Mailänder Börse
Italienische Justiz ermittelt gegen Ratingagenturen

Ermittler durchsuchen Moody's und Standard + Poor's. Der Grund: Strafanzeigen von Verbraucherverbänden. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass sich die Ratingagenturen nicht an die Regeln bei Bewertungen gehalten haben.
  • 13

MailandMitten in der Schuldenkrise ermittelt die italienische Justiz gegen die Ratingagenturen Moody's und Standard + Poor's im Zusammenhang mit ungewöhnlichen Kursbewegungen an der Mailänder Börse. Es gehe um die Frage, ob sich die beiden Agenturen in ihrer täglichen Arbeit an die Regeln des Geschäfts gehalten hätten, teilte die Staatsanwaltschaft im süditalienischen Trani mit. Am Mittwoch hätten Ermittler Geschäftsräume der Agenturen in Mailand durchsucht und Material beschlagnahmt. S+P und Moody's betonten, sich stets korrekt verhalten zu haben, und erklärten sich zur Zusammenarbeit mit den Staatsanwälten bereit.

Den Ermittlungen liegen Strafanzeigen zweier Verbraucherverbände vor. In einer der Anzeigen wird die Veröffentlichung eines Moody's-Bericht im Mai 2010 bemängelt, in dem vor Ansteckungsgefahren der Griechenland-Krise für die italienischen Banken gewarnt wird. Die zweite Anzeige richtet gegen S+P, nachdem die Agentur im Mai dieses Jahres mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens gedroht hatte. Untersucht wird laut Staatsanwaltschaft auch, ob hinter Kursstürzen am 8. und 11. Juli kriminelle Machenschaften stecken. Damals waren viele Anleger aus Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise aus den Aktien geflüchtet.

Erst Anfang Juli hatte die italienische Börsenaufsicht Consob die Ratingagenturen Standard + Poor's und Moody's unter die Lupe genommen. Spitzenvertreter von Moody's mussten sich zu ihrer Stellungnahme vom 23. Juni äußern, in der 16 italienische Banken mit einer Herabstufung ihres Ratings gedroht wird. Zuvor hatte die Consob bereits Vertreter der US-Ratingagentur S+P zur Rede gestellt. Der italienischen Finanzaufsicht ist es dabei um die schnelle Kritik von S+P an dem jüngsten Sparpaket der Regierung von Silvio Berlusconi gegangen.

Seite 1:

Italienische Justiz ermittelt gegen Ratingagenturen

Seite 2:

Aktienmarkt rausch in die Tiefe

Kommentare zu " Mailänder Börse: Italienische Justiz ermittelt gegen Ratingagenturen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Ich

    Ich habe eine Lösung.

    Es ist doch lächerlich, dass ein Land wie Italien den Privatbanken und Ratingagenturen die Füße küssen muß, um an Geld zu kommen. Ein Land, ein Volk braucht sein eigenes Geldsystem, um damit Ehre und Würde zu behalten.

    In Griechenland, Portogal, Italien, Spanien und Irland wurde den Menschen die Ehre und Würde geraubt. Sie sind jetzt Schmarotzer und auf Hilfe angewiesen, damit Reiche in Südeuropa eine starke Währung haben.

    Aber es funktioniert nicht.

    Der deutsche Steuerzahler (der häufig selber von der Hand in den Mund lebt und nichts sparen kann) muss das System Eurozone mit illegalen Rettungsschirmen stützen - und spätestens hier ist der Euro (Mai 2010) gescheitert (egal ob er weiterlebt oder nicht).

    Länder(Schicksalsgemeinschaften) brauchen ein eigenes Geldsystem und der Wähler (in einer Demokratie) entscheidet, wie stabil das System sein soll.

    Das ist die Lösung und es schafft Vertrauen.

    Außerdem funktioniert die Zusammenarbeit mit vielen Ländern in Europa, die keinen Euro haben (Schweiz, Schweden, England usw.)

  • Glauben Sie ernsthaft, dass das Problem gelöst wird, wenn jeder Staat wieder mit Einzelwährungen agiert, nicht wirklich, oder ? Wenn der Euro nicht überlebt, überlebt auch die EU nicht, dessen bin ich mir 100 % sicher

  • Zitat:"Das geht einfach nicht. Ich will, dass Europa und der Euro überlebt, nichts anderes."

    Das Leben ist kein Wunschkonzert!

    Und wenn nur eine Sache überleben kann oder beides stribt.

    Wie entscheiden sie sich?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%