Marschallinseln
Pazifikzwerg will Atommächte zur Abrüstung zwingen

67 Atomwaffen wurden auf den pazifischen Marschallinseln getestet. Jetzt wollen sie mit einer Klage vor dem Internationalen Gerichtshof den Abrüstungsprozess vorantreiben. Der kleine Staat hat prominente Fürsprecher.
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New YorkEine kleine Pazifiknation will die neun Atommächte der Welt zur Abrüstung verpflichten: Mit einer beispiellosen Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und einem US-Gericht in San Francisco wollen die Marshallinseln erreichen, dass die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, China, Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea Atomwaffen verschrotten.

Die über Atomwaffen verfügenden Staaten setzten ihre Verpflichtungen nicht um, den Abbau ihres Atomwaffenarsenals auszuhandeln, erklären die Marschallinseln, die als ehemaliges Treuhandgebiet der USA seit den 1960er Jahren Schauplatz von 67 amerikanischen Atomwaffentests waren. Die Folgen für die Umwelt dauerten bis heute an. Stattdessen steckten sie in den nächsten zehn Jahren eine Billion Dollar in die Modernisierung ihres Atomarsenals.

Ein Berater der Regierung des Inselstaats, David Krieger, erklärt: „Ich sehe das persönlich als eine Art David gegen Goliath“. Der Präsident der kalifornischen Nuclear Age Peace Foundation ist ein Vertrauter des Außenministers der Marshallinseln, Tony de Brum.

„Unser Volk hat durch diese Waffen katastrophalen und irreparablen Schaden erlitten“, sagt de Brum in einer Erklärung zur Klage. „Wir schwören, dafür zu kämpfen, dass niemand auf der Erde erneut diesen Gräueln ausgesetzt wird.“

Den Marschallinseln geht es in der Klage nicht um Schadenersatz, sondern der Abrüstung von Atomwaffen. Auch wenn Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea dem Atomwaffensperrvertrag von 1968 nicht beigetreten seien, seien sie durch internationales Recht zur Abrüstung verpflichtet, erklären sie.

1996 habe der Internationale Gerichtshof entschieden, dass eine Verpflichtung bestehe, Abrüstungsverhandlungen zu einem Abschluss zu bringen, sagt der Direktor des New Yorker Anwaltkomitees zur Atompolitik, John Burroughs. Seitdem sei der Abrüstungsprozess aber „praktisch zum Stillstand gekommen“.

Mehrere Friedensnobelpreisträger, darunter der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu und die im britischen Exil lebende iranische Juristin Schirin Ebadi, unterstützen die Klage. „Wir müssen diese Staatsführer fragen, warum sie ihre Versprechen gebrochen haben und ihre Bürger und die Welt der Gefahr einer furchtbaren Zerstörung aussetzen“, erklärte Tutu.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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