Marihuana-Legalisierung beschlossen
In Uruguay gibt's Joints bald in der Apotheke

Uruguay wird wohl das weltweit erste Land, das den Anbau und Verkauf von Marihuana vollständig legalisiert und unter staatliche Aufsicht stellt. Für die Regierung ist der Vorstoß ein Mittel zur Verbrechensbekämpfung.
  • 14

MontevideoDie Legalisierung von Marihuana ist in Uruguay einen Schritt weitergekommen. Die Abgeordnetenkammer in Montevideo votierte nach 14-stündiger Debatte mit 50 zu 46 Stimmen für eine Gesetzesvorlage der Regierungskoalition, die den Anbau und den Ankauf von monatlich bis zu 40 Gramm Marihuana in Apotheken freigibt. Über das Gesetz muss noch im Senat abgestimmt werden, wo die Regierung ebenfalls über eine knappe Mehrheit verfügt.

Es räumt dem Staat das Recht ein auf „Kontrolle und Regulierung von Import, Export, Anbau, Ernte, Produktion, Erwerb, Lagerung und kommerziellem Vertrieb von Cannabis und seinen Nebenprodukten“. Der Kursschwenk soll die Risiken und Folgeschäden des Drogenkonsums minimieren. Zurzeit ist in dem kleinen lateinamerikanischen Land lediglich der Konsum von Marihuana, nicht aber der Verkauf erlaubt.

Privatpersonen dürfen nach dem Gesetzentwurf bis zu sechs Cannabis-Pflanzen züchten. In der Gesetzesvorlage ist auch die Bildung von Marihuana-Clubs von 15 bis 45 Mitgliedern vorgesehen, die bis zu 99 Pflanzen pflegen könnten. Der Anbau und Handel soll von einer staatlichen Kommission kontrolliert werden. Die Konsumenten müssen sich in einem Register einschreiben. Minderjährigen bleibt der Konsum verboten. Auch wird Werbung jederart für den Konsum von Marihuana in der Gesetzesvorlage untersagt. Bislang ist in Uruguay der Cannabis-Konsum und der Besitz zum persönlichen Bedarf erlaubt, aber der Handel und Anbau verboten.


Jüngste Umfragen zeigen, dass immer noch zwei Drittel der Bürger gegen das Vorhaben sind. Die linke Regierung des Präsidenten José Mujica erhofft sich von der Legalisierung jedoch eine effizientere Bekämpfung der Drogenkartelle. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José María Insulza, hat die uruguayische Initiative begrüßt. Es gehe um eine Strategie gegen die Drogenkriminalität, die sich angesichts des „Scheitern des Verbots“ lohne anvisiert zu werden.

Der amerikanische Kontinent leidet stärker als jede andere Weltregion unter Drogengewalt: Auf 100.000 Einwohner kommen pro Jahr 16 Morde, die zweithöchste Rate nach Afrika. Hauptursache ist der Verteilungskampf um das Milliardengeschäft mit Kokain, Marihuana und anderen Betäubungsmitteln. Über geeignete Gegenstrategien wird seit langem gestritten. Alle Oppositionsparteien in Uruguay sind gegen eine Legalisierung.

Das Ziel sei „nicht die Förderung des Konsums, denn den gibt es ja schon“, sagte der Abgeordnete Sebastian Sabini, der den von Präsident José Mujica befürworteten Gesetzesentwurf im Unterhaus vorgestellt hatte. Dafür solle das Geschäft mit den Drogen aus den Fängen der Mafia befreit und damit eine wichtige Finanzierungsquelle des organisierten Verbrechens trockengelegt werden. Der oppositionelle Parlamentarier Gerardo Amarilla sprach hingegen von einem „Spiel mit dem Feuer“, das ohne Erfolgsgarantie „eine ganze Generation opfert“ und womöglich mehr Drogenabhängige schaffe als vorher.

Nach Angaben des Nationalen Drogenrates konsumieren 120.000 der 3,2 Millionen Uruguayer regelmäßig Cannabis, jeder sechste davon täglich. Alljährlich werden demnach mehr als 20 Tonnen des Rauschmittels auf den Markt gebracht, was einem Gegenwert von 30 bis 40 Millionen Dollar (23 bis 30 Millionen Euro) entspricht.


Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Marihuana-Legalisierung beschlossen : In Uruguay gibt's Joints bald in der Apotheke"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • also so ein haufen von längst wiederlegten (gateway Theorie) unhaltebaren und komplett falschen (hochgezüchtetes Gras) hab ich ja lang nicht mehr gelesen. ihn nehme mal an, das war und ist satire in ihrer reinform, denn nüscht was sie schreiben bildet auch nur im allergeringsten die realität ab. die meisten ihrer lügen mussten die offiziellen (dyckmanns, dr. cannabius patzak , vogelsand und co) schon längst revidieren. nennen sie mir auch nur eine off. glaubwürdige quelle für ihre behauptungen, sie können es schlicht nicht, weil nichts davon der wahrheit entspricht.

  • @netshadow

    Mein Hinweis auf den Umstieg bezog sich primär auf Heroin. Kokain kommt nach dem Einstieg in den Gebrauch harter Rauschgifte häufig erst in einer späteren Phase des politoxikomanen Drogengebrauchs hinzu.

    Ich hatte ja bereits geschrieben, dass es vor allem darum geht, durch Pönalisierung von Drogen deren Verbreitung in der Gesellschaft zurückzudrängen. Das gelingt sehr wohl, dafür gibt es Beispiele (ebenso wie für den umgekehrten Fall eines Konsumanstiegs durch die Liberalisierung von Rauschgiften). Es ist eine ganz einfache Logik: Drogen, die man nicht bekommt, kann man nicht konsumieren!

    Aus der Schweiz, wo neben Methadon auch Heroin an Schwerstabhängige abgegeben wird, ist mir bekannt, dass die wenigsten Probanden in der Lage sind, einer regulären Arbeitstätigkeit nachzugehen. Letztlich kommt auf den Grad der Abhängigkeit bzw. das Stadium der Sucht an. Es ist bekannt, dass es auch bei Heroin Gelegenheitskonsumenten gibt, die, wie Sie schreiben, arbeitsfähig sind. Bei Kokain wegen der aufputschenden Wirkung sowieso.

    Es ist widersprüchlich, wenn der Staat eine zuvor verbotene Substanz zunächst entkriminalisiert und dann die Bevölkerung über die Gefahren der Droge aufklärt, um den Konsum zu begrenzen. Mit der Legalisierung wird den Menschen ja gerade signalisiert, dass die Substanz so gefährlich nicht sein kann. Sonst wäre sie ja verboten geblieben.

    Wenn es Ihnen zuvörderst darum geht, der Mafia den Boden zu entziehen, dann müssten sie auch die Legalisierung von Prostitution, Glücksspiel und Waffenhandel befürworten. Damit verdient das organisierte Verbrechen nämlich auch jede Menge Geld. Selbst wenn es gelänge, dem Drogenschwarzmarkt durch Rauschgiftlegalisierung den Boden zu entziehen, würde die OK nicht verschwinden, sondern lediglich ihre Geschäftsfelder verlagern. Die Gewinne blieben also, sie würden nur in anderen Bereichen erzielt.

  • Alkohol kann sowohl Droge als auch Genussmittel sein, es kommt auf die Konsummenge an. Das unterscheidet Alkohol von Rauschgift. Was noch wichtiger ist: Alkohol ist eine Kulturdoge, ist also bereits seit Jahrhunderten in den Gesellschaften der heutigen Industriestaaten verankert und wird allgemein akzeptiert. Die Durchsetzung eines Verbots wäre mit erheblichen Problemen und Verwerfungen verbunden, wie das Beispiel Prohibition in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt. Kulturdrogen wie Alkohol und auch Nikotin können nur schrittweise zurückgedrängt werden. Dieses Ziel verfolgt die Politik, mit wachsendem Erfolg. Eine Legalisierung von Cannabis würde diese Bemühungen konterkarieren und ist schon deshalb abzulehnen.

    Drogenfreie Gesellschaften gibt es nicht. Das kann aber kein Argument für die Forderung sein, zusätzlich Rauschgifte wie Cannabis freizugeben. Vielmehr muss es darum gehen, den Einfluss von Drogen insgesamt zu minimieren, um die Zahl der Konsumenten und die Konsumintensität zu reduzieren. Die Vision muss eine Gesellschaft ohne Drogen sein, auch wenn dieses Ziel - wie alle visionären Leitbilder - nie ganz erreicht werden kann.

    Das heute auf dem Markt erhältliche Cannabis ist wegen des hochgezüchteten THC-Gehalts nicht zu vergleichen mit den Sorten, die Mitte des vorigen Jahrhunderts erhältlich waren. Dasselbe gilt für Hanfpflanzen, die irgendwo in der freien Natur wachsen. Die Gesundheitsgefährdung, die von Haschisch und Marihuana ausgeht, ist heute als deutlich größer als noch vor einigen Jahrzehnten. Deshalb finden sich auch immer mehr Cannabis-Konsumenten in Suchtkliniken wieder.

    Der Einfluss der Duldung von Cannabis in den Niederlanden auf die Konsumentenzahlen ist umstritten. Neben den geduldeten Coffeeshops gibt es auch illegale, die keine Genehmigung haben und die gesetzlichen Vorgaben umgehen. Der Schwarzhandel konnte also nicht ausgeschaltet werden. Auch das Ziel einer Marktrennung zwischen weichen und harten Drogen wurde nicht erreicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%