Mario Monti

Ein Vollstrecker unter Zeitdruck

Auch wenn Montis Reformen die Bevölkerung des Landes schwer belastet hat – erste Erfolge sind bereits spürbar. Doch es bleibt viel zu tun. Und der Regierung Monti läuft die Zeit davon. Im Frühling stehen die Wahlen an.
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Mario Monti muss nach seinem Treffen mit Angela Merkel jetzt weiter an den Reformen basteln. Quelle: Reuters

Mario Monti muss nach seinem Treffen mit Angela Merkel jetzt weiter an den Reformen basteln.

(Foto: Reuters)

RomDie italienischen Zeitungen nennen es den Merkel-Effekt und das Finanzministerium wie die Notenbank verkünden stolz, dass die Emission von langfristigen Staatspapieren am Donnerstag erfolgreich gewesen ist. Immerhin, die Zinsen blieben unter der Schmerzgrenze von sechs Prozent.

Doch in diesem Jahr muss die drittgrößte Volkswirtschaft in Europa noch 60 Milliarden Euro aufnehmen. Und wieder kamen schlechte Nachrichten aus den USA. Die Ratingagentur Moody’s hat – wieder einmal – die Wachstumsaussichten für Italien nach unten korrigiert: auf ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr von 2,5 Prozent und ein maximales Nullwachstum für 2013. Die offizielle Prognose der Regierung liegt noch bei minus 1,2 Prozent für dieses Jahr. Die Rezession ist bestätigt. Schafft es das Land, aus dem Strudel der Euro-Krise zu schwimmen?

„Italien braucht keine Hilfe von Europa und der Europäischen Zentralbank“, bekräftigt Enrico Letta. „Das Problem ist, dass der Risikoaufschlag nicht die Wirklichkeit abbildet und negative Auswirkungen auf die italienischen Finanzen hat.“ Der Vize-Chef des größten und in den Umfragen an erster Stelle liegenden Partito Democratico (PD), ehemals Europapolitiker und Industrieminister in der Regierung Prodi, verteidigt Mario Monti: „Die Reformen der Regierung sind sozial sehr schwer erträglich, haben uns aber wieder glaubwürdig gemacht.“

Diese Reformen hat die Techniker-Regierung im Rekordtempo angestoßen, seit sie die Amtsgeschäfte im vergangenen November übernahm. Ein Sparpaket, eine Schuldenbremse, Steuererhöhungen zum Beispiel für Immobilien, 21 statt 20 Prozent Mehrwertsteuer, Rentenkürzungen, Liberalisierungen, Personalabbau im öffentlichen Dienst und demnächst auch der Verkauf von Staatsbesitzungen – die Liste ist lang. Das Problem ist die Umsetzung.

Viele Reformen noch unvollendet
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9 Kommentare zu "Mario Monti: Ein Vollstrecker unter Zeitdruck"

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  • Denke, dass dieser Satz gültig ist bis zum 12.9. Dann könnte es sein, dass uns die Empirie etwas ganz anderes lehrt.

  • -Immerhin haben es die Italiener nicht so wild getrieben-

    Was macht Sie da so sicher?

    Ich meine, Papier ist doch gewillig, oder?

  • Das sind ja schon quantenphysikalische Argumentationen

    Edelzwicker, Sie haben einfach Klasse! Wirklich!
    Ich liebe ihren Humor!

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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  • >Italien braucht keine Hilfe von Europa und der Europäischen Zentralbank“, bekräftigt Enrico Letta<

    Kennen wir diesen Satz nicht bereits von anderen ClubMed-Mitgliedern? Und wie ist es dann gekommen?

  • Handelsblatt berichtet
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    Insgesamt liegt nach den neuen Zahlen die Arbeitslosigkeit in Italien bei 10,5 Prozent, das sind 2,7 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Seit 1999 hat es nicht mehr so eine Zahl gegeben.
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    Wenn man innerhalb von 10 Jahren die Löhne um 35,1% (Deutschland 16,1%) erhöht, und die Preise um 25,5% (Deutschland 18,1%), dann leidet eben die Wettbewerbsfähigkeit.

    Immerhin haben es die Italiener nicht so wild getrieben wie die Griechen und Spanier.

    Aber auch sie stehen angesichts der Unwilligkeit ihrer Gläubiger ihnen mehr zu pumpen vor der gleichen Entscheidung: Lebensstandard runter oder Arbeit rauf.

    Vermutlich natürlich beides - die Frage ist nur in welchen Anteilen.

  • O-Ton Handelsblatt
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    Die Ratingagentur Moody’s hat – wieder einmal – die Wachstumsaussichten für Italien nach unten korrigiert: auf ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr von 2,5 Prozent und ein maximales Nullwachstum für 2013.
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    Die letzten Pfürze der Betrügeragentur sind keine Nachricht, und schon gar keine schlechte (oder gute) Nachricht für Italien.

    Bloß weil dieser Müll noch aus dem Ticker kommt muß ihn das Handelsblatt nicht auch noch weiterverbreiten.

  • Zeitdruck?
    Nur weil Draghi seine Versprechungen noch nicht einlösen konnte. Für seine Freunde billiges Geld zu besorgen. Sobald Draghi Geld druckt sind alle Reformen vergessen. In Italien wie in Spanien auch!

  • „Das Problem ist, dass der Risikoaufschlag nicht die Wirklichkeit abbildet und negative Auswirkungen auf die italienischen Finanzen hat.“
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    Das sind ja schon quantenphysikalische Argumentationen, die dazu dienen sollen, eine Wirklichkeit zu postulieren, die andere verursacht haben, nur die Italiener selbst nicht. Schuld sind die erfolgreichen Nordländer und die bösen Ratingagenturen, ohne die man überhaupt keine Probleme mit dem Euro hätte! Mein Sarkasmus und Zynismus für diese Leute kennt keine Grenzen.

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