Mai-Kundgebungen
Polizei setzt Tränengas gegen Demonstranten in Istanbul ein

Hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt haben am Dienstag die traditionellen Kundgebungen zum 1. Mai genutzt, um bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne oder politische Reformen zu fordern. Die Demonstrationen verliefen meist friedlich, oft hatten sie auch einen festlichen Charakter.

HB ISTANBUL/MOSKAU. Heftige Auseinandersetzungen gab es hingegen in Istanbul, wo die Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken gegen einige hundert linke Demonstranten vorging, die an einen Anschlag auf eine Mai-Kundgebung vor 30 Jahren erinnern wollten. 580 Personen wurden festgenommen, wie der Istanbuler Gouverneur Muammer Güler erklärte. Einige der Demonstranten hätten Pistolen, Brandsätze und Messer bei sich gehabt, sagte Güler. Die Menge wollte zum Taksim-Platz marschieren, wo Unbekannte 1977 auf zehntausende Teilnehmer einer Mai-Kundgebung geschossen hatten. 34 Menschen kamen damals ums Leben, die meisten waren in der nach den Schüssen ausgebrochenen Panik zu Tode getrampelt worden.

Die türkischen Behörden hatten die Umgebung des Taksim-Platzes zuvor zum Sperrgebiet erklärt, Schulen blieben geschlossen. Rund 3 000 Polizisten waren im Einsatz, um den Platz zu sichern. Nur einige hundert Personen, darunter auch Gewerkschaftsführer, durften dort rote Nelken in Erinnerung an die Opfer niederlegen. Es war das erste Mal seit dem Militärputsch 1980, dass die Behörden den Platz am 1. Mai geöffnet hatten. Einige Demonstranten reckten die Fäuste und forderten lautstark den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Allein in Russland gingen hunderttausende Menschen bei Demonstrationen zum 1. Mai auf die Straßen. Die größte Kundgebung organisierten die Partei Vereinigtes Russland und Kreml-treue Gewerkschaften in Moskau. Die Veranstalter sprachen von rund 25 000 Teilnehmern. An einem Protestmarsch der oppositionellen Partei Jabloko in der Hauptstadt beteiligten sich mehrere hundert Regierungskritiker und Menschenrechtsaktivisten. Tausende Polizisten waren im Einsatz, die Kundgebungen verliefen friedlich.

In der Schweiz forderten Gewerkschafter und linke Politiker mehr Respekt in der Arbeitswelt. Scharf kritisiert wurden die hohen Managergehälter oder die zunehmende Zeitarbeit. Der Tag der Arbeit stand unter dem Motto „Wir sind mehr als Werkzeuge - Respekt“. In Basel kam es zu einer Hausbesetzung durch Anhänger des Schwarzen Blocks.

In Griechenland wurde auf den Kundgebungen vor allem die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik der konservativen Regierung kritisiert. Die Demonstranten forderten außerdem die Einführung der 35-Stunden-Woche. Allein in Athen fanden drei Kundgebungen statt.

Auf dem Platz der Revolution in Havanna versammelten sich auch in diesem Jahr wieder hunderttausende Kubaner zur Mai-Kundgebung, Staatschef Fidel Castro war nicht zu sehen. Der 80-Jährige trat seit einer Operation vor neun Monaten nicht mehr in der Öffentlichkeit auf.

Auch in Asien gingen in vielen Ländern zehntausende Menschen auf die Straße. In Südkorea wandten sich die Demonstranten vor allem gegen ein Freihandelsabkommen mit den USA. Sie befürchten, dass viele Arbeitsplätze verloren gehen.

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