Maros Sefcovic
„Europa erfährt nicht die Behandlung, die es verdient“

Moskau will die Türkei zur Drehscheibe für russisches Gas machen. Der EU-Kommissions-Vizepräsident sieht die Versorgungssicherheit durch das mächtige Transitland nicht in Gefahr– spart aber nicht mit Kritik an Russland.
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BrüsselNach dem Aus der South-Stream-Pipeline will Moskau die Türkei zur neuen Drehscheibe für russisches Gas machen. Maros Sefcovic, als Vizepräsident der EU-Kommission für die Energieunion verantwortlich, fürchtet die neue Macht des Transitlandes Türkei nicht. „Ich bin zwar erst ein paar Wochen im Amt, habe aber bereits viele Gespräche in der Region geführt, unter anderem mit dem türkischen Energieminister“, sagte Sefcovic dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Ich habe keinen Anlass, die Verlässlichkeit des Landes als Energiepartner infrage zu stellen.“

Versorgungssicherheit für Europa ist auch Thema, wenn sich der Vizepräsident der EU-Kommission an diesem Dienstag mit den EU-Staaten trifft, die vom Aus der South-Stream-Gaspipeline betroffen sind. Durch die insgesamt 2.380 Kilometer lange Leitung wollte Russland Gas durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort über Serbien bis nach Italien pumpen. „Russland will das Projekt beenden, weil es nicht willens ist, sich an die europäischen Spielregeln zu halten“, sagte Sefcovic. „Für Europa hat Versorgungssicherheit oberste Priorität. Und dabei geht es natürlich nicht nur um neue Lieferwege für russisches Gas, wie es South Stream wäre, sondern vor allem um neue Bezugsquellen. Das haben auch die EU-Mitgliedstaaten beschlossen.“

Mittelfristig ist es Sefcovics Ziel, die Energieunion aller EU-Staaten voranzutreiben. „Eine Europäische Energieunion muss natürlich mit den Regeln des Wettbewerbs und der Welthandelsorganisation kompatibel sein. Aber eines ist doch klar und sollte auch den Unternehmen bewusst sein: Europa muss mit einer Stimme sprechen und das geht nur, wenn sich alle stärker koordinieren“, sagte Sefcovic dem Handelsblatt.

Es könne nicht sein, dass Preise, die zum Beispiel die russische Gazprom einigen Ländern abverlange, zuweilen zu hoch seien, und sich Europa auch noch Sorgen um die Liefersicherheit machen müsse. „Wenn es um den Einkauf von Energie geht, erfährt Europa heute nicht die Behandlung, die es verdient“, sagte Sefcovic. „Unsere Mitgliedsstaaten sind gute Abnehmer, zahlen jährlich rund 400 Milliarden Euro – und sie zahlen pünktlich und verlässlich.“

Kommentare zu " Maros Sefcovic: „Europa erfährt nicht die Behandlung, die es verdient“"

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  • Die Frage ist woher die Ukraine in Zukunft ihr Gas beziehen soll. Möglich wäre dieses weiterhin aus Russland, denn die Leitungen sind ja vorhanden. Die Gespräche sollte die Ukraine jetzt führen. Dazu muss sie wohl politische Zugeständnisse machen. Der Westen wir ihr nicht richtig helfen können.

  • Eine Energieunion halte ich für sinnvoll. Mit einer einheitlichen, viel größeren Marktmacht, kann Europa gegenüber Gas- und Ölexporteuren ganz anders auftreten.
    Dass Deutschland weniger an Russland für Gas zahlen musste als die baltischen Länder hat natürlich auch mit der Abnahmemenge zu tun. Wenn ich Großhändler wäre bekäme ich ja normalerweise auch andere Preise als im Einzelhandel... Mengenrabatt.
    Nun so zu tun, als wäre Russland kein sicherer Lieferant und die Situation so darzustellen, als hätte Russland das Projekt einfach aus Spaß abgebrochen, halte ich allerdings für unangebracht.

  • Russisches Gas für Erdogan
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    Die EU wollte es ja nicht. Jetzt müssen sie es von Erdogan kaufen. Das wird natürlich teuer. Aber daran sind die Eurokraten selbst schuld.
    Putin hat in diesem Falle richtig und konsequent gehandelt.

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