Massaker im irakischen Haditha
US-Soldat wegen Mordes angeklagt

Rund ein Jahr nach einem mutmaßlichen Massaker amerikanischer Truppen in der irakischen Ortschaft Haditha sind erste Mordanklagen gegen beteiligte Marineinfanteristen erhoben worden. Ihnen wird die willkürliche Erschießung von 24 Zivilpersonen vorgeworfen.

HB WASHINGTON. Der Einsatzführer wurde am Donnerstag in Camp Pendleton in Kalifornien nach Angaben seines Anwalts des mehrfachen Mordes beschuldigt. Auch die Anwälte zweier weiterer Soldaten gaben am Donnerstag bekannt, dass sich ihre Mandanten vor dem Militärtribunal verantworten müssen.

Insgesamt droht acht Marineinfanteristen eine Anklage. Ihnen wird vorgeworfen, in Haditha nördlich von Bagdad bis zu 24 irakische Zivilpersonen willkürlich erschossen haben. Auslöser soll der Tod eines Soldaten bei einem Bombenanschlag gewesen sein.

Der Truppenführer muss sich in 13 Punkten verantworten, erklärte Anwalt Neal Puckett. Dabei geht es den Angaben zufolge um die Ermordung von zwölf Irakern bei dem Militäreinsatz am 19. November 2005 sowie in einem weiteren Vorwurf um den Tod von sechs Irakern, die bei der Stürmung eines Hauses in Haditha getötet wurden. Der beschuldigte Soldat soll dabei die Anweisung gegeben haben, „erst zu schießen und dann Fragen zu stellen“. Weiter soll er Kollegen zu Falschaussagen angehalten haben.

Anwälte der US-Soldaten haben betont, ihre Mandanten hätten sich so verhalten, wie sie es gelernt hätten: auf eine als Bedrohung empfundene Situation entsprechend zu reagieren.

Die strafrechtlichen Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem das Magazin „Time“ im März unter Berufung auf Überlebende und Menschenrechtsgruppen berichtet hatte, dass unbeteiligte Menschen getötet worden seien. Die Marineinfanteristen hatten zunächst angegeben, dass 15 Menschen bei einer Bombenexplosion und acht Aufständische in anschließenden Gefechten ums Leben gekommen seien.

Wegen Verbrechen im Irak sind bereits mehrere US-Soldaten verurteilt worden. In Camp Pendelton ist derzeit ein Verfahren wegen der Ermordung eines Irakers in Hamdania anhängig. Insgesamt acht Soldaten wird vorgeworfen, im April den 52-jährigen Haschim Ibrahim Awad aus seinem Haus gezerrt, in ein Loch geworfen und erschossen zu haben. Anschließend versuchten sie ihre Tat als Tötung eines bewaffneten Rebellen darzustellen. Auslöser soll die Frustration der Marineinfanteristen wegen ihrer vergeblichen Suche nach einem Aufständischen gewesen sein.

In Fort Campbell in Kentucky müssen sich mehrere Soldaten wegen Vergewaltigung und Ermordung eines 14-jährigen Mädchens im Irak verantworten. Ihnen wird Verwicklung in den Überfall im März in Mahmudija vorgeworfen, bei dem die 14-Jährige vergewaltigt und anschließend zusammen mit ihren Eltern und ihrer sechsjährigen Schwester getötet wurde. Einer der insgesamt vier Angeklagten wurde bereits zu 90 Jahren Haft verurteilt.

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