankenkrise in eine schwere Schuldenkrise gerutscht war, wurden ihre Grundüberzeugungen, besonders ihr Gespür für die Grenzen des Staates, mit neuer Intensität diskutiert. Die Debatte, ob ihre Reformen in den Achtziger Jahren Großbritannien vor dem Ruin retteten oder vielmehr die industrielle Basis des Landes und mit ihr soziale Kohäsion zerstörten, wird heute so heiß geführt wie vor zehn Jahren.

Nur das Thatcher selbst, die Erfinderin von „Power Dressing“, die als erster britischer Politiker einen Imageberater hatte und in Kommunikationsfragen nie etwas dem Zufall überließ, schon lange nicht mehr eingreifen konnte.

Thatchers Leben in Bildern Regieren ohne Kompromisse

Margaret Thatcher mit Königin Elizabeth II 1979, im Jahr ihrer Amtseinführung. Die ehemalige britische Premierministerin wurde 1925 in Grantham geboren und verstarb am 8. April 2013 im Alter von 87 Jahren.

Bild: ap

Als sie am 28. November 1990, nach mehr als elf kontroversen Amtsjahren, die Downing Street Nummer 10 verließ, schimmerten in den der Fotografen ihre Tränen auf. Sie war von ihrer eigenen Partei durch einen Putsch entmachtet worden. Wie ein Schulmädchen biss sie sich auf die Lippen, um Haltung zu wahren. In diesem Bild begann der Mythos vom Meuchelmord an Thatcher, der die Konservativen in jahrelange Streitigkeiten und Komplexe stürzen sollte.

Thatchers letzter großer Auftritt auf der Weltbühne war die Beisetzung ihres politischen Partners Ronald Reagan im Juni 2004, mit dem sie die Jahre vor dem Fall des Kommunismus und der Berliner Mauer, „die acht wichtigsten Jahre in unser aller Leben“, eng zusammenarbeitete. Thatcher sprach auf einem voraufgenommenen Video und lauschte sich selber in der Kirche. „Er hatte feste Prinzipien – und die richtigen, wie ich glaube. Er erklärte sie klar und folgte ihnen in seinem Handeln voller Entschlusskraft“, sagte sie. Es war klar, dass sie damit auch sich selbst beschrieb.

Twitter Reaktionen auf den Tod der Eisernen Lady

Der Tod von Magaret Thatcher bewegt auch die Sozialen Medien. Handelsblatt-Online dokumentiert die Reaktionen im Kurznachrichten-Dienst Twitter.

  • 09.04.2013, 18:53 UhrLetzteshemd

    Dr Dip: Soviel "sozialist." Unsinn gabs in England gar nicht. Harold Wilson u. kurzzeitig Callaghan waren Pragmatiker. Die hohen Subventionen der Autoindustrie waren aber nicht zu halten, ganz recht (vergleichbar der Kohlesubvention bei uns). Während unter Blüm und Kohl Arbeitslose neue Qualifikationen etc. erwerben konnten, gehörten in GB plötzl. Millionen zum alten Eisen, wurden verschrottet.
    Den Krieg um die Malvinas sehe ich anders als Osterwelle. Da gab es eine stramme Diktatur, riesige Wellen von Entlassungen, Verzweiflung, Tote in den Gefängnissen - und in Argentinien unter Videla verhielt es sich genauso. Außerdem standen Wahlen an, als Maggie die 5000 Seelen mit Migrationshintergrund im Südatlantik einfielen.
    Staatliche Wohnungspolitik befürworte ich, unter strenger Kontrolle; ohne den Berliner Bankenskandal (von CDU/SPD) wäre in Bln. z.B. das Geld dagewesen, um den sozialen Wohnungsbau aufrechtzuerhalten. Seine Abschaffung macht vielen Familien das Leben schwer, Mieten von 1400 Euro in ehemal. Sozialwhg. für alteingesessene Türken, die ihr Leben schwer geschuftet haben, sind keine Seltenheit. Großverdiener brauchen den Staat nicht. Für die weniger Betuchten sind nichtstaatl. Genossenschaften ein besseres Modell, aber ohne Subventionen können sich Geringverdiener Neubauten mit guten Energiestandards heute kaum leisten - und auch die brauchen ein Dach über dem Kopf.

  • 08.04.2013, 21:24 Uhrmargrit117888

    Es sei „kein freudiger, sondern ein gefährlicher Moment“, vertraute sie Präsident Mitterand an, mit dem sie die Furcht vor einem neu erstarkenden Deutschland teilte.
    -----------------------
    So Maggie damals zur Einheit.
    Ob sie noch mitbekommen hat, dass weniger das Erstarken Deutschlands stattgefunden hat, als eine neu Hinwendung zum Sozialismus?

  • 08.04.2013, 21:22 Uhrmargrit117888

    DoktorDip
    sehr gut beschrieben

  • Die aktuellen Top-Themen
Millionen-Problem bei der KfW: Steuerzahlerbund beklagt fehlenden Sachverstand

Steuerzahlerbund beklagt fehlenden Sachverstand

Der Steuerzahlerbund macht die staatliche Bürokratie für die Kostenexplosion bei der Einführung einer neuen IT-Infrastruktur bei der Förderbank KfW verantwortlich. Es sei nicht das erste Beispiele für Behördenversagen.

WTO-Verhandlungen gescheitert : Indien lässt Hoffnung auf freien Welthandel platzen

Indien lässt Hoffnung auf freien Welthandel platzen

Die Hoffnungen waren groß: Vom ersten globalen Handelsabkommen im Rahmen der WTO sollten enorme Wachstumsimpulse ausgehen. Doch zumindest der Startversuch geriet zu einer traurigen Niederlage.

Abbau der Kalten Progression: CDU-Arbeitnehmer wollen Besserverdiener schröpfen

CDU-Arbeitnehmer wollen Besserverdiener schröpfen

Der Union droht ein Steuerstreit. Der Wirtschaftsflügel will die kalte Progression ohne Gegenfinanzierung abbauen, der Arbeitnehmerflügel will dafür Besserverdiener stärker belasten. Doch das hatte Merkel ausgeschlossen.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International