Malaysia
Aufbegehren im Wirtschaftsparadies

Mit großen Schritten geht Malaysia in Richtung Industrieland: Die Wirtschaft wächst rasant, die Investoren sind begeistert. Doch in der Bevölkerung wächst die Kritik an der Regierung. Demonstranten fordern faire Wahlen.
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Kuala LumpurPeter Halm hält mit seiner Begeisterung nicht zurück. Der Finanzchef des deutschen Halbleiterherstellers Infineon in Malaysia ist ein Fan seiner Wahlheimat. „Als wir unsere Fabrik aufstellten, lagen zwischen dem ersten Spatenstich und dem ersten Produkt gerade mal 12 Monate“, sagt er in seinem Büro im Kulim-High-Tech-Industriepark außerhalb von Penang in Nordmalaysia.
Nebenan bauen Arbeiter eine massive Expansion des Werkes, in dem komplexe elektronische Chips hergestellt werden. Man findet Infineon-Produkte aus Malaysia überall – von der Kreditkarte bis zur Steuerkonsole eines Vorortszuges.

In Malaysia werden ausländische Investoren mit dem roten Teppich empfangen. Sie sollen mithelfen, das Land zu einem ambitiösen Ziel zu führen: bis 2020 soll sich Malaysia von einem fortgeschrittenen Schwellenland zur Industrienation mausern.

„Wir wollen ein Hochlohnland werden, mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 15 000 US Dollar pro Jahr, von heute noch 9134 US Dollar“, sagt Premierminister Najib Razak. 3,3 Mio. neue Arbeitsplätze will die Regierung bis 2020 schaffen.

2010 hob Razak das Economic Transformation Program (ETP) aus der Taufe. Wachstum ist Volksaufgabe: alle Ebenen von Politik, Verwaltung und Industrie arbeiten auf 2020 hin - koordiniert, fokussiert, diszipliniert. Zwischen 2010 und 2020 sollen 440 Milliarden US Dollar Neuinvestitionen angelockt werden, 27 % davon aus dem Ausland.
Eine wesentliche Rolle kommt dabei mehreren „Schlüsselwirtschaftsregionen“ zu. In Industriezentren wie Kulim genießen neue Investoren signifikante Vorteile, von Steuerurlaub bis zum kostenlosen Infrastrukturbau.

Die wirtschaftliche Entwicklung Malaysias ist schon heute beeindruckend. „Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien 1957 lebte die Nation vom Export von Zinn und Rohgummi“, erklärt der Chefökonom von Global Insight, Rajiv Biswas, gegenüber Handelsblatt. Ein klassisches Billiglohnland - 50 % der Bevölkerung lebten unter der Armutsgrenze, das Jahresprokopfeinkommen lag bei 300 US Dollar.

Kommentare zu " Malaysia: Aufbegehren im Wirtschaftsparadies "

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  • Punkt 1. stimmt nicht. Lesen Sie "The Star". Da wird weniger zensiert als in Deutschen Zeitungen.
    Punkt 2. stimmt insofern, weil in Malaysia der Islam zur Staatsreligion gemacht wurde obwohl nur ca. 50% der Bevölkerung Moslems sind (West- und Ost-Malaysia) . Ehen zwischen Chinesen und Malayen oder Indern und Malayen sind daher sehr selten, obwohl die Wirtschaft von Chinesen beherrscht wird.

  • Nur am Rande zwei Informationen zu Malaysia:

    1. Malaysia kennt keine Meinungsfreiheit, besonders nicht im Bezug auf Religion

    2. Ein Quotensystem bevorzugt in nahezu allen Bereichen (Schule, Studium, Beruf, usw.) die moslemischen Malaien. Die restlichen Malaysia sind in ihrem eigenen Land Bürger zweiter Klasse

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