Martin Lee
Kämpfer für Demokratie

Martin Lee kennt seinen Platz. Und so wird der vielleicht beliebteste Politiker Hongkongs in der Nacht zum Sonntag nicht mit den Mächtigen und Reichen der Stadt unter der chinesischen Flagge zelebrieren. Der Oppositionelle will nicht die Unabhängigkeit – er will mehr Freiheit.

and HONGKONG. „Ich werde wieder auf dem Balkon des Parlamentsgebäudes sein, wo ich schon 1997 mit meinen politischen Freunden gestanden habe“, sagt der hagere Mann und lächelt über die feinrandige Brille. Martin Lee ist ein in England ausgebildeter Anwalt, der seit Jahrzehnten für Bürgerrechte kämpft und 1992 die Demokratische Partei Hongkongs gegründet hat. Er will in der Nacht zum 1. Juli ein Zeichen setzen. „Hongkong hat ohne Demokratie keine Zukunft“, sagt der 68-Jährige.

Wer so etwas behauptet, gilt in Peking als Verräter. Dabei ist Chinese Lee ein echter Patriot. „Wir sind sehr froh, ein Teil Chinas zu sein“, sagt er in seinem kleinen, holzgetäfelten Parlamentsbüro in dem Gebäude aus der Kolonialzeit an der Jackson Road, vor dem an diesem Vormittag mehrere Porsche parken. „Niemand in Hongkong will die Unabhängigkeit.“ Das habe Peking nur nicht begriffen.

Schlüsselerlebnis für Lee, den Juristen, war die blutige Niederschlagung der Studentenproteste im Jahr 1989. Er half damals Flüchtenden über Hongkong ins Exil. Ausgerechnet Tanker-Tycoon Helmut Sohmen, damals sein politischer Gegner im Abgeordnetenhaus, wurde dabei ein wichtiger Helfer. Er habe Sohmen, zu der Zeit Chef von Dragon Air, angerufen: „Helmut, ich brauche schnell ein Flugzeug, um Leute aus Peking zu holen.“ Die geheime Aktion klappte.

Ausgerechnet Sohmen, der zu den Reichen gehört, gegen die Lee oft wettert. Lee ist ein guter Rhetoriker, er verteilt seine Sätze gern wie kleine Nadelstiche. Peking spreche immer nur mit den Millionären der Stadt, schimpft er. Die Geschäftswelt wolle doch auch ein verlässliches Rechtssystem: „Nur sehen sie nicht, dass wir dies auf Dauer nicht ohne Demokratie erhalten können.“

Obwohl Lee, der lieber feine Hemden als T-Shirts trägt, weder Kumpeltyp noch ein Mann der Massen ist, konnte er 1989 eine Million Menschen in Hongkong mobilisieren. Sie zogen gegen das Massaker vom Platz des Himmlischen Friedens auf die Straße. Die Führung in Peking reagierte empört. Lee darf seitdem nicht mehr nach China.

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