Mariann Fischer Boel
Streiterin gegen die Milchquote

Die deutschen Bauern protestieren gegen die Milchquoten - Mariann Fischer Boel bleibt hart. Die EU-Agrarkommissarin will an der umstrittenen europäischen Regelung festhalten und für mehr Transparenz bei den Subventionen sorgen. Mit ihren Reformbemühungen stößt die Dänin bisher auf taube Ohren.

Selten wurde Mariann Fischer Boel so viel Lob zuteil wie am 1. Juli. Da schaffte die Brüsseler Agrarkommissarin die umstrittene EU-Verordnung 1677/88 ab, die seit mehr als 20 Jahren die Krümmung der Salatgurke regelt. Von einem „guten Tag für die Gurke“ sprach Fischer Boel damals. Das klang komisch, doch eigentlich war es ziemlich ernst, denn einen ähnlich guten Tag wird die 66-jährige Dänin so schnell nicht wieder erleben.

Schon heute droht Ärger. Fischer Boel will an der umstrittenen Milchquote festhalten und Änderungswünsche aus Berlin ablehnen. Das dürfte nicht nur das ohnehin gespannte Verhältnis zu CSU-Chef Horst Seehofer belasten. Die dänische Liberale riskiert auch, das Ziel des Subventionsabbaus aus den Augen zu verlieren. Denn als Trostpflaster sollen die Milchbauern neue EU-Hilfen bekommen.

2004 war Fischer Boel in Brüssel angetreten, die Agrarsubventionen zu kappen und mehr Markt zu wagen. Schon damals eilte ihr der Ruf voraus, „immer das Richtige gesagt, aber wenig Konkretes getan“ zu haben, wie die dänische Opposition bemängelte. Fünf Jahre später gilt die resolute Frau mit den weißen Locken in Brüssel zwar als prinzipientreu. Doch die Agrarreform hat sie – abgesehen vom Zuckermarkt – kaum vorangebracht.

Böse Zungen behaupten, das liege vielleicht daran, dass sie selbst Landwirtin ist. Eine Zeit lang führte sie sogar gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans einen Hof in Dänemark; auch EU-Subventionen sollen geflossen sein. Der Vorwurf der Vetternwirtschaft ließ sich allerdings nicht erhärten, Kommissionschef José Manuel Barroso stellte sich hinter seine Kommissarin.

Heute führt Fischer Boel den Kampf für Transparenz bei den Subventionen an. Ihrem Druck musste sich selbst Bayern fügen und die Empfänger offen legen. Auch im Streit um die Milchquote setzt die Dänin auf Offenheit. In ihrem Internet-Tagebuch rechtfertigt sie ihre umstrittenen Entscheidungen. Deutsche Bauern danken es auf ihre Art – und schicken literweise Protest-Milch nach Brüssel.

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