Massaker von Haditha
US-Soldaten töteten „nach Vorschrift“

Am 19. November 2005 starben in der irakischen Stadt Haditha 24 Männer, Frauen und Kinder durch die Hand US-amerikanischer Soldaten. Nun verteidigt sich erstmals einer der beteiligten Marineinfanteristen. Er beteuert seine Unschuld – alles sei streng nach Vorschrift verlaufen.

HB WASHINGTON. Er und seine Kameraden hätten bei dem Einsatz in Haditha alle Anweisungen befolgt und keinesfalls absichtlich Zivilpersonen getötet, sagte Stabsunteroffizier Frank Wuterich über seinen Anwalt der Zeitung „The Washington Post“ vom Sonntag. Die Tötung der 24 Einwohner des westirakischen Ortes sei die Folge einer Razzia von Haus zu Haus gewesen, die chaotisch verlaufen sei. „Er ist bestürzt darüber, dass die Leute glauben, er und seine Marines seien in der Lage, absichtlich unschuldige Zivilisten zu töten“, sagte der Anwalt Neal Puckett über seinen Mandanten. „Alles, was sie an diesem Tag getan haben, war, den Regeln zu folgen und das Leben von Marineinfanteristen zu schützen.“

Wuterich zufolge suchten er und seine Kollegen am 19. November unmittelbar nach einem Bombenanschlag nach Aufständischen. Dabei seien sie zu viert in ein Haus eingedrungen, hätten die Tür zu einem Raum geöffnet und eine Splittergranate hineingeworfen. Einer der Soldaten habe Schüsse abgefeuert und dabei mehrere Menschen getötet, sagte Wuterich seinem Anwalt der Zeitung zufolge. Erst dann hätten die Soldaten die Männer, Frauen und Kinder entdeckt. In der Annahme, die Extremisten seien in ein anderes Gebäude geflüchtet, hätten die Streitkräfte daraufhin ihr Vorgehen in jenem anderen Haus wiederholt und dabei noch mehr Menschen getötet. Wuterich habe die Aktion danach abbrechen lassen und seinen Vorgesetzten Bericht erstattet. Dabei sei der Tod von Zivilisten auch nicht verschwiegen worden, wurde der Anwalt weiter zitiert.

Zeugen zufolge sollen die US-Marine-Infanteristen die Zivilisten absichtlich getötet haben. Das Militär untersucht derzeit neben dem Vorfall selbst auch die Frage, ob es einen Vertuschungsversuch gab.

Die Zeitung berichtete, zwei weitere Anwälte von beschuldigten Soldaten hätten erklärt, die Angaben Wuterichs deckten sich mit denen ihrer Mandanten. Auch sie hätten betont, die Vorgehensweise der Marineinfanteristen in Haditha habe dem Standard entsprochen, als sie auf einen Beschuss aus einem Haus heraus reagiert hätten.

Die Zeitung zitierte auch den Anwalt von Hauptmann Lucas McConnell, der nach Bekanntwerden der Anschuldigungen vom Dienst suspendiert wurde. Kevin McDermott sagte der „Post“, Wuterich und andere Soldaten hätten seinen Mandanten noch am Tag des Zwischenfalls darüber informiert, das mindestens 15 Zivilpersonen ums Leben gekommen seien. Grund sei „eine Mixtur aus Schusswaffenfeuer und Granatsplittern“ gewesen. McConnell habe diese Angaben an seine Vorgesetzten weitergeleitet. Es sei also nichts verschleiert worden.

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