Mario Draghi: „Die vier schwersten Jahre meines Lebens“

Mario Draghi
„Die vier schwersten Jahre meines Lebens“

Als Geldpolitiker redet Mario Draghi über Zinsen, Inflationsraten und die Liquidität der Banken. In Davos gestattete Europas oberster Banker jedoch einen kurzen Einblick in sein Privatleben.
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Davos„Die letzten vier Jahre seit Ausbruch der Finanzkrise sind die längsten Jahre in meinem Leben gewesen“, gesteht Mario Draghi, der noch relativ neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der großes Bühne des World Econiomic Forum (WEF) in Davon. Prompt lobt Klaus Schwab, der Gründer des WEF, Draghi für seinen Einsatz zur Stabilisierung der Finanzkrise. „Wir sind bei Mario Draghi in guten Händen.“ Damit jedoch war die persönliche Seite des Auftritts auch schon abgehandelt.

Denn auf den EZB-Präsidenten wartet in den nächsten Monaten noch viel Arbeit. Auch Draghi erwartet kein schnelles Ende der Schuldenkrise. „Die Risikoaufschläge der europäischen Krisenstaaten könnten noch für längere Zeit auf erhöhtem Niveau verharren“, sagte er. Draghi betonte, dass die Risikoaufschläge in der Vergangenheit nach dem Ausbruch der Griechland-Krise zu hoch waren.

Zudem warnte Europas Geldhüter vor den Auswirkungen des strikten Sparkurses im Euroraum: Haushaltskonsolidierung führe zu Schrumpfungsprozessen. „Viele der betroffenen Länder wachsen nicht“, warnte er mit Blick auf  die strengen Sparprogramme in Griechenland, Portugal, Spanien und Italien. Die Umsetzung eines Konsolidierungspakets ist jedoch eine der Voraussetzung dafür, dass die Euro-Staaten ein zweites Rettungspaket für Griechenland absegnen.

Positiv sieht Draghi die Fortschritte bei der Stabilisierung des europäischen Bankensektors. „Die Banken sind heute besser kapitalisiert und immuner gegen die Perversionen, die die Krise verursacht hat“, sagte er. Die Risikopuffer seien heute sehr viel wirksamer. „Die letzten zwei Jahren waren ja alles andere als ruhig - aber das Finanzsystem hat sich als stabil erwiesen.“ Ein Grund zur Entspannung sieht Draghi im Bankensektor dennoch nicht. „Es wäre übertrieben zu sagen, dass er zufrieden sei“, sagte er. Die Botschaft ist klar: Für die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone bleibt also noch viel zu tun. Auf dem EU-Gipfel Anfang nächster Woche müssen weitere Schritte zur Bewältigung der Finanzkrise beschlossen werden.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin

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