Mario Monti
Ein Technokrat mit Manieren

Er wirkt wie ein Gegenentwurf zu Vorgänger Silvio Berlusconi: Mario Monti gilt als unbestechliche Führungspersönlichkeit mit Sachverstand und Manieren. Italien und Europa freuen sich auf den neuen Regierungschef.
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RomNun soll es Mario Monti in Italien richten - ein international angesehener Wirtschaftsexperte, der sich durch seine politische Unabhängigkeit breiten Respekt erworben hat. Der Mailänder Wirtschaftsprofessor wurde am Sonntag von Staatspräsident Giorgio Napolitano mit der Regierungsbildung beauftragt.

Der designierte Nachfolger des scheidenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi äußerte sich im Anschluss an seine Nominierung zuversichtlich, dass Italien in einem gemeinsamen Kraftakt die Krise überwinden könne.

Es ist eine Karriere im Zeitraffer - nicht zuletzt den aufgeregten Finanzmärkten geschuldet: Erst am Mittwoch wurde Monti von Italiens Staatschef Giorgio Napolitano zum Senator auf Lebenszeit ernannt, tags darauf empfahl der strauchelnde Regierungschef Berlusconi den früheren EU-Kommissar implizit als seinen Nachfolger.

Seither nahmen die Lobreden auf Monti kein Ende. Sie habe „großen Respekt“ vor Monti, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Sie habe mit dem Italiener stets „fruchtbare Gespräche“ geführt. Der frühere Ministerpräsident und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte: „Montis Zeit ist gekommen.“ Am Sonntagabend war es soweit.

Gegensätzlicher als Berlusconi und Monti können Politiker kaum sein: Während der Medienmogul Berlusconi häufiger mit seinen privaten Eskapaden als mit seiner Regierungsführung Schlagzeilen machte, gilt Monti als nüchterner Charakter, höflich - aber bestimmt. Ihm eilt der Ruf voraus, dass Pressionen gleich welcher Art völlig an ihm abprallen.

Monti könnte eine technokratisch geführte Regierung der nationalen Einheit anführen, die Italien aus der politischen und wirtschaftlichen Krise führen soll. In einer seiner wenigen öffentlichen Stellungnahmen der vergangenen Wochen empfahl Monti am 23. September, „unpopuläre Reformen“ durchzusetzen, indem „die vernünftigsten Teile“ der politischen Parteien zusammenarbeiten.

Unter Berlusconis erstem Kabinett war der parteilose promovierte Wirtschaftswissenschaftler von 1995 bis 1999 EU-Binnenmarktkommissar, unter der linksgerichteten Regierung von Massimo D'Alema dann bis 2004 EU-Wettbewerbskommissar. Seitdem trägt er das Siegel eines Unparteiischen.

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  • Ach, noch was: Die Unternehmer - und hier haben wir sie wieder (in anderem Zusammenhang!), die 70% - bekommen bis zu 70% der neuen Fabrik ersetzt. Da muss der alte Produktionshaufen schon fast geschlossen werden.

  • Ja, das sollten wir!

  • Aber wie du siehst, Birgit, interessiert auch die Leser, die noch dazu sehr, sehr wenige sind (und mit wenigen erzielt man keine Wirkung!), vom Handelsblatt höchstens der Unsinn, den sie selber schreiben und nicht die reale Gefahr. Sie sind offensichtlich die gleichen Lasser wie alle anderen. Das macht sich natürlich bezahlt - für die Reichen! Eine Menge Egomanen, die motzen, aber nichts gegen die realen Umstände tun wollen. Zu faul sind sie, aber wichtig kommen sie sich vor! Das ist gut für die Betrüger, die die Tatenlosen hier beschimpfen.

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