Massen-Kidnapping
Mehrere Entführte in Bagdad wieder frei

Nur wenige Stunden nach einer spektakulären Massenentführung in Bagdad sind am Dienstagabend mehrere der Opfer wieder freigekommen. Unterdessen gerieten irakische Polizisten unter Tatverdacht. Der Nachrichtensender Al- Arabija berichtete, fünf Beamte seien festgenommen worden, weil sie möglicherweise in die Entführung verwickelt seien.

HB BAGDAD.Ein Sprecher des irakischen Ministeriums für Hochschulbildung bestätigte zunächst die Freilassung von drei Angestellten des Instituts für Kulturforschung. Das Schicksal der übrigen Entführungsopfer sei noch unklar.

Bewaffnete Männer hatten am Morgen mehr als 100 Beamte, Experten und Besucher aus dem Institut verschleppt. Die Kidnapper seien mit mehreren Fahrzeugen vor dem Gebäude vorgefahren und hätten die Wachleute überwältigt. Anschließend hätten sie alle Frauen in einem Zimmer eingeschlossen und zwischen 100 und 150 Männer verschleppt. Die Entführer hätten zum Teil Uniformen einer Spezialeinheit des Innenministeriums getragen, sagte Hochschulminister Abed Thejab al- Adschili.

Beobachter vermuteten, dass es sich bei den Entführern tatsächlich um Polizisten handelte. Die Spezialeinheit des Innenministeriums wird von den Sunniten-Parteien oft als verlängerter Arm der schiitischen Partei-Milizen bezeichnet. Allerdings benutzen Terroristen im Irak häufig auch gestohlene oder nachgemachte Uniformen.

Der Ministeriumssprecher erklärte weiter, das Innen- und Verteidigungsministerium hätten zugesichert, alle Ausbildungsstätten besser zu schützen. Darum würden die Universitäten am Mittwoch ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen. Der Minister selbst hatte die Entführung als „kriminellen Akt“ verurteilt. Die Entführung sei Teil einer Kampagne gegen die geistige Elite des Landes, sagte der sunnitische Ressortchef. Zugleich hatte Al-Adschili angekündigt, die Hochschulen würden so lange geschlossen bleiben, bis sich die Sicherheitslage verbessert habe. Seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein sind im Irak Dutzende von Professoren ermordet worden.

Der irakische Fernsehsender Al-Scharkija meldete derweil, bei einem US-Luftangriff in der westirakischen Aufständischen- Hochburg Ramadi seien in der Nacht zum Dienstag mindestens 30 Menschen getötet worden. 15 weitere Iraker seien verletzt worden. Nach Informationen von Al-Arabija kamen bei einem Autobombenanschlag auf einem Markt in Bagdad am Dienstag zehn Menschen ums Leben. In Bakuba fand die Polizei die Leichen von 15 Mordopfern. Extremisten töteten in der Stadt vier Polizisten. Augenzeugen berichteten, in der 120 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Ortschaft Al-Noamanija sei bei einem Sprengstoffanschlag ein polnischer Soldat getötet worden.

Bei der von Ministerpräsident Nuri al-Maliki angekündigten Kabinettsumbildung sollen nach Angaben aus Regierungskreisen in den kommenden Wochen zehn der 27 Minister ausgetauscht werden. Al-Maliki hatte am Sonntag erklärt, er wolle unfähige Minister, die nur durch das zwischen den Parteien ausgehandelte Quotensystem zu ihren Posten gekommen seien, durch Fachleute ersetzen. Viele Iraker klagen darüber, dass die Parteien die von ihren Mitgliedern geleiteten Ministerien wie ihren „Besitz“ verwalteten und jede Gelegenheit nutzten, sich zu bereichern.

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