Managergehälter
US-Blockade bei Boni gefährdet G20-Gipfel

Boni-Banker gelten als Symbol der Finanzkrise. Das Bonussystem wird mit dafür verantwortlich gemacht, dass Investmentbanker übermäßig risikofreudig agierten. Der Weltfinanzgipfel in Pittsburgh will dem Treiben einen Riegel vorschieben. Doch US-Präsident Obama lehnt eine Begrenzung von Manager-Einkünften ab. Die EU will das nicht hinnehmen und droht damit, harte Regeln im Alleingang durchzu setzen.

HB WASHINGTON. Obamas Berater für internationale Wirtschaftsfragen, Mike Froman, hatte am Mittwoch (Ortszeit) vor Journalisten in Washington gesagt, der Präsident lehne „individuelle Höchstgrenzen der Bezahlung“ ab. Damit ist Streit mit den Europäern vorprogrammiert. Die EU muss nach Auffassung von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bei der Begrenzung von Boni für Bankmanager notfalls alleine vorangehen. Er glaube zwar an einen Erfolg des bevorstehenden G20-Gipfels in Pittsburgh in den USA, sagte der luxemburgische Ministerpräsident im Deutschlandfunk. Keiner der Teilnehmer könne sich ein Scheitern erlauben. Doch falls die USA beim Thema der Boni nicht mitzögen, dürfe dies die Europäer aber nicht aufhalten: „Dann braucht es hier einen europäischen Alleingang, der so viel an Dynamik dann mit der Zeit entwickeln wird, dass die Amerikaner sich solidarischem, international koordiniertem Vorgehen nicht verschließen können.“

Vom am Abend beginnenden Sondertreffen der EU-Staats- und Regierungschefs zur Vorbereitung des G20-Gipfels erwarte er Fortschritte bei auch bei der Begrenzung der Größe von Banken, sagte Juncker. Unter den EU-Regierungen wachse die Erkenntnis, dass man Banken nicht einfach so weit wachsen lassen könne, dass sie im Fall von Schwierigkeiten Staaten erpressen könnten. Dies könne etwa über höhere Eigenkapitalanforderungen bei wachsender Größe der Bank geschehen: „Das ist ein Weg, der wird ohne jeden Zweifel beschritten werden.“

Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen bei dem informellen Abendessen in Brüssel den gemeinsamen Kurs für die Beratungen der reichsten Industrie- und Schwellenländer (G20) festlegen. Die EU fordert laut Papier eine Restrukturierung des gesamten Bankensektors, grenzüberschreitende Kontrolle von großen Banken sowie strenge Regeln für die Bezahlung von Bankmanagern. In den USA schwinden laut Branchenkennern die Chancen für neue strikte Regeln im Bankensektor, je länger der Schock der Finanzkrise zurückliegt.

Zum Reizthema Bonuszahlungen an Banker schreibt die schwedische Präsidentschaft, die G20 sollten eine Begrenzung dieser variablen Bezahlung untersuchen. Diese könnte entweder an die Gesamtvergütung oder an Bankengewinne gebunden werden. Die Finanzminister der G20 hatten sich Anfang September in London nicht auf eine Boni- Höchstgrenze einigen können; Druck macht hier insbesondere Frankreich. Und auch EU-Währungskommissar Joaquín Almunia sagte im Straßburger Europaparlament mit Blick auf die Managergehälter: „Das ist eine wichtige Frage.“

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy drohte vor einigen Tagen schon, das Treffen in Pittsburgh bei fehlenden Ergebnissen platzen zu lassen. Hauptthemen beim Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 24. und 25. September in Pittsburgh seien aus Frankreichs Sicht die Beschränkung übermäßiger Gehälter und Boni im Finanzsektor, internationale Buchhaltungsregeln und die Koordinierung der Finanzmarktwächter verschiedener Länder, sagte Elysée-Generalsekretär Claude Guéant.

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