Mario Draghi Top-Notenbanker gerät in Strudel der Griechenland-Krise

Die Affäre um die langjährige Verschleierung des griechischen Haushaltsdefizits bringt jetzt auch den italienischen Notenbankchef Mario Draghi in Erklärungsnot. Draghi war bei Goldman Sachs zuständig für die Geschäfte mit Staaten - und in seine Amtszeit fällt die mutmaßliche Beteiligung der Investmentbank an undurchsichtigen Finanztransaktionen.
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Mario Draghi, Chef der italienischen Notenbank, gerät aufgrund seiner Tätigkeit für Goldman Sachs in Erklärungsnot. Quelle: Reuters

Mario Draghi, Chef der italienischen Notenbank, gerät aufgrund seiner Tätigkeit für Goldman Sachs in Erklärungsnot.

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DÜSSELDORF. Draghi, der als Gegenkandidat des deutschen Notenbankchefs Axel Weber für den Spitzenposten der Europäischen Zentralbank (EZB) gehandelt wird, war am 28. Januar 2002 zur Investmentbank Goldman Sachs gestoßen. Er war dort als stellvertretender Verwaltungsratschef in London nach Angaben der Bank zuständig für das Geschäft mit "Staaten und staatlichen Agenturen". Der Investmentbank wird vorgeworfen, dass sie genau zu der Zeit der griechischen Regierung durch spezielle Finanztransaktionen bei der Verschleierung ihres enormen Haushaltsdefizits geholfen hat. Eine mögliche Beteiligung an den Griechenland-Geschäften dürfte die Chancen Draghis, bei der EZB im Jahr 2011 als Nachfolger von Jean-Claude Trichet zum Zuge zu kommen, erheblich schmälern.

Goldman Sachs hat in der Amtszeit von Draghi die Ausgabe von Griechenland-Anleihen im Wert von insgesamt 15 Mrd. Dollar zum Teil federführend begleitet. Aus dieser Konstellation resultierte womöglich ein Interessenkonflikt: Goldman wusste im Gegensatz zu den Käufern, dass die Haushaltslage der Griechen angespannter war als bekannt, hat darauf aber nach Recherchen der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht in allen Anleiheprospekten hingewiesen. Ob sich hieraus juristisch Tatbestände ableiten lassen, ist derzeit noch offen.

Die Investmentbank hatte zuvor dabei geholfen, über einen langfristigen Fremdwährungstausch (Swap) Griechenlands Verschuldung zu drücken. Nach Handelsblatt-Informationen sollen die Swap-Geschäfte Ende des Jahres 2001 und Anfang 2002 abgewickelt worden sein. Vereinfacht handelt es sich dabei um einen Kredit, der aber nicht bilanziell erfasst wurde - was zum damaligen Zeitpunkt legal war, wie Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou gestern erneut beteuerte. Mittlerweile hat die EU-Statistikbehörde Eurostat jedoch eine Untersuchung eingeleitet.

Als Reaktion auf eine Anfrage des Handelsblatts sah sich gestern die italienische Notenbank gezwungen, Draghi aus der Schusslinie zu nehmen. "Mario Draghi hatte nichts mit den fraglichen Geschäften zu tun", sagte eine Sprecherin der Notenbank. In den ersten Jahren seiner Tätigkeit sei er - entgegen seiner offiziellen Bezeichnung - nur für Investment-Banking mit Unternehmen zuständig gewesen und nicht für die Kontakte zu Regierungen. Goldman Sachs wollte die Angelegenheit nicht kommentieren.

"Ich bin sicher, dass Goldman Sachs jetzt von Investorengruppen und Behörden weltweit unter Beschuss genommen wird", sagte David Krotok, Chefstratege bei Cumberland Advisors, zu den Anleiheplatzierungen des Wall-Street-Primus. "Ob sie etwas Illegales getan haben oder nicht, ist nicht mehr länger relevant." Goldman müsse für Aufklärung sorgen - je schneller, desto besser. Nach Informationen des Handelsblatts prüfen in Deutschland derzeit mehrere mit Milliarden in Griechenland engagierte Großanleger die Situation - einschließlich des Vorgehens von Goldman Sachs.

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8 Kommentare zu "Mario Draghi: Top-Notenbanker gerät in Strudel der Griechenland-Krise"

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  • @ Alessandro

    Nein, Sie müssen das so sehen: Der Norm-Deutsche ist einfach gestrickt, für den gibt es nur schwarz oder weiß. Und wenn er sich entscheiden muss, dann für schwarz, das entspricht seinem Naturell.

  • Ja ja, alle böse italiener, alle böse Grieche, alle perfekte Deutsche, wie die zum beispiel, die eine Firma (Thissen Krupp) in Turin brennen lassen mit Leuten drinnen, oder ?

    Oder wie die bei DEUTSCHER bANK, die hinter der Skandal von Parmalat als Hauptinvestor war ...

    oder... sind nur wir pizzalieferanten, die solche Geschäfte machen ?

  • Wie lautet der alte Witz?

    Frage: Why did they let the Greeks into the European Union?

    Antwort: To make the italians look honest!

  • Das bild ist toll getroffen und spiegelt die Einstellung dieser Herren wider. Überheblichkeit und Gier. Es ist nicht verwunderlich, dass dieser Herr seine Taten nicht zugeben will. Dieser Kaste fehlt jegliches Verantwortungsbewustsein. Der beschränkte Horizont reicht knapp bis zur Tasche, in der die Geldbörse sitzt. Aber dies ist die Eingenschaft, die man besitzen muß, um in Politik und Wirtschaft über einen berg von Leichen in die oberen Etagen zu gelangen. Aber das Volk jubelt diesen Maden zu.

  • @backermeisterbullerjahn
    Dáccord, aber wurde Zumwinkel nicht auch mit einer solchen CD überführt?
    Übrigens kam er dann nicht hinter Gitter weil die Staatsanwalt fristen versäumt hat.
    Ein Schelm wer böses dabei denkt

  • @ business inspektor
    ich denke mal, daß niemand die Absicht hatte die CD wirklich zu kaufen. Man wollte nur auf den busch klopfen, daß sich Steuersünder freiwillig stellen. ich denke mal der Zweck ist erreicht. Diejenigen, die jetzt noch Schweizer Konten haben, können wahrscheinlich keiner Steuerhinterziehung überführt werden.
    Das war eine rein taktische Maßnahme, um echte Steuerhinterzieher dazu zu bringen sich freiwillig zu stellen.

  • Es gibt Fälle in Deutschland, da werden "Steuersünder" für die Hinterziehung weniger 100€ Steuergelder in den Ruin getrieben. Warum müssen wir so viel Steuern zahlen? Weil wir, natürlich hinter den Kulissen, Griechenland mit Steuermilliarden helfen werden. Wie gehr der Staat mit unseren Steuergeldern um?
    Seit klar ist, dass auch Politiker und Richter ihre Vermögen in der Schweiz haben, redet niemand mehr über die Steuer CD´s.
    Ein Schelm wer böses dabei denkt

  • "in den ersten Jahren seiner Tätigkeit sei er - entgegen seiner offiziellen bezeichnung - nur für investment-banking mit Unternehmen zuständig gewesen und nicht für die Kontakte zu Regierungen."

    ich bin mir sicher, seine boni bei Goldman Sachs hat Herr Draghi für genau diese Tätigkeiten bekommen, für die er zuständig war, nun aber nicht wahrgenommen haben will...

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