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10.03.2008 
Parlamentswahlen

Malaysia erlebt ein politisches Erdbeben

von Oliver Müller

Malaysias politische Landschaft hat sich am Wochenende radikal verändert. Als Zeichen tiefen Unmuts in der Bevölkerung wurde die „Nationale Front“ bei Parlamentswahlen mit dem schlechtesten Ergebnis aller Zeiten bestraft. Ob sich der entscheidungsschwache Premier Abdullah Badawi im Amt halten kann, ist unklar – Malaysia steckt in einer tiefen Krise.

DELHI. Entgegen aller Erwartungen verlor die seit fünf Jahrzehnten herrschende Parteienkoalition sogar ihre Zwei-Drittel-Mehrheit. Die Front regiert das ethnisch tief gespaltene Land seit dessen Unabhängigkeit mit harter Hand. Regional fiel das Wahldesaster noch schlimmer aus: Trotz massiver Nachteile wie fehlendem Zugang zu den staatlich kontrollierten Medien übernahmen Oppositionskräfte aus Islamisten und säkularen Reformparteien in fünf von zwölf Bundesstaaten die Macht, auch in den industriellen Kernregionen um Penang und Kuala Lumpur.

Premier Abdullah Badawi gestand die Schock-Niederlage ein, wies Rücktrittsforderungen jedoch von sich. Seine Regierung bleibt mit einfacher Mehrheit im Amt. Doch viele Analysten erwarten, dass sich der entscheidungsschwache Intellektuelle nicht mehr lange an der Macht hält. Als Nachfolger gilt sein Vize Najib Tun Razak, der jedoch in verschiedene Skandale verstrickt ist. „Die Regierung steckt in einer tiefen Krise“, sagt Oi Kee Beng vom Institut für Südostasiatische Studien: „Vor allem kann sie nicht länger beanspruchen, alle Rassen zu vertreten.“

Mit Anwar Ibrahim hat die Regierung erstmals einen charismatischen Oppositionsführer gegen sich. Der ehemalige Vize-Premier ist politisch versiert. Er hat Brücken zwischen den zerstrittenen Oppositionsgruppen gebaut und die Islamisten von einem moderateren Kurs überzeugt. Anwar geht als großer Sieger aus einer Wahl hervor, die ihm zudem ein Comeback einbringt: Die multi-ethnische, säkulare Partei des moderaten Moslems wurde stärkste Oppositionskraft.

Vor zehn Jahren hatte sich der Star-Politiker schon einmal an die Spitze einer Reformbewegung gestellt. Auf dem Höhepunkt der Asienkrise forderte er das Ende von Korruption und Kumpel-Kapitalismus. Er wurde vom damaligen Premier Mahathir entmachtet und inhaftiert. Erst dessen Zögling und Nachfolger Badawi ließ Anwar vor vier Jahren frei. Viele hatten von Badawi nach dieser Versöhnungsgeste weitere Reformen erwartet – und wurden enttäuscht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Aufflammen von Rassenunruhen.

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