Massaker von Srebenica
Mladic schiebt alles auf Milosevic

Bei Demonstrationen gegen die Verhaftung des mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers Mladic ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Der 69-Jährige bestreitet weiter jegliche Beteiligung am Massaker von Srebrenica.
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BelgradBei einer Demonstration für die Freilassung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic sind am Sonntag im Belgrad Steine geflogen und Fenster zu Bruch gegangen. Nach Ende eines Umzugs mit etwa 7.000 Teilnehmern kam es vor dem Parlamentsgebäude in der serbischen Hauptstadt zu Auseinandersetzungen zwischen den nationalistischen Teilnehmern der Kundgebung und der Polizei. Die Demonstranten warfen Mülltonnen um, zerstörten Ampeln und setzten Feuerwerk ein. An mehreren Stellen kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. 

Viele der Demonstranten sangen nationalistische Lieder oder trugen Mladic verehrende Spruchbänder. Einige riefen rechtsradikale Parolen oder machten den Hitler-Gruß. 

Die Demonstranten protestierten gegen die geplante Auslieferung Mladics an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, wo sich Mladic für die ihm vorgeworfenen Kriegsverbrechen verantworten soll. „Kooperation mit dem Haager Tribunal stellt Hochverrat dar“, rief Lidija Vukicevic von einer der radikalen Parteien der Menge zu. „Das ist ein Protest gegen die beschämende Festnahme eines serbischen Helden“, hieß es weiter. Die Demonstranten forderten außerdem den Rücktritt von Präsident Boris Tadic, der Mladics Festnahme angeordnet hatte. 

Im Osten Bosniens versammelten sich rund 3.000 Unterstützer Mladics in der Stadt Kalinovik um gegen dessen Festnahme zu protestiert. Anschließend machten sich zahlreiche Demonstranten auf den Weg in das Dorf Bozanici, um dort zu jener Hütte zu pilgern, in der Mladic einst geboren wurde. Eine Tante sowie Cousins des unter anderem wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten Mladic erzählten den Anhängern Geschichten über dessen Kindheit.

Derweil bestreitet der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher jede Beteiligung am Massaker von Srebrenica 1995. Stattdessen hat Ratko Mladic für die ihm vorgeworfenen Gräueltaten den früheren Präsidenten Slobodan Milosevic und die serbische Bevölkerung verantwortlich gemacht. „Ich habe Slobodan Milosevic nicht gewählt, ihr schon“, sagte Mladic nach Angaben von Staatsanwalt Bruno Vekaric.

Der frühere General habe erklärt, „die Schuld liegt bei Milosevic“ und allen Serben, die den damaligen Präsidenten unterstützt hätten, sagte Vekaric am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Milosevic starb 2006 während seines Prozesses vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Er war wegen Gräueltaten in Kroatien und Bosnien sowie wegen Völkermordes und weiterer Verbrechen im Kosovo angeklagt.

Mladics Sohn Darko erklärte am Sonntag, sein Vater habe nach eigener Aussage die Morde nicht angeordnet. Derzeit wehrt sich Mladic mit Verweis auf seinen Gesundheitszustand gegen eine geplante Auslieferung an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

„Was immer in Srebrenica getan wurde, er hat damit nichts zu tun“, sagte Darko Mladic vor dem Gefängnis, in dem sein Vater festhalten wird. „Seine Anweisung war, die Verletzten zu evakuieren, die Frauen und die Kinder und dann die Kämpfer. Was immer hinter seinem Rücken getan wurde, er hat damit nichts zu tun.“

Mladics Anwalt betonte am Wochenende mehrfach, der 69-Jährige sei körperlich und geistig nicht stabil genug für einen Prozess. Mladic könnte bereits am (morgigen) Montag überstellt werden, wenn ein Richter seinen Berufungsantrag ablehnt.

Mit dieser Entscheidung rechnet er, wie sein Verteidiger Milos Saljic erklärte. Der 69-jährige wolle sich vor einer Auslieferung aber gern noch ein wenig erholen. Am Sonntag sagte der Anwalt dann, der Gesundheitszustand seines Mandanten habe sich über Nacht verschlechtert. Besonders psychisch gehe es ihm nicht gut.

Vorsitzender Richter beim Verfahren des Strafgerichtshofs für das frühere Jugoslawien gegen Mladic wird der frühere Berliner Justizstaatssrekretär Christoph Flügge sein, wie das Tribunal auf seiner Website mitteilte.

Darko Mladic unterstrich am Samstag erneut seine Forderung, dass sein Vater in ein Krankenhaus überstellt werden solle. Er sehe zwar etwas besser aus als am Freitag, sei sich aber der Situation, in der er sich befinde, nicht ganz im Klaren, sagte er. „Er ist irgendwie verwirrt“, erklärte auch Anwalt Saljic. Außerdem habe er gefragt, ob er einige seiner „alten Freunde“ wiedersehen könne.

Ultranationalisten planten für (den heutigen) Sonntag Massenproteste gegen die Festnahme Mladics. Die Polizei verstärkte bereits die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land. Anwalt Saljic erklärte, Mladic habe seine Anhänger außerdem von seiner Zelle aus zur Zurückhaltung aufgefordert. „Er hat gefordert, dass es kein Blutvergießen geben darf.“ Mladic, dem früheren militärischen Führer der bosnischen Serben im Bürgerkrieg von 1992 bis 1995, werden Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Unter anderem soll er 1995 das Massaker von Srebrenica befohlen haben, bei dem 8.000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden. Außerdem soll er maßgeblich für die vierjährige Belagerung von Sarajevo verantwortlich gewesen sein.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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