Malediven: Präsident tritt nach Meuterei von Polizisten zurück

Malediven
Präsident tritt nach Meuterei von Polizisten zurück

Seit Wochen eskaliert die Krise auf den Malediven. Nun beugt sich der erste demokratisch gewählte Präsident der idyllischen Inselkette dem Druck. Urlauber sind von den Spannungen auf der Hauptinsel Male nicht betroffen.
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ColomboMeuternde Polizisten und wochenlange Oppositionsproteste haben den ersten demokratisch gewählten Präsidenten der Malediven zum Rücktritt gezwungen. „Ich glaube, dass die Leute dieses Landes mehr leiden würden, würde ich als Präsident der Malediven weitermachen“, sagte der 44-jährige Staats- und Regierungschef Mohamed Nasheed nach Angaben seines Büros zur Begründung. Vizepräsident Mohammed Waheed Hassan übernahm am Dienstag die Amtsgeschäfte in Male. Maledivische Medien hatten zuvor von einem Putschversuch auf der südasiatischen Inselkette berichtet.

Ausgelöst wurden die seit Wochen anhaltenden Proteste in dem Inselstaat im Indischen Ozean durch die Festnahme eines Richters, der die Freilassung eines prominenten Regierungskritikers angeordnete hatte. Am Dienstag schlossen sich auch zahlreiche Polizisten einer Demonstration in der Hauptstadt Male an. Sie protestierten insbesondere gegen eine Anweisung, nicht länger für die Sicherheit von Demonstranten sorgen zu sollen. Soldaten gingen schließlich mit Gummigeschossen gegen die Polizisten vor. Bei den Auseinandersetzungen wurden mindestens drei Menschen verletzt. Als der Präsident die demonstrierenden Polizisten besuchte, und sie zu einem Ende des Protests aufforderte, weigerten sich diese und forderten stattdessen seinen Rücktritt.

Urlauber auf den Malediven sind nach Angaben des dortigen Tourismusministeriums nicht von der innenpolitischen Krise betroffen. „Wir können versichern, dass die derzeitigen Probleme auf den Malediven keinerlei Auswirkung auf Touristen haben werden“, sagte Ministeriumssprecherin Eelaaf Zaeem.

Demonstrationen der Opposition wurden nach Nasheeds Rücktritt beendet. Sie beschränkten sich auf die Insel mit der Hauptstadt Male. Ausländische Urlauber sehen Male nur, wenn sie Tagesausflüge dorthin buchen. Der internationale Flughafen liegt auf einer Nachbarinsel. Von dort aus werden Touristen direkt zu ihren jeweiligen Ressorts gebracht, die abgeschieden auf jeweils eigenen Inseln liegen.

Das Auswärtige Amt rät seit Dienstag Urlaubern vom Besuch von Male ab. Nach ersten Informationen waren keine deutschen Touristen von den Unruhen betroffen. Auf der Flughafeninsel und in den Ferienressorts sei die Lage ruhig, hieß es. Genaue Zahlen, wie viele Bundesbürger sich derzeit auf den Malediven aufhalten, gab es zunächst nicht. Nach den jüngsten Zahlen des Deutschen Reiseverbandes machen dort jedes Jahr mehr als 77 000 Deutsche Urlaub.

In einer „Botschaft an das Volk“ auf seiner Homepage rief Waheed - noch in seiner Funktion als Vizepräsident - die staatlichen Institutionen dazu auf, die Verfassung zu achten. Die unabhängige Nachrichtenseite „Minivan News“ hatte zuvor gemeldet, Meuterer aus der Polizei hätten sich Demonstranten der Opposition angeschlossen. Das Büro des Präsidenten hatte mitgeteilt, die Regierung unternehme alles, um die Lage zu stabilisieren.

Der frühere politische Gefangene Nasheed war im November 2008 als erster demokratisch gewählter Präsident der Malediven vereidigt worden. Damit gingen 30 Jahre autokratischer Herrschaft auf der Inselkette zu Ende.

Das kleine südasiatische Land besteht aus 1190 Inseln im Indischen Ozean, von denen nur rund 200 bewohnt sind. Tourismus und Fischerei sind die Haupteinnahmequellen der muslimischen Bewohner. Die Malediven sind bei westlichen Urlaubern - und wegen ihrer Korallen- und Fischvielfalt besonders bei Tauchern - sehr beliebt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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