Management startet Rettungsversuch in letzter Minute
Ölkonzern Yukos droht der Bankrott

Das Überleben des zweitgrößten russischen Ölkonzerns Yukos ist mehr als unsicher. Möglicherweise wird bereits am kommenden Freitag, wenn das Gericht über die umgerechnet 2,84 Mrd. Euro hohe Steuernachforderung an den Konzern entscheidet, ein Konkursverfahren gegen den Ölkonzern mit den weltweit viertgrößten Erdölreserven eingeleitet. „Wenn das Steuerministerium so weitermacht, kann man davon ausgehen, dass die Insolvenz eintrifft“, sagte Yukos-Vize Jurij Bejlin kürzlich resigniert.

mbr MOSKAU. Auf den Konten hat Yukos nach Angaben von Finanzvorstand Bruce Misamore derzeit gut eine Mrd. Dollar liegen, hinzu kommen pro Quartal angesichts der hohen Ölpreise 1,5 Mrd. Dollar Reingewinn. Doch wenn der Staat die Steuernachforderung sofort eintreiben sollte – was Analysten für wahrscheinlich halten –, wird ein Konkurs unausweichlich: „Dafür reicht das Geld nicht“, so Misamore. Selbst wenn Yukos die Nachforderung für das Jahr 2000 bedienen könnte – die Steuerbehörde bereitet neue Forderungen für die Folgejahre vor. Die könnten sich auf bis zu 12 Mrd. Dollar summieren.

Ein ranghoher Kreml-Insider räumt Yukos nur geringe Überlebenschancen ein. „Die Maschine gegen Yukos ist nicht mehr zu stoppen“, sagte er dem Handelsblatt. Auffällig sei, dass inzwischen alle Yukos-freundlichen Minister im Rahmen der Kabinettsumbildung ihre Ämter verloren hätten.

Dennoch will Yukos nicht kampflos aufgeben: In einem Schreiben an Premier Michail Fradkow hat das Management des Konzerns, der im vorigen Jahr mit 80,8 Mill. Tonnen fast ein Fünftel des gesamten russischen Rohöls förderte, angeboten, sich außergerichtlich zu einigen. So will das Unternehmen die bislang als juristisch falsch abgelehnte Milliarden-Steuernachforderung begleichen, wenn dem Konzern im Gegenzug ein Zahlungsaufschub gewährt und der Verkauf von Vermögensteilen erlaubt werde. Bislang sind alle Yukos-Aktiva eingefroren. Ein Yukos-Sprecher bestätigte dem Handelsblatt den Inhalt des Briefs.

Regierung lehnt Verhandlungen ab

In dem Schreiben wird zudem angeboten, mit Chodorkowskijs Menatep-Gruppe zu verhandeln, um deren Mehrheitsbeteiligung auf unter 25 % zu reduzieren. Der Rest könne dann an staatliche Banken verkauft werden. Zudem soll die gut 90%ige Beteiligung von Yukos am Ölrivalen Sibneft abgestoßen werden – wie vom bisherigen Sibneft-Eigner Roman Abramowitsch gefordert. Zudem könnten Yukos-Gasfelder an den staatlich kontrollierten Erdgaskonzern Gazprom verkauft werden.

Allerdings ist das Yukos-Management isoliert: So lehnt die Regierung laut der Moskauer Zeitung „Wedomosti“ Verhandlungen mit der Konzernspitze ab. Auch die Moskauer Börse reagierte negativ auf den Rettungsversuch: Yukos-Papiere brachen gestern in der Spitze um 14,3 % ein. Der russische RTS-Index erreichte sein Jahrestief.

Ob der Kreml-Plan allerdings gelingen kann, Chodorkowskijs Menatep-Gruppe um ihr Vermögen zu bringen, ist offen: Denn ein Konsortium um die französische Société Générale (dem auch Deutsche und Dresdner Bank angehören) und Menatep haben gedroht, ihre Kredite an Yukos in Höhe von einer bzw. 1,6 Mrd. Dollar fällig zu stellen. Menatep hat seinen Kredit laut Unternehmenskreisen mit den besten sibirischen Ölquellen abgesichert – und würde damit weiter Erdöl in Russland fördern können, auch wenn Yukos für bankrott erklärt würde.

Ob es dazu kommt, entscheide Präsident Putin, meint Fondsmanager Iwan Masalow von der russischen Investmentbank Prosperity Capital : „Putin will Chodorkowskij für dessen politischen Einfluss abstrafen. Die Frage ist jetzt, ob er Chodorkowskij nur verwundet oder den Fall zu Ende führt“ – durch den Bankrott von Yukos.

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