Mali-Konflikt
Deutschland prüft Einsatz von Transportflugzeugen

Die Bundeswehr steht vor dem nächsten Auslandseinsatz. Die deutsche Luftwaffe soll den Einsatz gegen Islamisten im westafrikanischen Mali unterstützen - aber nicht mit Kampfflugzeugen, sondern mit Transportmaschinen.
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BerlinEine der 60 Bundeswehr-Maschinen vom Typ Transall war erst kürzlich im westafrikanischen Mali im Einsatz. Im vergangenen November brachte eins der mehr als 40 Jahre alten Transportflugzeuge Bundesaußenminister Guido Westerwelle vom senegalesischen Dakar in die malische Hauptstadt Bamako. Damals ging es dem FDP-Politiker darum, Möglichkeiten einer politischen Lösung des Mali-Konflikts auszuloten. Über militärische Optionen wollte Westerwelle damals noch nicht sprechen.

Alle Versuche einer friedlichen Konfliktlösung sind bisher gescheitert. In Mali herrscht inzwischen Krieg und es dürfte nicht mehr lange dauern, bis deutsche Transall-Maschinen afrikanische Truppen nach Mali fliegen werden. Die Details der deutschen Militärhilfe für die Intervention Frankreichs und der westafrikanischen Nachbarländer Malis sind zwar noch nicht geklärt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat allerdings bereits bestätigt, dass er Transportflugzeuge zur Verfügung stellen will.

Nach dpa-Informationen wird die Entsendung von vier Transall-Maschinen und einem Airbus A310 geprüft. Die 32 Meter lange Transall verfügt über ein Abwehrsystem für Raketenangriffe und kann maximal 90 Soldaten transportieren. Die mehr als 40 Jahre alten Flugzeuge zählen zu den Oldtimern der Luftwaffe, die bald ausgemustert und vom Airbus A400M abgelöst werden sollen.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sie der Bundeswehr aber treue Dienste geleistet. Die ersten größeren Auslands-Einsätze der Maschinen fanden in den 70er Jahren in Afrika statt. Nach Äthiopien und in den Sudan, aber auch nach Niger und Mali lieferten die deutschen Maschinen damals Hilfsgüter - meist Lebensmittel. Später wurden sie in Bosnien, im Kosovo oder in Afghanistan als Truppen und Material-Transporter eingesetzt - oder auch als „Wasserbomber“ zur Bekämpfung von Waldbränden in der Lüneburger Heide.

Routen noch nicht geklärt


Wie gefährlich der Einsatz in Mali werden wird, ist noch nicht abzusehen. Die Routen der Flieger sind noch nicht geklärt. Geht es direkt ins Kampfgebiet? Oder werden die Truppen in der von Regierungssoldaten kontrollierten Hauptstadt Bamako abgesetzt? Letzteres ist eher unwahrscheinlich, da die Entfernungen in Mali extrem groß sind und auch Fahrzeuge fehlen, um Truppen zu transportieren.

Es gilt daher als wahrscheinlich, dass die Bundesregierung den Bundestag über den Einsatz abstimmen lässt. Das ist nur bei bewaffneten Einsätzen erforderlich. Wo dabei genau die Grenzen liegen, ist allerdings manchmal umstritten. Bei einem Evakuierungseinsatz während des Libyen-Konflikts befragte die Bundesregierung das Parlament nicht und handelte sich prompt eine Verfassungsklage der Grünen ein. Damals holten zwei Transall-Maschinen 132 Europäer - darunter 22 Deutsche - aus dem Krisengebiet.

Die Details des deutschen Mali-Einsatzes werden nun wahrscheinlich sehr schnell geklärt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte aber nach Teilnehmerangaben am Dienstag vor der Unions-Fraktion dazu, sich bei aller Hilfsbereitschaft nicht zu sehr unter Druck setzen zu lassen. Ausdrücklich wies sie auf das Engagement Deutschlands in Afghanistan und im Kosovo hin.

Diese Aussage dürfte auch an den französischen Präsidenten François Hollande adressiert gewesen sein. Der hatte nämlich im vergangenen Jahr den vorzeitigen Abzug aus Afghanistan verkündet, und damit die Bündnispartner verärgert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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