Massenbeisetzungen und zweitägige Staatstrauer in Russland
Streit unter Geiselnehmern von Beslan

Nach russischen Medienberichten kam es unter den Geiselnehmern zu einem Streit über die Freilassung der Kinder. Am Montag begannen die Massenbeisetzungen der Opfer. Russland gedenkt Montag und Diensag mit einer Staatstrauer den 335 Toten des Geiseldramas von Beslan.

HB BESLAN. Die offizielle Totenzahl wurde in der Nacht von 338 auf 335 korrigiert. Die Hälfte von ihnen seien Kinder, teilte der Einsatzstab am Montagmorgen in Beslan mit. Die Behörden rechnen damit, dass die Zahl der Opfer steigen wird. 377 Verletzte werden in den Krankenhäusern behandelt, andere Quellen sprechen von 430. Insgesamt hielten die Terroristen nach offiziellen Angaben 1 180 Menschen in ihrer Gewalt.

Russische Medien berichteten am Montag unter Berufung auf die Aussagen eines Tatverdächtigen, unter den 32 vermutlich tschetschenischen Geiselnehmern sei es während der Erstürmung des Schulgebäudes zu einem tödlichen Streit gekommen. Einige der Terroristen hätten von ihrem Anführer verlangt, die Kinder freizulassen. Daraufhin habe jener Anführer einen seiner Gefolgsleute erschossen und die Sprengstoffgürtel am Körper zweier so genannter Schwarzer Witwen ferngezündet.

Ein russischer Fernsehsender strahlte am Sonntag ein Video eines inhaftierten Mannes aus, bei dem es sich um einen der Geiselnehmer handeln soll. Die russischen Behörden hatten zunächst erklärt, bei der Befreiungsaktion seien 32 Geiselnehmer getötet und drei weitere festgenommen worden. Später hatte es geheißen, alle Geiselnehmer seien getötet worden. Die drei Festgenommenen hätten den Geiselnehmern vermutlich geholfen.

Russland hat am Montag mit einer landesweiten Staatstrauer der Geiselopfer von Beslan gedacht. Auf dem neuen Friedhof der kleinen Stadt im Kaukasus begannen am Morgen die Massenbeerdigungen der Opfer des Geiseldramas vom Freitag. „Es gibt nicht eine Familie in Beslan, und leider auch in ganz Ossetien, die nicht einen Toten zu beklagen hat“, sagte Bürgermeister Boris Urtajew. Am Sonntag waren die ersten 22 Todesopfer beigesetzt worden.

Von den offiziell 335 Toten ist fast ein Drittel bislang nicht identifiziert worden. Jene 100 Leichen seien zum großen Teil bis zu Unkenntlichkeit entstellt, teilte der Einsatzstab mit. Nach Behördenangaben vom Vortag galten zuletzt noch 190 Personen in Beslan als vermisst.

Vertreter der Regionalregierung Nord-Ossetiens räumten Versäumnisse der Sicherheitskräfte bei der Stürmung der besetzten Schule ein. Gleichzeitig appellierten sie an die Bürger, nicht alte ethnische, territoriale und religiöse Konflikte im Nord-Kaukasus wieder aufzureißen. Ähnliche Appelle kamen aus den Nachbarregionen Inguschetien und Tschetschenien. Sorgen bereiten den Verantwortlichen Berichte, dass die Geiselnehmer aus dem benachbarten Inguschetien nach Beslan gekommen seien. Wegen territorialer Streitigkeiten war es 1992 zu Kämpfen zwischen Nord-Osseten und Inguschen gekommen.

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