0 Bewertungen
22.07.2007 
Der Gefahren bewusst

Mandelson will „goldene Aktien" als Schutz

von Helmut Hauschild und Andreas Rinke

In der Europäischen Kommission wird erstmals erwogen, Unternehmen mit Hilfe so genannter goldener Aktien vor dem unerwünschten Zugriff ausländischer Staatsfonds zu schützen. „Das europäische Interesse, die Kontrolle über wichtige und politisch sensible Schlüsselindustrien zu bewahren, könnte durch das Instrument der goldenen Aktie erreicht werden“, sagte der britische EU-Handelskommissar Peter Mandelson dem Handelsblatt. Die EU müsse die Möglichkeit haben, ihre Interessen in strategischen Branchen zu schützen. Auch aus Deutschland kommen neue Forderungen, die eine Mitsprache der Politik reklamieren.

Peter Mandelson Foto: dpaLupe

Peter Mandelson Foto: dpa

BRÜSSEL. Anlass für Mandelsons Vorstoß ist das wachsende Interesse milliardenschwerer staatlicher Fonds aus China, Russland und den arabischen Ölstaaten, in europäische Unternehmen zu investieren. Nach Schätzungen der Investmentbank Morgan Stanley verwalten diese Fonds ein Kapital von 2 500 Mrd. US-Dollar.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein Mitspracherecht der Politik beim Einstieg ausländischer Investoren in Schlüsselbranchen beansprucht und eine Regelung auf EU-Ebene gefordert. Die Brüsseler Kommission will bis Herbst Vorschläge vorlegen.


Bildergalerie Bild für Bild: Wer die größten Staatsfonds sind – ein Überblick


In der Debatte geht es aber nicht nur um die Abwehr von Staatsfonds, sondern auch von „unerwünschten“ privaten Investoren. In der vergangenen Woche haben Berlin und Paris über eine goldene Aktie für den Luftfahrtkonzern EADS nachgedacht. Damit könnte die französische beziehungsweise die deutsche Seite ihren Einfluss sichern, selbst wenn der französische Staat oder Daimler Anteile verkaufen würden.

„Wir müssen Wege finden, wie die EU einerseits die Kontrolle über ihre Schlüsselindustrien behält, andererseits aber weiterhin attraktiv bleibt für ausländische Investoren einschließlich staatlicher Fonds“, pflichtete Mandelson der Kanzlerin bei. Sein Plädoyer für goldene Aktien ist der erste konkrete Vorschlag aus Brüssel, wie eine stärkere politische Mitsprache umgesetzt werden könnte.

Die Inhaber goldener Aktien genießen gegenüber anderen Aktionären besondere Privilegien, zum Beispiel Mehrfachstimmrechte oder ein Vetorecht. Damit können unerwünschte Anteilseigner oder feindliche Übernahmen blockiert werden. Goldene Aktien tauchten erstmals im Zuge der Privatisierungswelle in England während der Amtszeit der Premierministerin Margaret Thatcher auf. Heute sind in der EU goldene Aktien, abgesehen von sicherheitsrelevanten Rüstungsunternehmen, verboten. Der Grund: Sie verstoßen gegen das Prinzip des freien Kapitalverkehrs und werden häufig für nationalen Protektionismus missbraucht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Mandelson ist sich der gefahren bewusst.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Vorhersage Europa

weiterBildergalerien

zurück
  • Reif für die Senioren-Union? 60 Jah...

    Reif für die Senioren-Union? 60 Jahre Seehofer

    Als er als Ministerpräsident nach Bayern kam, schmiss er alle über 60-Jährigen aus dem Kabinett. Jetzt erreicht der bayrische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer selbst die magische Grenze. Doch das wird er durchstehen – wie er schon so manch...Bildergalerie 

  • G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, P...

    G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, Paläste

    G8-Gipfel sind nicht ohne Demonstranten denkbar. 1999 fand der letzte „normale“ Gipfel statt – in Köln. Seither igeln sich die Staatschefs an schwer zugänglichen Orten ein. Ein Rückblick.Bildergalerie 

  • Große Koalition: Bilanz mit Schönhe...

    Große Koalition: Bilanz mit Schönheitsfehlern

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt die Tagesordnung des Parlaments seit bald einem Jahr - und hat mit dazu beigetragen, dass die Große Koalition mehr Gesetze beschlossen hat als einst die Regierung von Kanzler Gerhard Schröder in der Legislaturperiode ...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Hässliches Gesicht 

03.07.2009Global Reporting

Die Bluttat von München schockiert die Schweiz. „Mordversuch“, „Schläger ohne Reue“, „Empörung über Schweizer Schläger in München“, titeln die Zeitungen. Blog


weiterMadagaskar

Keine Revolution, kein Live-Blog 

02.07.2009Madagaskar

Der Aufstand gegen die Wahlfälschung hat Iran verändert, aber (noch) keine Revolution ausgelöst. Daher berichte ich hier nur noch vereinzelt über den Machtkampf in Teheran. Blog


Handelsblatt Marktplatz

Über 220 000 Seminare zu 120 Themen. Aktuell: Abendseminare mit Spitzen-Trainern. Weiter