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Mali: Tschadische Soldaten in Kidal eingezogen

Wie das französische Verteidigungsministerium berichtet, sollen 1800 tschadische Soldaten in die malische Stadt Kidal eingezogen sein. Indes hat Deutschland erklärt, Sanitäter in das westafrikanische Land zu schicken.

Tschadische Soldaten sollen in die frühere Islamisten-Hochburg Kidal einmarschiert sein. Quelle: AFP
Tschadische Soldaten sollen in die frühere Islamisten-Hochburg Kidal einmarschiert sein. Quelle: AFP

GaoNach mehrtägigem Bombardement durch die französische Luftwaffe sind tschadische Truppen in die nordmalische ehemalige Islamisten-Hochburg Kidal einmarschiert. Die Franzosen seien weiterhin für die Kontrolle des Flughafens von Kidal zuständig, teilte am Dienstag das Verteidigungsministerium in Paris mit. In Brüssel beriet die internationale Gemeinschaft über die Stabilisierung des westafrikanischen Krisenstaates.

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Kidal, das 1500 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt liegt, war bis Ende Januar in der Hand der islamistischen Tuareg-Gruppe Ansar Dine. Kurz vor der Ankunft der Franzosen wechselte die Stadt unter die Kontrolle der gemäßigteren Ansar-Dine-Abspaltung MIA und der Tuareg-Truppe MNLA. Diese stimmten einer Einnahme durch die Franzosen zu, wollten aber keine Soldaten der ECOWAS-Mission MISMA akzeptieren, da sie Racheakte gegen Araber und Tuareg fürchteten. Die tschadischen Truppen gehören der MISMA nicht an.

Was in Mali auf dem Spiel steht

  • Wieso schreitet die alte Kolonialmacht Frankreich erst jetzt ein?

    Frankreich hat in den vergangenen Monaten wiederholt die USA und die UN zum Eingreifen im Norden Malis bewegen wollen, allerdings mit wenig Erfolg. Bei allen Handlungen muss Paris auch immer das Schicksal der französischen Geiseln in der Hand von Islamisten in Afrika berücksichtigen. Es geht auch um Wirtschaftsinteressen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Der Terror dort könnte auf Frankreich selbst übergreifen, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

  • Aus welchen Kräften setzt sich die Dreier-Allianz der islamistischen Rebellen im Norden Malis zusammen?

    Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQM) gelten als Anführer. Sie sollen durch Drogenschmuggel und Lösegelder für entführte Ausländer über Dutzende Millionen Dollar verfügen. Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten insgesamt 6000 ausgebildete Kämpfer in Nordmali, darunter Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. In den Reihen der Islamisten kämpfen auch Männer des nordmalischen Volks der Tuareg. Sie nennen sich Ansar Dine. An ihrer Seite steht die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), die ebenfalls die Scharia durchzusetzen will.

  • Wieso droht ausgerechnet Mali zum „zweiten Afghanistan“ werden?

    Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Nach einem Militärputsch in der im Süden gelegenen Hauptstadt Bamako im März 2012 eroberten Tuareg-Kämpfer gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. Experten fürchten, dass der riesige Norden Malis ohne staatliche Kontrolle ebenso wie Afghanistan unter den Taliban zu einer Brutstätte für islamistische Terrornetzwerke wird. Auch in Afghanistan wurde die Weltöffentlichkeit erst durch die Zerstörung von Kulturgütern auf den Konflikt aufmerksam.

  • Afrika-Kenner schreiben, der Konflikt in Mali sei eine späte Rache des ermordeten libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Wie hängt das zusammen?

    Der libysche Diktator hatte kampferprobte Tuareg-Männer aus dem benachbarten Nordmali für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele mit modernen Waffen in die Heimat zurück. Dort verschafften sie den Aufständischen die entscheidende Schlagkraft im Kampf gegen die Zentralregierung im Süden.

  • Hat die internationale Staatengemeinschaft zu lange die Entwicklungen in Mali ignoriert?

    Die dramatische Entwicklung ist eine Katastrophe mit Ankündigung. Über Monate warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen wechselseitig vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Doch aus Sicht der Interimsregierung passierte viel zu wenig. Alarmiert von den jüngsten Vorstößen der Islamisten rief der Weltsicherheitsrat am Freitag dazu auf, die afrikanisch geführte Unterstützungsmission Afisma müsse schneller in Gang gesetzt werden. Dabei war die Entsendung schon Wochen vorher beschlossen worden. Ein Hindernis war bislang, dass es in Mali Vorbehalte gegen den Einmarsch von Soldaten aus Nachbarstaaten gab. Zudem wurde befürchtet, dass der Konflikt sich auch auf andere Länder der Region ausweiten könnte.

  • Kann es sein, dass deutsche Soldaten bald Seite an Seite mit den Franzosen in Mali kämpfen werden?

    Deutschland schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat derzeit aus. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten dürften bei der Ausbildung mit dabei sein. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die EU angekündigt, die Militärausbilder schneller zu entsenden. Quelle: dpa

Frankreich kämpft seit dem 11. Januar im Norden Malis gegen Islamisten. Derzeit sind in dem westafrikanischen Land fast 4000 französische Soldaten stationiert. Truppen der Westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS sollen sie bald ablösen. Sie sollen die Regierungstruppen im Kampf gegen islamistische Gruppen unterstützen. Eine EU-Mission soll Soldaten der malischen Armee ausbilden, sich aber nicht an Kampfhandlungen beteiligen.

Nachdem die französischen Streitkräfte in kurzer Zeit die von den Islamisten kontrollierten Städte Gao und Timbuktu befreit hatten, versuchten sie seit Tagen, gemeinsam mit der malischen und tschadischen Armee Kidal unter ihre Kontrolle zu bringen. Dutzende Kampfflugzeuge bombardierten bis Montag Trainings- und Versorgungszentren sowie Waffenlager rund um Kidal.

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Auch Deutschland weitet seine Militärhilfe für Mali aus: Neben Transport- und Tankflugzeugen sowie Militärausbildern sollen 40 Sanitätssoldaten in das westafrikanische Krisenland geschickt werden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte dem „Tagesspiegel“ (Mittwoch), dies sei am Dienstag bei einer internationalen Konferenz in Brüssel vereinbart worden. Die Zahl der deutschen Soldaten im Mali-Einsatz könnte damit auf mehr als 150 anwachsen.

Die Bundeswehr ist bereits mit Transall-Maschinen für den Truppen-Transport in Mali im Einsatz. Dafür sind bis zu 75 Soldaten vorgesehen. Zudem hat Deutschland Tankflugzeuge, Ausrüstung und 15 Millionen Euro für den Kampf gegen die islamistischen Rebellen zugesagt. Hinzu kommen rund 40 Pioniere, die ab Anfang März an einer EU-Ausbildungsmission teilnehmen sollen. „Zusätzlich hat Deutschland, nachdem sich kein anderer Mitgliedstaat dazu bereiterklärt hat, zugesagt, rund 40 Sanitätssoldaten zu entsenden“, sagte de Maizière.

Die Ärzte und Sanitäter sollen in Mali ein Feldlazarett unterhalten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist aber noch offen, wo genau und wann die Sanitätssoldaten zum Einsatz kommen sollen.

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