Martin Schulz zu Nordkorea-Krise „Regierung muss Trump zur Vernunft rufen“

In der Nordkorea-Krise hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz verbale Abrüstung angemahnt. Deutschland und alle europäischen Staaten müssten den USA klar machen, dass dies nicht ihre Politik sei, sagte Schulz.
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Man dürfe sich nicht einer „Aufrüstungsspirale“ unterwerfen, die Trump propagiere, so der SPD-Kanzlerkandidat. Quelle: dpa
Martin Schulz (SPD)

Man dürfe sich nicht einer „Aufrüstungsspirale“ unterwerfen, die Trump propagiere, so der SPD-Kanzlerkandidat.

(Foto: dpa)

BerlinIn der Nordkorea-Krise hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz verbale Abrüstung angemahnt. „Wir sind in einer Situation, wo wir der Regierung der Vereinigten Staaten sicher auch deutlich sagen müssen, dass dieses verbale Säbelrasseln zur Verschärfung des Konflikts beiträgt, und nicht zur Deeskalation“, sagte der SPD-Chef am Donnerstag in Berlin. US-Präsident Donald Trump begebe sich auf das Niveau des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un.

Die Bedeutung der Insel Guam
Die US-Stützpunkte auf Guam
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Auf Guam gibt es zwei bedeutende Militärstützpunkte, den Luftwaffenstützpunkt Andersen im Norden der Insel und eine zur Marine gehörende Basis im Süden. Zwischen ihnen liegt der Touristenbezirk Tumon mit Hotelanlagen und Resorts. Der Marine-Stützpunkt kann bis zum Jahr 1898 zurückverfolgt werden, als die USA Guam von Spanien nach dem Spanisch-Amerikanischen-Krieg übernahmen.

Luftwaffenbasis seit dem zweiten Weltkrieg
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Die Basis der Luftwaffe wurde 1944 während des Zweiten Weltkriegs gebaut, als die USA sich darauf vorbereiteten, Bomber nach Japan zu schicken. Der Andersen-Stützpunkt hält heute eine Hubschrauberstaffel und Langstreckenbomber, die zwischen Guam und dem US-Festland hin- und herfliegen. Am Marine-Stützpunkt befinden sich vier nuklear betriebene U-Boote zum Schnellangriff und zwei U-Boot-Begleitschiffe.

Die Bewohner von Guam
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Auf Guam sind 7.000 Einsatzkräfte des US-Militärs stationiert, die meisten davon Soldaten der Luftwaffe oder der Marine. Die Armee plant, zusätzlich Tausende Marinesoldaten von Okinawa im Süden Japans nach Guam zu verlegen. Die Gesamtbevölkerung der Insel liegt bei rund 160.000. Die Einwohner des US-Überseegebiets im Pazifik haben Angst, dass sie in die Schusslinie des Atomstreits zwischen Nordkorea und den USA geraten könnten.

Geostrategische Bedeutung
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Die Insel hat große strategische Bedeutung: Guam liegt nur einen kurzen Flug von der Koreanischen Halbinsel entfernt, ebenso von anderen potenziellen Krisenherden in Ostasien. Seoul liegt rund 3.200 Kilometer nordwestlich von Guam, Tokio 2.400 Kilometer nördlich und Taipeh 2.700 Kilometer westlich. Da Guam Außengebiet der Vereinigten Staaten ist, können die USA jederzeit Kräfte von dort einsetzen, ohne dass das Land Sorge haben müsste, dass eine Gast-Nation möglicherweise Einwände gegen die Aktionen des US-Militärs haben könnte.

U-Boote auf Guam
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Die U-Boote des Marinestützpunktes sind wichtig, um Informationen in der Region - etwa von der Koreanischen Halbinsel und aus dem Südchinesischen Meer - zu sammeln. In Letzterem hat China Militärstützpunkte auf künstlichen Inseln aufgebaut.

US-Militär auf Guam
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Im Jahr 2004 haben die USA damit begonnen, Langstreckenbomber der Typen B-2, B-1 und B-52 wechselweise zum Stützpunkt Andersen zu schicken. Ziel war die Kompensation von Streitkräften, die aus dem asiatisch-pazifischen Raum für Kämpfe im Nahen Osten abgezogen wurden. Zudem hatte Nordkorea damals seine Bemühungen um die Entwicklung seines Atomwaffenprogramms erhöht. 2013 schickte die US-Armee das Raketenabwehrsystem THAAD nach Guam, das ballistische Raketen in ihrer finalen Flugphase zerstören kann.

Bevölkerung und Regierung
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Die Insel wurde erstmals vor rund 4.000 Jahren von den Vorfahren des Volks der Chamorro besiedelt. Die Chamorro machen auch heute noch die größte ethnische Gruppe der Insel aus. Die Hauptstadt Guams ist Hagatna, die größte Stadt ist mit rund 45.000 Einwohnern jedoch Dededo. Die Hauptsprachen sind Englisch und Chamorro. Auf der Insel gibt es populäre Bewegungen, die entweder mehr in Richtung Eigenverwaltung oder hin zum US-Beitritt tendieren. In den 1980er-Jahren gab es zudem einen Versuch, Guam zu einem US-Freistaat nach Vorbild Puerto Ricos zu machen. Der Versuch scheiterte jedoch.

Deutschland und alle europäischen Staaten müssten den USA klar machen, dass dies nicht ihre Politik sei, sagte Schulz. Die Konfrontation sei auch ein Ergebnis der nuklearen Aufrüstung der letzten Jahre. Man dürfe sich nicht einer „Aufrüstungsspirale“ unterwerfen, die Trump propagiere.

Nordkorea hatte gedroht, Raketen auf die Pazifikinsel Guam abzufeuern, auf der die USA einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt unterhalten. Auch Trump hatte Nordkorea militärisch gedroht.

  • dpa
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9 Kommentare zu "Martin Schulz zu Nordkorea-Krise: „Regierung muss Trump zur Vernunft rufen“"

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  • Komisch, dass die deutsche Trump-Partei, die AfD sich jetzt schweinchenschlau wegduckt, wo alle Welt sehen kann, wohin ihr Idol steuert: in einen großen Krieg.

    Rechtspopulisten und Nationalisten führen immer zu Krieg und Konflikten. Seit Trump am Drücker ist, redet die Welt nur noch über Handelskriege, echte Kriege und Geheimdienstmauscheleien. Ein Wahnsinn, wer solche Leute wählt!

  • Gut, dass jemand wie Schulz klare Worte gegen Trump anschlägt. Bisher sieht es ja so aus, dass Merkel den Aufrüstungs-Wahnsinn von Trump auch in Deutschland mitmachen will. Schwarz-Gelb wird garantiert mehr aufrüsten, wenn das Korrektiv SPD erst einmal abgehängt ist. Ein Irrsinn.

  • Frau Edelgard Kah@ Kann es sein, daß Sie Vietnam und Korea verwechseln ?

  • Martin Schulz plädiert dafür, auf eine Politik des Säbelrasselns zu verzichten. Da wird man ihm wohl zustimmen können.

    Aber eine Konfrontation mit dem nordvietnamesischen Diktator möchte er auf keinen Fall haben. Auch wenn Europa davon überhaupt nicht betroffen wäre. Oberlehrer Schulz will sogar Trump zur Vernunft rufen. Ihm sagen, dass die Konfrontation ein Ergebnis der atomaren Aufrüstung ist. Wer da atomar aufgerüstet hat, sagt unser Kanzlerkandidat allerdings nicht. Wahrscheinlich weiß er es gar nicht.

    Über Nordvietnam verliert Schulz kein Wort. Es ist ihm völlig gleichgültig, dass dies der am stärksten militarisierte Staat der Welt ist und dieser Militärstaat nun auch in rasantem Tempo Atomwaffen baut. Völlig gleichgültig ist Schulz auch, dass das nordvietnamesische Regime agressiv ist und neben den USA und Südkorea auch viele andere asiatische Länder bedroht und eine Hegemonie anstrebt.

    Laßt doch die Nordvietnamesen ruhig bedrohen und angreifen wen sie wollen. Unser Kanzlerkandidat will nichts damit zu tun haben. Er spielt den Friedensengel und belehrt die westliche Führungsmacht. Gehts noch, Martin Schulz?

  • Vielleicht sollte jemand von der SPD Herrn Schulz darauf hinweisen, dass Nord Korea mit Atomwaffen aufrüstet, nicht die USA. Die haben schon genug davon. Und leider scheint es so, dass Herr Kim feinsinnig gesponnene "Rote Linien" a la Obama nicht versteht. Deshalb versucht es Trump mal auf Kim´s Niveau. Vielleicht ist ihm das verständlicher, setzt aber Trump keineswegs auf eine Stufe mit Kim.

  • HB : "Nordkorea hatte gedroht, Raketen auf die Pazifikinsel Guam abzufeuern,"
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    Gottseidank grenzt Nordkorea nicht an die EU. Da würde Kim nicht mit Raketenbeschuss drohen sondern - ganz im Gegenteil - seine Soldaten entwaffnen und als "Schutzsuchende" vor dem Diktator in die EU "einwandern" lassen ------ und Herr Schulz würde volles Verständnis für die "Schutzsuche" zeigen.
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    Der Weg zur Behandlung der Krise ist doch vorgegeben und führt zu den Vereinten Nationen.
    Der Sicherheitsrat hat schärfere Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen und fordert zur Aufnahme von Verhandlungen auf, an denen die USA, Russland, China, Japan, Süd-Korea und Nordkorea teilnehmen sollen.
    Dazu wird es kommen. Schon möglich, dass der nordkoreanische "Provinz"fürst der Chinesen vorab versucht, durch Raketenabschüsse Richtung der Nähe Guams sein Blatt beim Pokerspiel dadurch zu verbessern, wenn die gestarteten Raketen nicht abgeschossen werden konnten und sich der Westen so als Papiertiger erweisen sollte. Der Ausgang dieses Testes dürfte auch China und Russland interessieren !
    Ziemlich sicher ist, dass Kim schießen wird ---- aber werden die Raketen auch abgeschossen werden können ?? Es dürfte anzunehmen sein, dass Mr. Trump von den US-Militärs die Fähigkeiten der US-Army ausreichend erklärt wurden; denn beim Marschflugkörper-Angriff in Syrien kamen nicht alle Raketen im Ziel an ! Dieses mal muss der Schuss aus der Hüfte die 12 treffen.

  • Fakt ist doch einfach, dass Herr Trump emotional und impulsiv ist. Und die Gefahr besteht doch darin, dass er unabgestimmte, aus dem Moment einer Emotion heraus entstehende Äußerungen macht. Am Ende rudert Herr Tillerson wieder zurück. Das vermittelt doch nicht die Überlegenheit, die die USA gegenüber Nordkorea auf dem Papier wirtschaftlich und militärisch haben.
    Es zeigt Kim einfach, dass er mit seiner Art jederzeit medienwirksam einen Schlagabtausch provozieren kann. Und dahingehend sollten wir schon nicht nur Ja-Sager sein sondern das auch mal gegenüber den USA äußern.
    Bei den Bündnisverhältnissen wäre es für Nordkorea Selbstmord, einen Erstschlag zu versuchen. Die Frage ist nur, ob Trump nicht mal im Überschwang übers Ziel hinaus schiesst. Denke man an den 1. Weltkrieg, wo Bündnispartner zum Beitritt gezwungen waren ohne, dass es Sinn gemacht hätte.

  • Auf geistreiche Kommentare und Ratschläge von Schulz hat bestimmt ganz Amerika sehnlichst gewartet.

  • Meines Erachtens ist es nicht unüblich wenn ein Staatsoberhaupt auf die Kriegsdrohung eines anderen Staatsoberhaupts mit einer Kriegsdrohung antwortet.

    Faszinierend sind die Aussagen des Herrn Schulz. Er, seine Genossen und Genossinnen, z.B. Fr. Merkel, die angeschlossenen Qualitätsmedien suchen den Eindruck zu erwecken als ob der US Präsident nicht bei Verstande sei weil er nicht der destruktiven Ideologie des Deutschen Politikregimes folgt.

    Meines Erachtens handelt Herr Trump wesentlich rationaler als Fr. Merkel und ihre roten, grünen und schwarzen Genossen.

    Ich denke, dass Herr Schulz nicht in der Position ist, irgendwelchen Einfluss auf die US Administration auszuüben.

    Ich nehme an, dass Herr Schulz solche Äusserungen von sich gibt um die Aufmerksamkeit und Zustimmung der Qualitätsmedien zu erheischen.

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