Marktöffnung
Kubaner dürfen nun in 138 Berufen selbstständig sein

Kuba probt die Marktwirtschaft: In insgesamt 138 Berufen sollen die Einwohner des Inselstaats künftig ihre eigenen Geschäfte aufziehen. Doch die vermeintliche wirtschaftliche Freiheit hat einen Haken - vor der Selbstständigkeit steht die Entlassung.
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HB HAVANNA. Das krisengeschüttelte Kuba auf dem Weg zu mehr Privatwirtschaft: In 138 verschiedenen Tätigkeiten können Kubaner künftig selbstständig werden und eigene Geschäfte aufziehen. Das teilte die sozialistische Regierung am Freitag in den staatlichen Medien mit. Außerdem dürfen die Einwohner Kubas ihre Wohnungen vermieten. Mit diesem Aufweichen der Planwirtschaft sollen soziale Härten durch die bevorstehenden Entlassungswellen im staatlichen Sektor gemildert werden.

Nach den Plänen der Regierung verlieren in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres rund 500 000 Angestellte aus unproduktiven staatlichen Betrieben ihren Job. Sie sollen ihren Lebensunterhalt durch selbstständiges Wirtschaften bestreiten. Die Parteizeitung "Granma" veröffentlichte am Freitag eine Liste mit den Berufen, die künftig auf eigene Rechnung betrieben werden dürfen: Unter anderem sind das Handwerker, Zimmermänner, Elektriker, Masseure, Mechaniker, Friseure, Programmierer, Hauspersonal, Fahrlehrer, Blumenverkäufer, Schuhputzer und viele andere.

Die künftigen Freiberufler und deren Angestellten müssen Steuern zahlen und Beiträge zur Sozialversicherung leisten. In 83 der 138 Aktivitäten dürfen die "Unternehmer" Angestellte beschäftigen, berichtete "Granma" weiter. Es werde sogar überlegt, dass die Zentralbank Kredite an die Geschäftsgründer vergibt.

Während die Zulassung von kleinen Geschäften und Handwerksbetrieben schon seit längerem eine beschlossene Sache ist, stellt die Vermietung ganzer Wohnungen eine Neuerung in Kuba dar.

Bisher war nur die Vermietung von Zimmern in Wohnungen erlaubt. Auch dürfen kleine Restaurants und Bars auf eigene Rechnung betrieben werden. In den bisher erlaubten "Paladares" blieb die Zahl der Sitzplätze allerdings begrenzt und wurde nur von derzeit zwölf auf 20 erhöht.

Die kubanische Regierung hat die Reform unter dem Druck wirtschaftlicher Not begonnen. Weltwirtschaftskrise, Unwetterkatastrophen, Korruption und eine starre Planwirtschaft haben die Regierung gezwungen, auf Privatinitiativen zu setzen, um einen völligen Zusammenbruch des Systems zu verhindern.

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