Massaker-Vorwürfe
Irak kritisiert Entlastung der US-Soldaten

Das US-Militär hat Soldaten von den Massaker-Vorwürfen entlastet. Die irakische Regierung hat darauf mit harscher Kritik reagiert. Ein Berater von Ministerpräsident Nuri al-Maliki kündigte an, der Irak werde nun seine eigene Untersuchung des Falles vorantreiben.

HB BAGDAD. „Wir haben mehr als eine Quelle, aus der hervorgeht, dass die Tötungen in Ischaki unter fragwürdigen Umständen geschahen“, sagte Adnan al-Kasimi, ein Berater von Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Samstag. Deshalb werde seine Regierung ihre eigene Untersuchung des Falls vorantreiben. Die US-Armee hatte die Vorwürfe als „absolut falsch“ bezeichnet, ihre Soldaten hätten in Ischaki eine elfköpfige „Familie exekutiert und dann die angeblichen Verbrechen durch einen Luftangriff vertuscht“.

„Es wurde mehr als ein Kind getötet. Der Bericht ist gegenüber dem irakischen Volk und den getöteten Kindern nicht fair“, erklärte Kasimi. Der Irak werde eine Entschuldigung der USA sowie Entschädigungen für die Opfer fordern. Dies gelte auch für das mutmaßliche Massaker in Haditha.

Das US-Militär hatte mitgeteilt, dass eine Untersuchung des Vorfalls in Ischaki im März kein Fehlverhalten der Soldaten ergeben habe. Nach irakischen Polizeiangaben wurden die fünf Kinder und sechs Erwachsenen durch Kopfschüsse getötet.

Die US-Armee geht davon aus, dass bei der Verfolgung eines Aufständischen, der sich in das Haus geflüchtet habe, ein Rebell sowie zwei Frauen und ein Kind getötet worden seien. Allerdings sei nach den Ermittlungen nicht auszuschließen, dass bei dem Einsatz bis zu neun Menschen getötet worden seien. Die genaue Zahl sei in den Trümmern des Hauses nicht mehr festzustellen.

Der Vorfall in Ischaki ist einer von mehreren, in denen US-Soldaten die absichtliche Tötung von Zivilisten im Irak vorgeworfen wird. Im Mittelpunkt steht dabei ein mutmaßliches Massaker im westirakischen Haditha. Militärermittlern zufolge sollen US-Marine-Infanteristen im November 24 Zivilisten erschossen und dies später vertuscht haben. Die US-Armee hatte zunächst erklärt, die Zivilisten in Haditha seien bei einem Bombenanschlag Aufständischer ums Leben gekommen. Medien meldeten jedoch Zweifel an der offiziellen Darstellung an. Daraufhin waren im November Vorermittlungen angelaufen. Untersucht wird unter anderem, ob US-Soldaten ein Massaker als Reaktion darauf anrichteten, dass ein Kamerad bei einem Anschlag in nächster Nähe getötet wurde.

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