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Margaret Thatcher gestorben: „Sie hat das Leben der Menschen verändert“

Margaret Thatcher ist tot. Die ersten Nachrufe sind voller Trauer. Die Ausnahmepolitikerin stand von 1979 bis 1990 an der Spitze Großbritanniens. Das ist Jahrzehnte her, doch ihre Thesen werden intensiv debattiert.

Thatchers Leben in Bildern Regieren ohne Kompromisse

Margaret Thatcher mit Königin Elizabeth II 1979, im Jahr ihrer Amtseinführung. Die ehemalige britische Premierministerin wurde 1925 in Grantham geboren und verstarb am 8. April 2013 im Alter von 87 Jahren.

Bild: ap

LondonDie frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher ist tot. Die erste Frau an der Spitze Großbritanniens starb am Montag im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls, wie ihr Sprecher Lord Timothy Bell unter Berufung auf die Familie Thatcher bekanntgab. „Sie war eine der größten Premiers aller Zeiten – sie hat das Leben der Menschen verändert.“

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Die als „Eiserne Lady“ bekanntgewordene konservative Politikerin hatte bereits mehrere Schlaganfälle erlitten. Nach Angaben ihrer Tochter war sie seit Jahren dement. Sie hatte sich nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt.

Thatcher war von 1979 bis 1990 Premierministerin Großbritanniens. Sie machte sich vor allem durch den Falkland-Krieg gegen Argentinien und ihre Rolle innerhalb der damaligen Europäischen Gemeinschaft einen Namen. Ihre Worte „Ich will mein Geld zurück“, mit denen sie den sogenannten „Britenrabatt“ durchsetzte, sind legendär geworden.

Vor allem in der britischen Wirtschaftspolitik und - struktur hinterließ Thatcher nachhaltige Spuren, die das Land auf Jahrzehnte prägten und mit dessen Folgen die Regierungen bis heute zu tun habe. Als Thatcher 1979 ihr Amt antrat, war das Land in der Hand übermächtiger Gewerkschaften, große Bereiche der Industrie befanden sich in Staatshand. Elf Jahre später hatte sie die Steuern drastisch gesenkt, die Finanzmärkte dereguliert und die Macht der Gewerkschaften gebrochen.

Nach Thatcher und der Amtszeit ihres Nachfolgers John Major wurde Großbritannien 13 Jahre lang von einer Labourregierung regiert und war durch die Bankenkrise in eine schwere Schuldenkrise gerutscht. Dennoch - oder gerade deshalb, werden ihre Grundüberzeugungen, besonders ihr Gespür für die Grenzen des Staates, wieder mit neuer Intensität diskutiert. Die Debatte, ob ihre Reformen in den Achtziger Jahren Großbritannien vor dem Ruin retteten oder vielmehr die industrielle Basis des Landes und mit ihr soziale Kohäsion zerstörten wird heute so heiß geführt wie vor zehn Jahren.

Thatcher und Galtieri „Eiserne Lady“ gegen „majestätischen“ General

Der Falkland-Krieg war auch eine persönliche Auseinandersetzung zwischen der britischen Premierministerin Margaret Thatcher und Argentiniens Junta-Chef Leopoldo Galtieri. Aber nur eine Seite konnten gewinnen.

Die britische Königin Elizabeth II. (86) zeigte sich über den Tod Thatchers bestürzt. Die Königin sei „traurig, diese Nachricht zu hören“, und werde im Laufe des Tages eine private Nachricht der Anteilnahme an die Familie Thatcher senden, sagte ein Palastsprecher.

Der britische Premierminister David Cameron erklärte, er habe die Nachricht „mit großer Traurigkeit“ aufgenommen. „Wir haben eine großartige Führerpersönlichkeit verloren, eine großartige Premierministerin und eine große Britin.“

Andere Politiker wie der Londoner Bürgermeister Boris Johnson nutzen den Kurznachrichtendienst Twitter, um ihre Reaktionen zu veröffentlichen.

„Sie war eine der einflussreichsten politischen Führer, die das Vereinigte Königreich, tatsächlich sogar die Welt, je hervorgebracht hat“, sagt Tim Bale, Politikprofessor an der Queen Mary University of London.

Thatcher wird mit einer Trauer-Zeremonie mit militärischen Ehren in der Londoner St. Paul's Cathedrale geehrt werden. Das teilte Downing Street am Montag mit. Ihren eigenen Wünschen zufolge werde ihr Leichnam aber nicht öffentlich aufgebahrt werden. Ein mögliches Datum wurde zunächst nicht genannt. Schon kurz nachdem sich die Nachricht vom Tod Thatchers verbreitet hatte, wurden vor ihrem Haus im Londoner Diplomatenviertel Belgravia bereits Blumen niedergelegt.

#Reaktionen auf Thatcher

Mit Material aus den Agenturen

  • 08.04.2013, 14:47 Uhrglaskugel

    und wieder einmal macht sich ein Politiker ohne bestraft geworden zu sein vom Acker. Diese Frau ist einer der hauptverantwortlichen des internationalen Finanzwahnsinns. Duch die hemmungslose Deregulierung, die sie zu verantworten hatte, sind erst alle folgenden Krisen enstanden.
    (...)


    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • 08.04.2013, 15:10 UhrTabu

    (...)

    Sie hat diesem künstlichem Gebilde Europa nichts
    Gutes abgewonnen und lag mit ihren Prognosen
    völlig richtig.
    Sie sprach offen aus, was in den öffentlichen Diskussionen unter den Tisch fiel:"Es gab und gibt keine europäische Öffentlichkeit, keine europäische Sprache, keine europäische Nation"
    Und Kohl konnte sie auch nicht ausstehn.
    Camerons Worte der den Verlust einer "großen Britin"
    beklagt,ist zumindest für uns hier tabu.
    Da würde dann höchstens ein Europäer verabschiedet.
    Große Deutsche,das war einmal und durfte auch gesagt werden.
    Friede deiner Seele Maggi...hast eigentlich keinen
    aus der Zeit unbeeindruckt gelassen.
    Iron Lady,ist fast schon ein Rittersschlag.
    Jeder weiß,wer gemeint ist.



  • 08.04.2013, 15:12 Uhrdbdb

    @Glaskugel

    ein Finanzwahnsinn der seine Hauptursache in der ehemaligen Kolonie USA hat. Den deutschen Banken geht es genauso schlecht wie denen in England.

    Ich, der als Brite in Deutschland lebt und arbeitet, finde die Macht der Gewerkschaften in Deutschland horrende(Flughafenstreiks...).Vielleicht wird es Zeit für eine deutsche Thatcher.RIP...

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