Marina Silva
Integer, renommiert, ambitioniert

Das Rennen um das brasilianische Präsidentenamt könnte zu einem weiblichen Zweikampf werden. Die Wunschkandidatin des amtierenden Präsidenten Lula, Dilma Roussef, muss mit einer ernstzunehmenden Gegenkandidatin rechnen. Die ehemalige Umweltministerin Marina Silva überlegt gegen sie anzutreten und trifft mit ihrer Glaubwürdigkeit den Nerv vieler Bürger.

Sie war eine Mitstreiterin von Chico Mendes, dem ermordeten Anführer der Gummizapfer. Sie hat die brasilianische Arbeiterpartei im Amazonasstaat Acre mitgegründet und ist für sie als jüngste Senatorin nach Brasília gegangen. Sie ist Brasiliens international renommierteste Umweltschützerin – und will die Nachfolgerin von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva werden: Marina Silva hat erklärt, dass sie sich vorstellen könne, aus der Arbeiterpartei (PT) Lulas auszutreten und für die Grünen bei den Präsidentschafts-Wahlen im Oktober 2010 zu kandidieren. Damit löste sie eine heftige Nachfolgedebatte in Brasiliens Politik aus: Weil Präsident Lula nach zwei Legislaturperioden nicht mehr kandidieren darf, baut er seit langem seine Präsidialamtsleiterin Dilma Roussef als Nachfolgerin auf. Jetzt gibt es eine ernstzunehmende Gegenkandidatin. Silva hat gerade unter Lula-Wählern viele Anhänger. Mit Lula da Silva hat sie mehr gemeinsam als den gleichen Nachnamen. Wie er, der als Hungerflüchtling und Schuhputzer bis zum Präsidenten aufgestiegen ist, wuchs die 51-Jährige in ärmlichen Verhältnissen einer Gummizapferfamilie im Amazonas-Bundesstaat Acre auf. Sie lernte erst als Erwachsene lesen und schreiben. 1994 wurde sie erstmals in den Senat gewählt. Im Kabinett Lula leitete sie fünf Jahre das Umweltministerium, bis sie im Mai 2008 unter Protest wegen der vernachlässigten Umweltpolitik der Regierung zurücktrat. Silva gilt als integer. Sie war nie in einen der zahlreichen Korruptionsskandale der Regierung verwickelt. Diese fürchtet, dass viele ehemalige Lula-Sympathisanten in Zukunft Silva wählen könnten. Denn trotz seiner hohen Popularität von über 80 Prozent sind viele Anhänger des Präsidenten enttäuscht über die Korruption führender Parteimitglieder der PT und dem demonstrativen Schulterschluss Lulas mit den Politoligarchen im skandalgeschüttelten Senat.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%