Mahmud Ahmadinedschad
Iran lädt zum Gipfeltreffen der Blockfreien

Am Sonntag treffen sich die 118 blockfreien Staaten in Iran. Das Land erhofft sich dadurch einen Imagegewinn. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat zugesagt. Er will auf dem Gipfel kritische Themen ansprechen.
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Tel AvivTeheran steht in der nächsten Woche im Zentrum der Welt - zumindest wenn es nach der iranischen Führung geht. Die Islamische Republik, die wegen ihres umstrittenen Atomprojektes vom Westen boykottiert wird, richtet den Gipfel der 118 blockfreien Staaten aus und erhofft sich einen großen Imagegewinn. 2000 Journalisten sollen der Welt berichten, dass Teheran Zentrum globaler Entscheidungen sei. Davon verspreche sich das Regime mehr Gewicht bei den Atomverhandlungen, sagt ein iranischer Journalist.

Bereits vor dem Gipfel der Staaten, die keinem Militärbündnis angehören, sorgten zwei Delegationen für Schlagzeilen. Zugesagt hat zum einen Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, Teheran interpretiert das als Aufweichung der von den UN verhängten Sanktionen. Die Reise des Generalsekretärs wird in Washington und Jerusalem denn auch heftig kritisiert.

Ban hat dafür allerdings kein Verständnis: Er werde alle Themen ansprechen, die der internationalen Gemeinschaft unter den Nägeln brennen, sagte sein Sprecher. Dazu gehören Teherans Drohungen gegen Israel, die Sorge um das Nuklearprogramm, die Unterstützung terroristischer Organisationen und die Missachtung der Menschenrechte. Ebenfalls die Krise in Syrien, einem Verbündeten Irans, wolle Ban vorbringen.

Auch der ägyptische Präsident Mohamed Mursi will nach Teheran reisen - es wäre der erste Besuch dieser Art seit Jahrzehnten. Die USA und Israel sehen die Annäherung mit Besorgnis, der gestürzte Ex-Präsident Hosni Mubarak hatte zusammen mit sunnitischen Staaten versucht, Iran zu isolieren. Die Eröffnung der ägyptischen Botschaft in Teheran durch Mursi könnte die Beziehungen zwischen den beiden Staaten normalisieren.

Der Besuch des ägyptischen Präsidenten kann aber die verbleibenden Gegensätze nicht vertuschen. Der Konflikt in Syrien zeigt, dass die Kluft zwischen Schiiten und Sunniten in der arabischen Welt weiter tief ist. Die schiitische Vormacht Iran setzt auf das Überleben des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad und unterstützt diesen mit Waffen und Geld. Einflussreiche sunnitische Länder wie Saudi-Arabien oder neuerdings auch Ägypten haben sich dagegen auf die Seite der Rebellen geschlagen. Viele Beobachter sehen in den blutigen Kämpfen denn auch einen Stellvertreterkrieg der beiden rivalisierenden Lager.

Kommentare zu " Mahmud Ahmadinedschad: Iran lädt zum Gipfeltreffen der Blockfreien"

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  • Und wie ich gerade sehe @ MeryemAzimi tanzen sie auf vielen, sehr vielen Hochzeiten , von der jungen Welt über die taz bis zur NNZ .
    Das finde ich wirklich sehr interessant !!!

  • Hat man ihnen eigentlich schon unterstellt Iraner zu sein ?

  • Die "Blockfreien" vertreten mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Es wird gerne vergessen, dass nicht die ganze Welt entweder den USA gehorcht, oder China und Russland zugehörig ist. Und diese blockfreien Staaten unterstützen Iran in seinem Recht auf sein ziviles Atomprogramm und dürften auch sonst die Welt in vielen Dingen mit anderen Augen betrachten, als "wir" westlichen Länder. Iran ist nicht das erste Mal Gastgeber der Konferenz, kann mich nicht erinnern, dass das solche Aufregung verursacht hätte. Natürlich gehört Ban auf die Konferenz, natürlich soll er auch kritische Themen ansprechen. Aber er wird sich auch Kritik anhören müssen, z.B. warum die UN nicht darauf reagiert, dass die Israelis mit einem völkerrechtswidrigem Krieg drohen? Dass Iran außerdem der konstruierten sunnitisch-shiitischen Spaltung entgegenwirkt ist doch klar. Es gibt keinen aktuellen Konflikt zwischen Sunniten und Shiiten, der zu Gewalt führen müsste. Ein solcher wird von den wahabitischen Ländern vorangetrieben, die Verbündete der USA sind. Eine Tour d´Horizon über die Themen der Region aus iranischer Sicht liest man hier: http://tinyurl.com/9mq98p6

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