Martine Aubry zur ersten Frau an die Parteispitze gewählt
Chaotische Wahl spaltet Frankreichs Sozialisten

Betrugsvorwürfe überschatten die Wahl von Martine Aubry zur ersten Frau an der Spitze der französischen Sozialisten. Anhänger der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Royal sprechen nach dem extrem knappen Sieg der früheren Arbeitsministerin in der Stichwahl von Wahlbetrug und rufen zum Aufstand der Parteibasis auf.

HB PARIS. Die französischen Sozialisten stehen nach einem knappen Ausgang des Machtkampfs an ihrer Spitze vor einer Zerreißprobe. Bei der Stichwahl setzte sich die frühere Arbeitsministerin Martine Aubry mit einem hauchdünnen Vorsprung gegen ihre Rivalin Segolene Royal durch. Die Bürgermeisterin von Lille und Tochter des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors erhielt 42 Stimmen mehr, wie die führende Oppositionspartei am Samstag mitteilte.

Anhänger der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Royal sprachen daraufhin von Wahlbetrug und forderten ein neues Votum. Der Streit der Sozialisten über den denkbar knappen Ausgang der Urwahl dürfte die Position des konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozys weiter stärken.

Die zum linken Parteiflügel zählende Aubry gilt als Architektin der 35-Stunden-Woche, die Sarkozy inzwischen aber weitgehend zurückgenommen hat. Aubry war 1997 von Lionel Jospin zur Arbeitsministerin berufen worden. Sie legte das Amt im Jahr 2001 nieder, um Bürgermeisterin zu werden.

Anhänger Royals zweifelten das Wahlergebnis an. „Es gab Betrug, es gab Mogelei“, sagte der Abgeordnete Manuel Valls dem Fernsehsender TF1. „Zurzeit kann niemand den Sieg für sich beanspruchen.“ Nur eine neue Abstimmung könne den Weg aus der verfahrenen Situation weisen. „Ich rufe zum Aufstand der Parteibasis auf.“

Aubrys Lager räumte ein, dass die Situation kompliziert sei. Der Sieg Aubrys sei aber eindeutig. Der scheidende Parteivorsitzende Francois Hollande rief die Sozialisten auf, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Partei werde konkreten Vorwürfen nachgehen. Hollande ist der ehemalige Lebensgefährte Royals, die im vergangenen Jahr bei der Präsidentenwahl Sarkozy unterlegen war.

Bei dem parteiinternen Votum der Sozialisten kam Aubry am Freitag auf 50,02, Royal auf 49,98 Prozent der Stimmen. Insgesamt beteiligten sich rund 135 000 von gut 230 000 Parteimitgliedern an der Stichwahl. In der ersten Abstimmungsrunde hatte Aubry noch weit hinter Royal gelegen. Sie überrundete Royal schließlich mit der Unterstützung des äußerst linken Parteiflügels und der „Elefanten“, wie die alte Garde der sozialistischen Parteifunktionäre in Frankreich genannt wird. Die ansonsten meist miteinander rivalisierenden Politiker sind sich in einem Punkt einig - in ihrer Ablehnung Royals.

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