Martine Aubry
Außenseiterin im Aufwind

Obwohl Martine Aubry von Gegnern als „Ersatzkandidatin“ für Strauß-Kahn abgetan wird, beträgt ihr Rückstand gegenüber dem Favoriten Hollande keine zehn Prozentpunkte mehr. Die anstehende Stichwahl dürfte spannend werden.
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ParisMartine Aubry hat ihren Kampfgeist bei der Präsidentschaftsvorwahl der französischen Sozialisten eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In der ersten Runde am Sonntag errang sie mehr als 30 Prozent der abgegebenen Stimmen und hat so eine realistische Chance, den großen Favoriten François Hollande bei der Stichwahl doch noch zu schlagen. 

Dabei war ihre Kampagne zu Beginn sehr holprig. Die Parteichefin, die ihr Amt wegen der Vorwahl ruhen lässt, zögerte sehr lange, ob sie ihren Hut überhaupt in den Ring werfen sollte. Denn sie hatte einen Pakt mit Dominique Strauss-Kahn (DSK) und Ex-Premierminister Laurent Fabius geschlossen, wonach sich nur der Aussichtsreichste von ihnen bewerben sollte. 

Alles lief auf Strauss-Kahn zu, bis dieser im Mai mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert wurde. Deshalb wird die 61-Jährige von ihren Gegner jetzt als „Ersatzkandidatin“ hingestellt, die eigentlich gar nicht richtig wolle. In dieser Hinsicht ist Hollande klar im Vorteil: Er war schon vor dem Aus für DSK ins Rennen gestartet. 

Auch ist es nicht sonderlich glaubwürdig, dass Aubry die Anschuldigungen gegen den ehemaligen IWF-Chef lange sehr verhalten bewertet hat, jetzt aber versucht sich als Kandidatin der Frauen zu positionieren. Erst vor einigen Wochen ging sie vorsichtig auf Distanz und sagte: „Ich denke das Gleiche wie viele Frauen über das Verhalten von Dominique Strauss-Kahn gegenüber Frauen.“ Als erstes Gesetz ihrer Präsidentschaft will sie gleiche Gehälter für Frauen und Männern in gleichen Positionen anstoßen und diese innerhalb von drei Jahren erreichen. 

Im Gegensatz zu ihrem Rivalen kann Aubry Regierungserfahrung vorweisen. Als Arbeitsministerin war die Tochter des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors unter dem sozialistischen Premierminister Lionel Jospin für die heute scharf kritisierte Einführung der 35-Stunden-Woche um die Jahrtausendwende verantwortlich. Hollande wirft ihr vor, diese Entscheidung habe 27 Milliarden Euro gekostet. Das nährt Zweifel an ihrer wirtschafts- und finanzpolitischen Kompetenz. 

Auch jetzt macht die international unerfahrene 61-Jährige vollmundige Versprechen und will innerhalb von fünf Jahren 300.000 Arbeitsplätze für jungen Menschen schaffen. Es ist unklar, wie das mit dem Ziel vereinbar ist, das Staatsdefizit bis 2013 auf drei Prozent zu verringern. Im Gegensatz zu Hollande legt sie sich auch nicht darauf fest, bis wann sie einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen will.

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